Reiselage am 2. November 2026

Reisewarnung Region: Amhara

Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in diese Region. Dieser Text beschreibt den Ort und seine Geschichte. Er ist keine Empfehlung, jetzt dorthin zu reisen. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung beim Auswärtigen Amt (öffnet neues Fenster). Hintergründe sammelt die Seite Sicherheit und Reisehinweise für Äthiopien.

Die Stadt

Gondar liegt im Nordwesten des Landes auf gut 2.100 Metern Höhe, nördlich des Tanasees. Es ist eine der größeren Städte im Norden, mit Universität, Märkten und einem Stadtbild, in dem sich alte Burgmauern, Bauten aus der italienischen Besatzungszeit und neue Wohnblöcke mischen. Die Stadt gehört zur Region Amhara.

Bekannt ist Gondar vor allem als historische Königsstadt. Wer an Äthiopien und Geschichte denkt, hat oft die Burgen von Fasil Ghebbi im Kopf. Sie stehen seit 1979 auf der Welterbeliste der UNESCO.

Wie Gondar zur Hauptstadt wurde

Bevor Gondar Hauptstadt wurde hatten die äthiopischen Kaiser über Jahrhunderte keinen festen Sitz. Sie zogen mit ihrem Hof und ihrem Heer durch das Land, schlugen Zeltlager auf und zogen weiter, wenn Vorräte und Holz aufgebraucht waren. Kaiser Fasilidas, auch Fasil genannt, änderte das. Um 1636 machte er Gondar zu seiner Residenz und ließ dort einen Palast aus Stein errichten.

Seine Nachfolger setzten das fort. Jeder Kaiser baute seinen eigenen Palast, dazu Kirchen, Bibliotheken und Hallen für Feste. Gondar wurde zum Zentrum von Politik, Kirche und Kunst. Hier entstand ein eigener Malstil, den man heute gondarinisch nennt, mit lebhaften Figuren und kräftigen Farben. Gelehrte, Händler und Handwerker aus vielen Ländern lebten in der Stadt, und die hofgesellschaft feierte prächtige Feste.

Als die Kaiser an Macht verloren verlor auch Gondar an Bedeutung. Ab etwa 1769 regierten in der sogenannten Zeit der Fürsten regionale Herrscher, die Kaiser waren oft nur noch Figuren. Mitte des 19. Jahrhunderts verlegte Kaiser Tewodros II. das Zentrum der Macht an einen anderen Ort. Später litt die Stadt unter Kriegen, unter anderem während der italienischen Besatzung und bei den Kämpfen von 1941. Einen Überblick über diese Epochen gibt die Seite zur äthiopischen Geschichte im Überblick.

Fasil Ghebbi

Fasil Ghebbi, das Gehege des Fasil, ist eine ummauerte Anlage im Zentrum der Stadt. Auf mehreren Hektar stehen Paläste, Hallen, Kirchen und Nebengebäude verschiedener Kaiser. Wer durch das Tor in die Anlage tritt steht zwischen Bauten aus rund einhundertfünfzig Jahren, die trotzdem wie ein Ganzes wirken.

Palast des Fasilidas

Das älteste und bekannteste Gebäude, mit Rundtürmen, Zinnen und dicken mauern aus dunklem Basalt. Von der Dachterrasse soll man früher bis zum Tanasee gesehen haben.

Palast von Iyasu I.

Iyasu, oft „der Große“ genannt, regierte um 1700. Sein Palast war für seine reiche Ausstattung bekannt. Heute steht vor allem die Hülle.

Bibliothek und Kanzlei

Kaiser Yohannes I. ließ eine Bibliothek und eine Kanzlei errichten, beides Zeichen dafür, dass der Hof nicht nur Krieger, sondern auch Schreiber und Gelehrte versammelte.

Gebäude von Kaiserin Mentewab

Mentewab regierte im 18. Jahrhundert lange für ihren Sohn und ihren Enkel. Sie gehört zu den einflussreichsten Frauen der äthiopischen Geschichte und hinterließ Bauten in der Anlage und außerhalb der Stadt.

Der Baustil gibt Rätsel auf. Fachleute sehen Einflüsse der älteren äthiopischen Baukunst, dazu Elemente, die an portugiesische und indische Bauten erinnern. Portugiesen waren im 16. und 17. Jahrhundert im Land, und Handwerker aus verschiedenen Regionen arbeiteten am Hof. Wie groß ihr Anteil war, ist umstritten.

