Was Timkat bedeutet
Timkat, oft auch Timket geschrieben, heißt so viel wie Taufe. Gefeiert wird die Taufe Jesu durch Johannes im Jordan, also das Fest, das in westlichen Kirchen Epiphanias oder Taufe des Herrn heißt. In Äthiopien ist es kein stilles Fest, sondern ein öffentliches Ereignis, das ganze Städte auf die Straße bringt. Wer Timkat einmal erlebt hat erinnert sich an Trommeln, Gesang, bunte Schirme und Menschen in weißen Gewändern, so weit das Auge reicht.
Im Mittelpunkt steht der Tabot, eine geweihte Tafel, die in jeder orthodoxen Kirche aufbewahrt wird und für die Bundeslade steht. Nur Priester dürfen ihn sehen. An Timkat verlässt er, in kostbare Tücher gehüllt, die Kirche. Für die Gläubigen ist das ein bewegender Moment, denn der Tabot gilt als das Heiligste, was eine Kirche besitzt. Mehr zum Begriff steht im Glossar unter Tabot.
Termine
Timkat fällt nach dem äthiopischen Kalender auf den 11. Tir. Das ist in der Regel der 19. Januar. In Jahren nach einem äthiopischen Schaltjahr wird am 20. Januar gefeiert.
| Jahr | Ketera (Vorabend) | Timkat |
|---|---|---|
| 2027 | 18. Januar | 19. Januar |
| 2028 | 19. Januar | 20. Januar |
| 2029 | 18. Januar | 19. Januar |
Ketera: der Vorabend
Das Fest beginnt am Nachmittag vor Timkat mit Ketera. Die Priester tragen die Tabotat ihrer Kirchen in feierlichen Prozessionen zu einem Gewässer: einem Fluss, einem See, einem Teich oder einem eigens dafür angelegten becken. Sie gehen unter prächtigen Schirmen aus Samt und Brokat, in festlichen Gewändern. Vor ihnen ziehen Diakone mit Kreuzen und Weihrauch, Gemeindemitglieder singen, schlagen Trommeln und tanzen. Der Weg ist oft mit Teppichen und Gras ausgelegt.
Am Ziel werden die Tabotat in Zelten untergebracht. Sobald es dunkel wird beginnt eine lange Nachtwache mit Gebeten, Gesängen und Lesungen. Viele Gläubige verbringen die nacht im Freien, in Decken gehüllt, und warten auf den Morgen. Es ist eine stille, feierliche Zeit, auch wenn rundherum Feuer brennen und Kaffee gekocht wird.
Der Morgen: Wasser und Segen
Wenn der Morgen anbricht segnen die priester das Wasser. Danach wird es über die Menge gespritzt, und viele Menschen drängen nach vorn, um ein paar Tropfen abzubekommen. Wer nass wird gilt als gesegnet, und viele erneuern auf diese Weise symbolisch ihre Taufe. Manche steigen auch ins Wasser oder springen hinein, wo das möglich ist. Der Segen ist für viele der wichtigste Moment des ganzen Jahres.
Anschließend kehren die Tabotat unter Gesang und Tanz in ihre Kirchen zurück. Die Prozession zurück ist oft noch lebhafter als die Hinreise, denn jetzt wird gefeiert. Junge Leute tragen neue Kleider, Gruppen singen und tanzen vor dem Tabot her. In vielen Orten bleibt der Tabot des Erzengels Michael noch einen Tag länger draußen, weil am folgenden Tag sein Fest gefeiert wird.
Timkat und junge Leute
Timkat ist auch ein Fest der Begegnung. Früher, und auf dem Land zum Teil noch heute, warf ein junger Mann einer jungen Frau eine zitrone zu, um sein Interesse zu zeigen. Fing sie die Zitrone, galt das als Zustimmung. Heute ist das eher ein Spaß, an den sich viele gern erinnern.
