Reiselage am 2. November 2026
Reisewarnung Region: Tigray
Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in diese Region. Dieser Text beschreibt den Ort und seine Geschichte. Er ist keine Empfehlung, jetzt dorthin zu reisen. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung beim Auswärtigen Amt (öffnet neues Fenster). Hintergründe sammelt die Seite Sicherheit und Reisehinweise für Äthiopien.
Der Ort heute
Aksum, oft auch Axum geschrieben, liegt im Norden des Landes in der Region Tigray, auf gut 2.100 Metern Höhe. Heute ist es eine mittelgroße Stadt mit Kirchen, Märkten, Schulen und einer Universität. Zwischen den Häusern stehen Reste einer Vergangenheit, die weit älter ist als die meisten anderen Städte Äthiopiens. Für die orthodoxe Kirche ist Aksum einer der heiligsten Orte überhaupt.
Was die Archäologie zeigt
Ab dem 1. Jahrhundert nach Christus entwickelte sich in Aksum ein Königreich, das über mehrere Jahrhunderte große Teile des heutigen Nordäthiopiens und Eritreas beherrschte und zeitweise auch Gebiete auf der Arabischen Halbinsel. Es kontrollierte Handelswege zwischen dem Roten Meer und dem Inneren Afrikas. Über den Hafen Adulis wurden Elfenbein, Gold, Weihrauch und andere Waren nach Ägypten, Arabien, Indien und in den Mittelmeerraum gehandelt.
Aksum prägte ab dem späten 3. Jahrhundert eigene münzen aus Gold, Silber und Bronze. Es gehört damit zu den wenigen Reichen in Afrika, die so früh eigenes Geld herstellten. Die Münzen zeigen die Könige mit Krone und Namen und sind heute eine der wichtigsten Quellen, um die Reihenfolge der Herrscher zu rekonstruieren. Ein persischer Autor des 3. Jahrhunderts zählte Aksum zu den vier großen Reichen der Welt, neben Rom, Persien und China.
Ab dem 7. Jahrhundert verlor das Reich an Bedeutung. Handelswege verschoben sich, und das Machtzentrum wanderte weiter nach Süden ins Hochland. Aksum blieb aber ein religiöses Zentrum und der Ort, an dem viele Kaiser gekrönt wurden. Wie die Geschichte danach weiterging, erzählt die Seite zur Geschichte Äthiopiens.
Das Stelenfeld
Das Bekannteste in Aksum sind die Stelen: hohe, schlanke Steine aus Granit, manche schlicht, manche aufwendig bearbeitet. Die größten sind wie Hochhäuser gestaltet, mit Stockwerken, Balkenköpfen, einer Tür am Fuß und falschen fenstern. Wer auf dem Stelenfeld steht sieht vor allem drei davon.
- Die Große Stele: Mit über 30 Metern war sie wohl der größte Monolith, den Menschen in der Antike aufrichten wollten. Sie liegt zerbrochen am Boden. Vermutlich stürzte sie schon beim Aufstellen oder kurz danach.
- Die Ezana-Stele: Rund 21 Meter hoch und bis heute aufrecht. Sie ist nach König Ezana benannt, ob sie wirklich aus seiner Zeit stammt, ist aber unsicher.
- Die Rom-Stele: Etwa 24 Meter hoch. Italienische Truppen brachten sie 1937 nach Rom, wo sie jahrzehntelang stand. 2005 wurde sie zurückgegeben und 2008 wieder an ihrem Platz aufgestellt.
Was die Stelen bedeuteten ist nicht ganz geklärt. Sicher ist, dass sie über Gräbern stehen. Unter dem Stelenfeld liegen Grabkammern, die man zum Teil besichtigen kann. Wahrscheinlich markierten die Stelen die Gräber von Königen und hohen Würdenträgern und zeigten ihre Macht. Die meisten dürften aus der Zeit vor der Christianisierung stammen.
Ezana und das Christentum
Im 4. Jahrhundert trat König Ezana zum Christentum über. Das wissen wir unter anderem von seinen Münzen: Auf den früheren sind Sonne und Mond zu sehen, auf den späteren ein Kreuz. Als König Ezana Christ wurde wurde das Christentum nach und nach zur Religion des Hofes und später des ganzen Reiches. Äthiopien gehört damit zu den ältesten christlichen Ländern der Welt.
Von Ezana gibt es auch Inschriften auf Steintafeln, in denen er von Feldzügen berichtet. Eine davon, der Ezana-Stein, ist in drei Schriften verfasst: in Ge'ez, in einer südarabischen Schrift und auf Griechisch. Sie steht in Aksum unter einem kleinen Schutzbau. Weitere Funde zeigt das Archäologische Museum der Stadt. Mehr zur Entwicklung des Glaubens im Land erklärt die Seite Christentum und Islam in Äthiopien.
