Reiselage am 2. November 2026
Reisewarnung Region: Amhara
Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in diese Region. Dieser Text beschreibt den Ort und seine Geschichte. Er ist keine Empfehlung, jetzt dorthin zu reisen. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung beim Auswärtigen Amt (öffnet neues Fenster). Hintergründe sammelt die Seite Sicherheit und Reisehinweise für Äthiopien.
Der Ort
Lalibela liegt im Norden Äthiopiens in den Bergen von Lasta, auf rund 2.500 Metern Höhe. Der Ort selbst ist klein, ein paar Straßen, Märkte, Gästehäuser, viele Häuser aus Stein und Lehm. Berühmt ist er wegen seiner Kirchen, die sich in der Mitte des Ortes verbergen. Man sieht sie oft erst, wenn man direkt am Rand der Gruben steht, in denen sie liegen. Früher hieß der Ort Roha. Seinen heutigen Namen trägt er nach dem König, unter dem die Kirchen entstanden sein sollen.
Wie die Kirchen entstanden
Die Kirchen von Lalibela wurden nicht aus Steinen gemauert. Die Handwerker schlugen sie von oben nach unten aus dem anstehenden Vulkangestein heraus. Zuerst hoben sie tiefe gräben aus, bis ein großer Block frei stand. Dann arbeiteten sie aus diesem Block die Kirche heraus, mit Fenstern, Türen, Säulen, Gewölben und Verzierungen. Was oben weggeschlagen wurde ließ sich nicht mehr ergänzen. Jeder Fehler wäre für immer sichtbar geblieben.
Nicht alle Kirchen sind gleich gebaut. Manche stehen völlig frei in ihrer Grube und hängen nur am Boden mit dem Fels zusammen. Andere sind auf einer oder mehreren Seiten noch mit der Felswand verbunden, wieder andere sind eher Höhlen, deren Front wie eine Fassade gestaltet wurde. Zwischen den Kirchen verlaufen Gräben, Tunnel und schmale Gänge, manche völlig dunkel. Die Gräben dienten auch dazu, Regenwasser abzuleiten.
Wie lange die Arbeiten dauerten, ist unklar, denn der König und seine Handwerker hinterließen keine Bauberichte. Die Überlieferung erzählt, dass tagsüber Menschen arbeiteten und nachts Engel weitermachten. Forscher gehen davon aus, dass die Anlage in mehreren Phasen entstand und manche Teile älter sind als die eigentlichen Kirchen. Einige Räume könnten ursprünglich gar keine Kirchen gewesen sein, sondern Wohn- oder Wehrbauten, die später umgewidmet wurden.
König Lalibela und das neue Jerusalem
Die Kirchen werden König Gebre Meskel Lalibela zugeschrieben, der um das Jahr 1200 regierte. Er gehörte zur Zagwe-Dynastie, die damals über große Teile des Hochlands herrschte. Als Jerusalem 1187 erobert wurde war die Pilgerreise ins Heilige Land für äthiopische Christen kaum noch möglich. Eine verbreitete Erklärung lautet deshalb, dass der König in seinem Land ein zweites Jerusalem schaffen wollte. Dafür spricht, dass viele Orte in Lalibela biblische Namen tragen. Der kleine Fluss, der das Gelände teilt, heißt Yordanos, also Jordan. Es gibt ein Golgota und ein Grab Adams.
Ob das wirklich der Plan des Königs war, lässt sich nicht beweisen. Sicher ist, dass Lalibela seit Jahrhunderten als heilige Stadt gilt und für viele orthodoxe Christen ein Ziel ist, das sie einmal im Leben erreichen möchten. Mehr zur Rolle der Kirche erklärt die Seite Glaube und Kirchen in Äthiopien.
Die Kirchengruppen
Die elf Kirchen bilden zwei große Gruppen links und rechts des Yordanos und eine einzelne Kirche etwas abseits.
Die nördliche Gruppe
Hier steht Bet Medhane Alem, die Kirche des Erlösers der Welt. Sie gilt als größte aus einem einzigen Felsblock gehauene Kirche der Welt, umgeben von einem Säulengang. Gleich daneben liegt Bet Maryam, die Marienkirche, mit Malereien und Reliefs an Decken und Säulen. Für viele Gläubige ist sie die wichtigste Kirche des Ortes. Dazu gehören Bet Meskel, Bet Danaghel und der Doppelkomplex aus Bet Golgota und Bet Mikael. In Bet Golgota soll sich das Grab des königs befinden. Frauen dürfen diesen Teil nicht betreten.
Die östliche Gruppe
Auf der anderen Seite liegen Bet Amanuel mit seiner sorgfältig gearbeiteten Fassade, Bet Merkorios, Bet Abba Libanos und Bet Gabriel-Rufael. Zu Bet Gabriel-Rufael führt eine brücke über einen tiefen Graben. Diese Gruppe ist verwinkelter als die nördliche, mit langen Gängen und einem völlig dunklen Tunnel, der symbolisch für den Weg in die Hölle stehen soll. Wer ihn durchquert, kommt im Licht wieder heraus.
