Reiselage am 2. November 2026

Abgeraten Region: Harari

Von nicht notwendigen Reisen wird abgeraten. Dieser Text beschreibt den Ort und seine Geschichte. Er ist keine Empfehlung, jetzt dorthin zu reisen. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung beim Auswärtigen Amt (öffnet neues Fenster). Hintergründe sammelt die Seite Sicherheit und Reisehinweise für Äthiopien.

Die Stadt auf dem Hügel

Harar liegt im Osten Äthiopiens auf knapp 1.900 Metern Höhe, rund 50 Kilometer von Dire Dawa entfernt. Die Stadt ist Hauptstadt der Region Harari, der kleinsten Region des Landes. Rund um die Altstadt ist in den letzten Jahrzehnten eine moderne Stadt gewachsen, mit breiten Straßen, Geschäften und Neubauten. Das Herz von Harar ist aber Jugol, die ummauerte Altstadt.

In Harar leben Harari, Oromo, Somali, Amhara und viele andere zusammen. Die Harari sprechen eine eigene semitische Sprache und haben über Jahrhunderte die Kultur der Altstadt geprägt. Mehr über die Sprachen des Landes steht auf der Seite Sprachen und Schriften Äthiopiens.

Geschichte

Harar war schon im Mittelalter ein Handelsort zwischen der Küste und dem Hochland. Im 16. Jahrhundert wurde es zum Zentrum des Sultanats Adal, das von hier aus Kriege gegen das christliche Kaiserreich im Hochland führte. Als die Mauer im 16. Jahrhundert entstand sollte sie die Stadt nach diesen Kriegen schützen. Sie wird Emir Nur zugeschrieben und umschließt die Altstadt bis heute.

Über Jahrhunderte war Harar ein unabhängiges Emirat mit eigener Münze, eigenen Gelehrten und Handelsbeziehungen bis nach Arabien und Indien. Ab 1875 besetzten ägyptische Truppen die Stadt für etwa zehn Jahre, 1887 eroberte Menelik II. sie und gliederte sie in sein Reich ein. Später wurde Ras Makonnen Gouverneur. Sein Sohn Tafari, der spätere Kaiser Haile Selassie, wurde 1892 in der Nähe von Harar geboren.

Auch Europäer hinterließen Spuren. Der britische Forscher Richard Burton gelangte 1855 als einer der ersten Europäer in die Stadt. Der französische Dichter Arthur Rimbaud lebte in den 1880er Jahren als Händler in Harar. Ein Haus in der Altstadt erinnert an ihn, auch wenn es vermutlich erst nach seiner Zeit gebaut wurde.

Harar Jugol

Die Altstadt ist klein, kaum mehr als ein halber Quadratkilometer, aber dicht. Wer durch eines der Tore geht betritt ein Netz aus gassen, die sich verzweigen, enger werden und plötzlich auf kleine Plätze führen. Ein Stadtplan hilft hier wenig, Verlaufen gehört dazu. Ursprünglich hatte die Mauer fünf Tore, später kamen weitere hinzu.

Auf diesem engen Raum stehen nach Angaben der UNESCO 82 Moscheen und über 100 Schreine. Die Große Moschee ist die wichtigste, viele andere sind so klein, dass man sie leicht übersieht. Die Schreine erinnern an Heilige und Gelehrte und werden von Gläubigen besucht. Harar wird oft als eine der heiligsten Städte des Islam bezeichnet. Das ist keine offizielle Rangliste, zeigt aber, welche Bedeutung die Stadt für viele Muslime in der Region hat. Einen Überblick über Religion im Land gibt die Seite Glaube in Äthiopien.

Die Häuser sind in leuchtenden Farben gestrichen, Grün, Blau, Gelb, Rosa. Die Gassen sind oft nur so breit, dass zwei Menschen aneinander vorbeikommen. Kinder spielen Fußball, Händler ziehen Karren, Frauen in farbenfrohen Kleidern gehen zum Markt. Die Altstadt ist kein Freilichtmuseum, sondern ein Wohnviertel und eine lebendige Nachbarschaft, in der sich viele Familien seit Generationen kennen. Abends, wenn die Hitze nachlässt, sitzen die Leute vor den Türen und unterhalten sich.

