Reiselage am 2. November 2026
Reisewarnung Region: Amhara
Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in diese Region. Dieser Text beschreibt den Ort und seine Geschichte. Er ist keine Empfehlung, jetzt dorthin zu reisen. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung beim Auswärtigen Amt (öffnet neues Fenster). Hintergründe sammelt die Seite Sicherheit und Reisehinweise für Äthiopien.
Der See
Der Tanasee liegt im Nordwesten des Landes auf rund 1.800 Metern Höhe. Je nach Jahreszeit bedeckt er eine Fläche von etwa 3.000 bis über 3.500 Quadratkilometern, das ist mehr als fünfmal so groß wie der Bodensee. Trotzdem ist er erstaunlich flach, an den meisten Stellen nur einige Meter tief, an der tiefsten etwa 14 Meter. Das flache becken entstand vor langer Zeit, als Lavaströme ein Tal abriegelten.
Mehrere Flüsse speisen den See, der wichtigste ist der Gilgel Abbay, der Kleine Nil, der aus dem Süden kommt. Bei Bahir Dar verlässt der Blaue Nil den See. Er führt einen großen Teil des Wassers, das später den Nil in Ägypten erreicht. Für Äthiopien, den Sudan und Ägypten hat der See deshalb eine Bedeutung, die weit über die Region hinausgeht. Über die Stadt am Südufer berichtet die Seite zu Bahir Dar.
Wer auf dem See unterwegs ist sieht eine ruhige Landschaft aus Wasser, Schilf, bewaldeten Inseln und flachen Ufern, im Hintergrund Hügel. Am Morgen liegt oft Dunst über dem Wasser. Fischer ziehen ihre Netze ein, Vögel kreisen über dem Schilf.
Inseln und Klöster
Im See liegen rund 37 Inseln, dazu einige Halbinseln. Auf vielen stehen Kirchen und Klöster, rund zwanzig insgesamt. Die ältesten gehen auf das 13. und 14. Jahrhundert zurück. Die Inseln galten als sichere Orte. Wenn Krieg das Hochland bedrohte brachten Mönche und Kaiser Schätze, Handschriften und heilige Gegenstände auf die Inseln, wo sie vor Plünderungen geschützt waren. So sind hier bis heute Bücher und Bilder erhalten, die anderswo verloren gingen. Diese Klosterkultur mit Mönchen, Gebetszeiten, Schulen für den Kirchengesang und eigenen Feldern prägt den See bis heute.
Die meisten Kirchen sind rund gebaut, mit einem Strohdach oder Blechdach und einem Umgang. Im Inneren liegt ein abgeschlossener Kern, das Allerheiligste, in dem der Tabot aufbewahrt wird. Die Wände dieses Kerns sind oft vollständig bemalt, eine wand neben der anderen mit Heiligen, Engeln und biblischen Szenen. Was in den Kirchen hängt ist kein Museumsschmuck, sondern Teil des Gottesdienstes. Mehr zur Malerei steht auf der Seite Kunst und Handwerk in Äthiopien.
- Zege-Halbinsel
Die Halbinsel ist von altem Wald mit wildem Kaffee bedeckt. Hier liegen mehrere Klöster, am bekanntesten Ura Kidane Mehret mit seinen farbenprächtigen Wandmalereien. Die Klöster auf Zege sind für alle Besucher zugänglich und von Bahir Dar aus relativ schnell zu erreichen.
- Kebran Gabriel
Ein Kloster auf einer kleinen, bewaldeten Insel nahe Bahir Dar, gegründet im 14. Jahrhundert. Frauen dürfen die Insel nicht betreten.
- Daga Estifanos
Eines der wichtigsten Klöster des Sees. Hier werden die gebeine mehrerer Kaiser aufbewahrt, dazu wertvolle Handschriften. Auch diese Insel ist nur für Männer zugänglich, und der Weg hinauf ist steil.
- Narga Selassie
Eine Kirche auf der großen Insel Dek, gebaut im 18. Jahrhundert unter Kaiserin Mentewab, die auch in den Malereien dargestellt ist.
- Tana Qirqos
Nach der Überlieferung wurde die Bundeslade hier über Jahrhunderte versteckt, bevor sie nach Aksum kam. Wie Überlieferung und Forschung dort zusammenhängen, erklärt die Seite zu Aksum.
Am Nordufer liegt Gorgora mit einer alten Kirche und den Resten von Bauten aus der Zeit, als portugiesische Jesuiten am Hof Einfluss hatten. Die Gegend ist weniger besucht als der Süden des Sees.