Was die Überlieferung erzählt
Neben der Geschichte der Forschung gibt es eine zweite Geschichte, die für viele Menschen in Äthiopien mindestens genauso wichtig ist. Sie steht im Kebra Nagast, dem „Ruhm der Könige“, einem Buch, das im 14. Jahrhundert seine heutige Form erhielt. Danach reiste die Königin von Saba, in Äthiopien Makeda genannt, zu König Salomo nach Jerusalem. Ihr gemeinsamer Sohn Menelik kehrte später nach Äthiopien zurück und brachte die Bundeslade mit. Auf ihn führten sich die äthiopischen Kaiser bis zu Haile Selassie zurück.
In Aksum zeigt man Ruinen, die als Palast der Königin von Saba bezeichnet werden, und ein Wasserbecken, das als ihr Bad gilt. Archäologische Grabungen datieren die Gebäude aber in eine viel spätere Zeit, rund anderthalb Jahrtausende nach der Zeit, in der Salomo gelebt haben soll. Ob es die Königin von Saba gab und wo ihr Reich lag, ist bis heute offen. Auch Jemen beansprucht sie für sich.
Die Bundeslade
Neben der alten Kathedrale Maryam Tsion steht eine kleine kapelle. Nach der Überlieferung der äthiopisch-orthodoxen Kirche wird dort die Bundeslade aufbewahrt, die Truhe mit den gesetzestafeln des Mose. Nur ein einziger Mönch darf sie sehen. Er hütet sie sein Leben lang und verlässt das Gelände nicht. Ob die Lade wirklich dort steht lässt sich nicht überprüfen, denn niemand sonst darf die Kapelle betreten. Für die Gläubigen ist das keine Frage, die man stellen muss.
Die Lade ist der Grund, warum jede orthodoxe Kirche im Land einen Tabot besitzt, eine geweihte Tafel, die auf sie verweist. Was ein Tabot ist und welche Rolle er bei Festen spielt, steht im Glossar unter Tabot. Jedes Jahr Ende November wird in Aksum das Fest Hidar Tsion gefeiert, zu dem Pilger aus dem ganzen Land kommen. Die alte Kathedrale dürfen nach der Tradition nur Männer betreten. Daneben steht eine große neue Kirche aus den 1960er Jahren, die allen offensteht.
Krieg und Gegenwart
Der Krieg in Tigray von 2020 bis 2022 hat auch Aksum schwer getroffen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International dokumentierten im November 2020 die Tötung vieler Menschen in der Stadt. Insgesamt hat der Krieg in Tigray die zivilbevölkerung unermesslich viel gekostet. Ein Friedensabkommen beendete die Kämpfe im November 2022, doch die Lage blieb angespannt. Seit Ende September 2026 wird in Tigray und Afar nach Angaben des Auswärtigen Amts wieder gekämpft, und für Tigray gilt eine Reisewarnung.
Diese Seite beschreibt Aksum deshalb als Ort der Geschichte, nicht als aktuelles Reiseziel. Wer sich für Aksum interessiert kann viel aus der Ferne entdecken: Bücher zur Archäologie, Münzen in Museen, Ausstellungen zur äthiopischen Kunst. Auch das Nationalmuseum in Addis Abeba zeigt Funde aus Aksum. Einen Überblick über alle Orte im Land und ihre Einstufung gibt die Seite Reiseziele und ihre Lage.
Häufige Fragen
Wie alt sind die Stelen von Aksum?
Die großen Stelen stammen vermutlich aus dem 3. und 4. Jahrhundert nach Christus, aus der Zeit vor der Christianisierung des Reiches.
Ist die Bundeslade in Aksum?
Das sagt die Überlieferung der äthiopisch-orthodoxen Kirche. Überprüfen lässt es sich nicht, weil nur ein einziger Mönch die Kapelle betreten darf.
Seit wann ist Aksum Welterbe?
Seit 1980. Zum Welterbe gehören das Stelenfeld, Gräber, Palastruinen und weitere archäologische Stätten in und um die Stadt.
Quellen
- UNESCO World Heritage Centre: Aksum
- Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 2. November 2026
- David W. Phillipson: Foundations of an African Civilisation. Aksum and the Northern Horn, James Currey
- Stuart Munro-Hay: Aksum. An African Civilisation of Late Antiquity, Edinburgh University Press
- Amnesty International: Bericht zu den Tötungen in Aksum im November 2020 (2021)
Stand der Angaben: 2. November 2026