Das Bad des Fasilidas

Etwas außerhalb des Zentrums liegt ein großes, rechteckiges Becken, in dessen Mitte ein kleines zweistöckiges Gebäude steht. Eine Mauer umgibt die Anlage, und die Wurzeln der alten feigenbäume haben sich über die Steine gelegt. Das ganze Jahr über ist das Becken meist leer. Nur zu Timkat wird es mit Wasser gefüllt. Dann segnen Priester das Wasser, und tausende Menschen springen hinein. Wie das Fest abläuft, steht auf der Seite zu Timkat in Äthiopien.

Debre Berhan Selassie

Die Kirche der Dreifaltigkeit vom Berg des Lichts liegt auf einem Hügel am Rand der Stadt. Von außen ist sie schlicht. Innen sind Wände und Decke vollständig bemalt. Berühmt sind die Reihen geflügelter Engelsköpfe an der Decke, die den Besuchern von oben entgegenblicken. An den Wänden sind Szenen aus der Bibel und aus dem Leben der Heiligen zu sehen. Mehr zur Kirchenmalerei erklärt die Seite zur äthiopischen Kunst.

Eine Legende erzählt, dass die Kirche Ende des 19. Jahrhunderts vor der Zerstörung bewahrt wurde, als Truppen aus dem Sudan die Stadt plünderten. Ein bienenschwarm soll die Angreifer vertrieben haben. Belegt ist das nicht, aber die Geschichte wird gern erzählt.

Weitere Spuren

Am Rand der Stadt liegt Kuskuam, eine Anlage der Kaiserin Mentewab mit Palast und Kirche. In den Dörfern rund um Gondar lebten über Jahrhunderte äthiopische Juden, die Beta Israel. Die meisten von ihnen sind in den 1980er und 1990er Jahren nach Israel ausgewandert. Spuren ihrer Geschichte findet man noch in einzelnen Orten der Umgebung. Mehr dazu auf der Seite zur Religion in Äthiopien.

Wer heute durch Gondar läuft findet auch das Leben einer normalen Stadt: Cafés, Märkte, Minibusse, Studentinnen und Studenten auf dem Weg zur universität. Die Universität von Gondar ist vor allem für ihre medizinische Fakultät bekannt. Ihre Wurzeln reichen in die 1950er Jahre zurück, als hier eine Schule für Gesundheitsberufe gegründet wurde. Viele Ärztinnen und Ärzte des Landes haben in Gondar studiert.

Tor zum Simien-Gebirge

Gondar war lange der Ausgangspunkt für Reisen in das Simien-Gebirge, das rund hundert Kilometer weiter nördlich liegt. Über die Landschaft und die Tierwelt dort informiert die Seite zum Simien-Nationalpark. Auch Bahir Dar und der Tanasee liegen nicht weit entfernt.

Geschichte und Lage auseinanderhalten

Für die Region Amhara gilt derzeit eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Seit 2023 kommt es dort immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen, auch in und um Gondar. Das ändert nichts an der Bedeutung der Stadt, heißt aber, dass sie im Moment kein Reiseziel ist. Wenn sich die Lage eines Tages beruhigt gelten die trockenen Monate von Oktober bis März als angenehmste Zeit, mit Timkat im Januar als Höhepunkt. Bis dahin lässt sich Gondar am besten aus der Ferne kennenlernen, über Bücher, Bilder und die Geschichten der Menschen, die von dort stammen. Die Übersicht alle Reiseziele im Land zeigt, welche Orte wie eingestuft sind.

Häufige Fragen

Wann war Gondar Hauptstadt?

Von etwa 1636 bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, mit abnehmender Bedeutung in der Zeit der Fürsten ab 1769.

Was ist Fasil Ghebbi?

Die ummauerte Palastanlage im Zentrum von Gondar mit Bauten mehrerer Kaiser. Sie ist seit 1979 Welterbe.

Warum ist Gondar zu Timkat bekannt?

Weil das Bad des Fasilidas zu Timkat gefüllt wird und nach dem Segen tausende Menschen ins Wasser springen.

Quellen

  • UNESCO World Heritage Centre: Fasil Ghebbi, Gondar Region
  • Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 2. November 2026
  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Gondär und Fasilädäs
  • Richard Pankhurst: The Ethiopians. A History, Blackwell

Stand der Angaben: 2. November 2026