Menschen am See
Rund um den See leben viele Menschen vom Fischfang, von der Landwirtschaft und vom Handel. Typisch sind die Tankwa, schmale Boote aus gebündeltem Papyrus, die mit einem Stab gestakt werden. Früher waren sie das wichtigste Transportmittel, heute werden sie vor allem von Fischern und für kurze Strecken genutzt. Bekannt für den Bau der Boote sind die Woyto, eine kleine Gemeinschaft, die traditionell vom See lebt. Daneben fahren Motorboote und Fähren, die Inseln und Uferorte verbinden.
Natur und Fische
Der Tanasee ist ökologisch etwas Besonderes. In ihm lebt eine Gruppe großer Barben, die sich hier zu vielen eigenen Arten entwickelt haben und nirgendwo sonst vorkommen. Fachleute vergleichen das mit den bekannten Buntbarschen der großen ostafrikanischen Seen. Dazu kommen Tilapia und Welse, die für die Fischerei wichtig sind. Am Ufer und in den Feuchtgebieten leben Pelikane, Reiher, Eisvögel, Schreiseeadler und viele Zugvögel, die im europäischen Winter hierherkommen.
Seit 2015 ist der Tanasee mit seinem Umland ein Biosphärenreservat der UNESCO. Die Klöster stehen auf der Vorschlagsliste für das Welterbe. Eine Nominierung für 2026 wurde vor der Entscheidung wieder zurückgezogen. Mehr zu diesen Listen erklärt die Seite UNESCO-Stätten in Äthiopien.
Ein See unter Druck
Der See hat Probleme. Das größte ist die Wasserhyazinthe, eine Pflanze aus Südamerika, die sich seit etwa 2011 stark ausbreitet. Seit sich die Pflanze ausbreitet bedeckt sie in manchen Jahren große Flächen am Nord- und Ostufer. Sie bildet dichte teppiche, nimmt anderen Pflanzen das Licht, behindert Boote und Fischer und verändert das Wasser darunter. Tausende Freiwillige, Behörden und Forschungseinrichtungen haben sie in den letzten Jahren immer wieder von Hand entfernt, doch sie kommt zurück.
Dazu kommen Schlamm aus den Flüssen, weil im Hochland viel Boden abgetragen wird, Überfischung, Abwässer aus wachsenden Städten und die Nutzung des Wassers für Bewässerung und Kraftwerke. Die Bestände einiger Fischarten sind deutlich zurückgegangen. Wer sich mit dem See beschäftigt, merkt schnell, wie eng hier Natur, Landwirtschaft und Lebensunterhalt zusammenhängen. Wie Reisende Rücksicht nehmen können, beschreibt die Seite nachhaltig reisen.
Regeln für einen späteren Besuch
Für die Region Amhara gilt derzeit eine Reisewarnung, und die Klöster sind im Moment kein Ziel, das wir empfehlen. Für eine spätere Reise sind diese Regeln gut zu wissen:
- Wer ein Kloster besucht zahlt in der Regel einen Eintritt pro Kloster. Das Geld geht an die Gemeinschaft.
- Einige Inseln dürfen nur Männer betreten, etwa Kebran Gabriel und Daga Estifanos. Frauen können zum Beispiel die Klöster auf Zege besuchen.
- Vor dem Betreten der Kirche ziehst du die Schuhe aus.
- Kein Blitz beim Fotografieren, weil das Licht den alten Farben schadet. Handschriften fasst du nicht an, auch wenn ein Mönch sie dir zeigt.
- Auf dem Boot gehört eine schwimmweste dazu. Frag beim Bootsführer danach, wenn keine bereitliegt.
Häufige Fragen
Ist der Tanasee die Quelle des Nils?
Er ist die wichtigste Quelle des Blauen Nils, der den See bei Bahir Dar verlässt. Der Weiße Nil hat seinen Ursprung dagegen in der Region um den Viktoriasee.
Wie viele Klöster gibt es im Tanasee?
Auf den Inseln und Halbinseln liegen rund zwanzig Kirchen und Klöster. Die Zahl schwankt je nachdem, was man mitzählt.
Dürfen Frauen die Klöster besuchen?
Viele ja, einige nicht. Kebran Gabriel und Daga Estifanos sind nur für Männer zugänglich, die Klöster auf der Zege-Halbinsel für alle.
Quellen
- UNESCO: Lake Tana Biosphere Reserve, Ethiopia (2015)
- UNESCO World Heritage Centre: Tentative List, Lake Tana Island Monasteries and its Adjacent Wetland
- UNESCO World Heritage Centre: Nominierungen zur 48. Sitzung des Welterbekomitees 2026
- Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 2. November 2026
- Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Ṭana
Stand der Angaben: 2. November 2026