Wo Timkat besonders gefeiert wird
Gefeiert wird überall, wo es orthodoxe Gemeinden gibt, auch in Deutschland. Einige Orte sind aber besonders bekannt. In Gondar wird das große Becken neben dem Bad des Fasilidas mit Wasser gefüllt, und nach dem segen springen viele Menschen hinein. In Lalibela ziehen die Prozessionen zwischen den Felsenkirchen hindurch. In Addis Abeba ist Jan Meda, ein weiter Platz im Norden der Stadt, einer der wichtigsten Treffpunkte, dazu kommen viele Feiern in den einzelnen Stadtteilen.
Lage beachten
Gondar und Lalibela liegen in Amhara. Für diese Region warnt das Auswärtige Amt Stand 2. November 2026 vor Reisen. Wer Timkat erleben möchte, kann das derzeit in Addis Abeba tun, auch dort mit erhöhter Vorsicht und Blick auf die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts (öffnet neues Fenster).
Respektvoll zuschauen
Timkat ist öffentlich, und Gäste sind in der Regel willkommen. Wer zuschauen möchte sollte trotzdem ein paar Dinge beachten:
- Kleide dich zurückhaltend, am besten mit langen Hosen oder Rock und bedeckten Schultern. Weiß ist die Farbe des Festes, aber kein Muss.
- Halte Abstand zu den Priestern und dem Tabot. Stell dich nicht in den Weg der Prozession.
- Frag, bevor du Menschen fotografierst, und fotografiere den verhüllten Tabot nicht aus nächster Nähe.
- Rechne mit großem Gedränge, besonders beim Wassersegen. Wertsachen gehören eng an den Körper.
- Bring Geduld mit. Prozessionen dauern Stunden, und Zeitangaben sind ungefähr.
Die Nacht am Wasser ist kühl, besonders im Hochland. Wer die Nachtwache erleben möchte, braucht eine warme Jacke. Mehr Hinweise zum Verhalten bei religiösen Anlässen gibt die Seite Gastfreundschaft und Etikette.
Timkat in Deutschland
Auch äthiopisch-orthodoxe Gemeinden in Deutschland feiern Timkat, etwa in Frankfurt, Köln, Berlin oder München. Die Feiern sind kleiner, folgen aber demselben Ablauf mit Gottesdienst, Prozession und Segen. Oft sind Gäste willkommen, wenn sie sich vorher bei der Gemeinde melden. So lässt sich das Fest erleben, ohne weit zu reisen.
Wer Äthiopiens Tauffest in Ruhe kennenlernen möchte, findet hier einen guten Einstieg. In einer kleinen Gemeinde ist es leichter, Fragen zu stellen, und oft erklärt jemand gern, was gerade passiert. Danach gibt es meist ein gemeinsames Essen mit Injera und Kaffee. Viele Familien kommen aus der ganzen Region, und für Kinder, die in Deutschland aufwachsen, ist Timkat eine wichtige Verbindung zur Kultur ihrer Eltern. Ein kleines Geschenk ist nicht nötig, eine Spende für die Gemeinde wird aber gern gesehen.
Häufige Fragen
Wann ist Timkat?
Am 11. Tir des äthiopischen Kalenders, das ist meist der 19. Januar, in manchen Jahren der 20. Januar. Der Vorabend heißt Ketera.
Ist Timkat ein Feiertag?
Ja, Timkat ist in Äthiopien ein gesetzlicher Feiertag. Behörden und viele Geschäfte bleiben geschlossen.
Darf ich als Nicht-Christ bei Timkat zuschauen?
Ja. Die Prozessionen sind öffentlich. Wichtig sind angemessene Kleidung, Abstand zu den Priestern und Zurückhaltung beim Fotografieren.
Quellen
- UNESCO: Ethiopian epiphany, Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes (2019)
- Eigene Umrechnung der Timkat-Daten nach dem äthiopischen Kalender
- Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise
Stand der Angaben: 2. November 2026