Harari-Häuser

Das traditionelle Harari-Haus hat einen besonderen Wohnraum. An den Seiten liegen erhöhte Plattformen zum Sitzen, die mit Teppichen und Kissen belegt sind. Wer in ein Harari-Haus eingeladen wird sieht an den Wänden viele Nischen, Haken und Regale, an denen geflochtene Körbe und bunte teller hängen. Diese Körbe werden von Frauen geflochten und sind auch Teil der Aussteuer. Mehr zu dieser Flechtkunst steht auf der Seite Kunst und Handwerk.

Märkte, Kaffee und Khat

Rund um die Altstadt liegen mehrere Märkte, auf denen Gewürze, Stoffe, Körbe, Gemüse und Fleisch verkauft werden. Händlerinnen kommen aus den umliegenden Dörfern, oft mit Eseln. Die Gegend um Harar ist für ihren Kaffee bekannt, der im Hochland östlich des Rift Valley wächst und oft in der Sonne getrocknet wird. Wie Kaffee in Äthiopien zubereitet wird, erklärt die Seite zu Kaffee und Kaffeezeremonie.

Ebenfalls rund um Harar angebaut wird Khat, ein Strauch, dessen frische blätter gekaut werden und leicht anregend wirken. Am Nachmittag sitzen viele Menschen zusammen und kauen. Khat ist in Äthiopien legal und gehört hier zum Alltag. In Deutschland ist es dagegen verboten, und du darfst es nicht mitnehmen.

Feste

Das größte eigene Fest der Stadt ist Shuwalid. Es wird nach dem freiwilligen sechstägigen Fasten im Monat nach Ramadan gefeiert. Familien besuchen Schreine, es wird gesungen und getanzt, und junge Leute nutzen das Fest, um einander kennenzulernen. Frauen tragen ihre kleider in kräftigen Farben, oft mit Goldschmuck. Seit 2023 steht Shuwalid auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Mehr zu den Festen im Land steht unter Feste und Feiertage.

Die Hyänen

Harar ist auch für seine Hyänen bekannt. Sie leben in der Umgebung und kommen nachts in die Stadt, durch kleine Öffnungen in der Mauer. Früher fraßen sie Abfälle und galten deshalb als nützlich. Es gibt Überlieferungen, nach denen die Hyänen zu einem bestimmten Fest einen brei aus Getreide und Butter bekommen, damit sie im kommenden Jahr friedlich bleiben.

Sobald es dunkel wird kommen am Stadtrand einige Männer zusammen, die Hyänen mit Fleisch füttern. Daraus ist eine Attraktion für Besucher geworden. Wer zuschauen möchte sollte wissen, dass es sich um wilde Tiere handelt, und Abstand halten. Ob man Tiere füttern sollte, damit Besucher Fotos machen, ist eine Frage, die jeder für sich beantworten muss. Ein Pflichtprogramm ist es nicht. Harar hat ohne die Hyänen genug zu bieten.

Harar und die aktuelle Lage

Für die Region Harari rät das Auswärtige Amt derzeit von nicht notwendigen Reisen ab. Erreichbar ist Harar meist über Dire Dawa, wohin es Flüge aus Addis Abeba gibt. Wer sich für eine spätere Reise interessiert, sollte die aktuelle Lage prüfen und vor Ort mit einem lokalen Führer gehen. Die Übersicht Reiseziele mit Lageeinschätzung zeigt, wie andere Orte eingestuft sind. Wer Harar entdecken will, ohne gleich zu reisen, findet in Büchern über das Emirat und in Fotografien der Altstadt einen guten Einstieg.

Häufige Fragen

Seit wann ist Harar Welterbe?

Die Altstadt Harar Jugol steht seit 2006 auf der Welterbeliste der UNESCO.

Wie viele Moscheen gibt es in Harar?

Die UNESCO nennt für die Altstadt 82 Moscheen und über 100 Schreine.

Muss man die Hyänenfütterung gesehen haben?

Nein. Sie ist eine bekannte Attraktion, aber kein Muss. Die Altstadt, die Märkte und die Menschen machen Harar aus.

Quellen

  • UNESCO World Heritage Centre: Harar Jugol, the Fortified Historic Town
  • UNESCO Intangible Cultural Heritage: Shuwalid festival (2023)
  • Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 2. November 2026
  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Harar und Harari

Stand der Angaben: 2. November 2026