Bet Giyorgis
Etwas abseits steht die bekannteste Kirche: Bet Giyorgis, dem heiligen Georg geweiht. Von oben gesehen hat sie die Form eines Kreuzes. Sie steht in einer etwa zwölf Meter tiefen Grube, und man erreicht sie über einen Gang, der in den Fels geschlagen wurde. Wer vor Bet Giyorgis steht schaut auf einen der eindrucksvollsten Bauten Afrikas. Sie ist sehr gut erhalten und vermutlich etwas jünger als die übrigen Kirchen. Nach der Legende erschien der heilige Georg dem König und beschwerte sich, dass für ihn keine Kirche gebaut worden war.
Lebendige Kirchen
Lalibela ist kein Museum. In den Kirchen wird gebetet, gesungen und gelesen. Priester zeigen Gläubigen und Besuchern alte Kreuze und Handschriften, Diakone bereiten Gottesdienste vor, Pilger in weißen tüchern sitzen in den Gängen. Manche Einsiedler leben in kleinen Höhlen in den Felswänden. Typisch für Lalibela ist auch eine eigene Form des Handkreuzes, das Lalibela-Kreuz. Mehr über Kreuze und Kirchenkunst liest du unter Kunst und Handwerk in Äthiopien.
Die größten Feste sind Genna, die Weihnacht am 7. Januar, und Timkat zwei Wochen später. Wenn die Pilger zu Genna kommen füllt sich der Ort mit zehntausenden Menschen, die oft tagelang zu Fuß angereist sind. In der Nacht singen Priester auf dem Rand der Gruben, während unten die Gemeinde betet. Wie das Tauffest abläuft, steht auf der Seite zu Timkat.
Schutz und Erhalt
Der weiche Stein leidet unter Regen, Wind und den vielen Menschen, die durch die Kirchen gehen. Risse, abplatzende Oberflächen und Feuchtigkeit sind ein Dauerproblem. Seit 2008 schützt über einigen Kirchen ein schutzdach auf hohen Stützen vor Regen. Es war als Übergangslösung gedacht und ist umstritten, weil es das Bild verändert und auf Dauer selbst zur Belastung werden könnte. Restauratoren arbeiten seit Jahren an besseren Lösungen.
Zum Welterbe gehören die Kirchen seit 1978, sie zählen damit zu den ersten Einträgen auf der Liste überhaupt. Welche Stätten in Äthiopien sonst noch dazugehören, erklärt die Seite Welterbe in Äthiopien.
In der Umgebung
Rund um Lalibela gibt es weitere Kirchen, die weniger bekannt, aber nicht weniger beeindruckend sind. Yemrehanna Kristos liegt etwa 40 Kilometer entfernt in einer großen Höhle und ist nicht aus dem Fels gehauen, sondern aus Holz und Stein in die Höhle hineingebaut. Sie gilt als einer der ältesten erhaltenen Kirchenbauten des Landes. Das Kloster Asheton Maryam liegt hoch auf einem Berg über dem Ort, die Höhlenkirche Na'akuto La'ab etwas außerhalb.
Für einen späteren Besuch
Derzeit gilt für die Region Amhara eine Reisewarnung, und in der Gegend um Lalibela kam es seit 2023 immer wieder zu Kämpfen. Die folgenden Hinweise sind deshalb für eine Zeit gedacht, in der Reisen dorthin wieder möglich sind. Wer die Kirchen eines Tages besucht sollte ein paar Dinge wissen:
- Ein Eintrittsticket gilt in der Regel für alle Kirchen und mehrere Tage. Ein lokaler Führer hilft sehr, die Anlage zu verstehen.
- Vor jeder Kirche ziehst du die Schuhe aus. Socken sind praktisch, weil der Boden kalt und uneben ist.
- Eine Taschenlampe hilft in den dunklen Gängen.
- Kleide dich zurückhaltend, Frauen tragen oft ein Tuch über dem Kopf.
- Frag, bevor du Priester oder Pilger fotografierst. Bei Gottesdiensten verzichtest du besser ganz auf die Kamera.
Die trockenen Monate von Oktober bis März gelten als angenehmste Zeit, mit Genna und Timkat als Höhepunkten, aber auch mit den meisten Menschen. Mehr dazu auf der Seite zur besten Reisezeit. Eine Übersicht über alle Ziele im Land findest du unter Reiseziele in Äthiopien.
Häufige Fragen
Wie alt sind die Kirchen von Lalibela?
Sie werden König Lalibela zugeschrieben, der um 1200 regierte. Einige Teile der Anlage könnten älter sein, Bet Giyorgis etwas jünger.
Wie viele Felsenkirchen gibt es in Lalibela?
Elf Kirchen im Ort selbst, verteilt auf zwei Gruppen und die einzeln stehende Bet Giyorgis. In der Umgebung gibt es weitere.
Kann man Lalibela derzeit besuchen?
Für die Region Amhara gilt Stand 2. November 2026 eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Bitte prüfe die aktuelle Lage, bevor du planst.
Quellen
- UNESCO World Heritage Centre: Rock-Hewn Churches, Lalibela
- Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 2. November 2026
- Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Lalibäla
- David W. Phillipson: Ancient Churches of Ethiopia, Yale University Press
Stand der Angaben: 2. November 2026



