Reiselage am 2. November 2026

Reisewarnung Region: Oromia (Zone Nord-Shewa)

Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in diese Region. Dieser Text beschreibt den Ort und seine Geschichte. Er ist keine Empfehlung, jetzt dorthin zu reisen. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung beim Auswärtigen Amt (öffnet neues Fenster). Hintergründe sammelt die Seite Sicherheit und Reisehinweise für Äthiopien.

Ein Kloster an der Kante

Die Straße von Addis Abeba nach Norden führt über eine weite, oft windige Hochebene. Nach gut hundert Kilometern endet sie scheinbar im Nichts: Das Land bricht ab, und darunter öffnet sich die tiefe Schlucht des Jemma, eines Nebenflusses des Blauen Nils. Wer an den Rand der Schlucht tritt blickt hunderte Meter hinab auf Felder, Felsbänder und den Fluss. In einer Mulde unterhalb der Kante, an der steilen felswand, liegt das Kloster Debre Libanos.

Der Name bedeutet Berg Libanon, eine Anspielung auf den biblischen Libanon. Um die Kirche herum stehen Gebäude für Mönche und Pilger, ein kleines Museum und Gräber. Am Hang darüber gibt es Höhlen, in denen der Gründer gebetet haben soll, und eine heilige quelle, deren Wasser Pilger in Flaschen mitnehmen.

Tekle Haymanot und die Gründung

Das Kloster geht auf Tekle Haymanot zurück, einen der bekanntesten Heiligen der äthiopisch-orthodoxen Kirche. Als Tekle Haymanot im 13. Jahrhundert hierherkam gründete er eine Gemeinschaft, aus der eines der einflussreichsten Klöster des Landes wurde. Über ihn gibt es viele Legenden. Eine erzählt, er habe so lange im Stehen gebetet, bis eines seiner Beine abfiel, weshalb er auf Bildern oft mit Flügeln und nur einem Bein dargestellt wird.

Weil das Kloster so eng mit der Kirche verbunden ist war sein Abt über Jahrhunderte einer der mächtigsten Geistlichen im Reich. Die heutige Kirche ist allerdings jung. Sie wurde in den 1960er Jahren unter Kaiser Haile Selassie neu gebaut, mit Kuppel und bunten glasfenstern. Im Inneren zeigen Malereien Szenen aus dem Leben des Heiligen. Mehr zum Glauben steht auf der Seite Religionen in Äthiopien.

Das Massaker von 1937

Was im Mai 1937 geschah gehört zu den dunkelsten Kapiteln der italienischen Besatzung. Nach einem Anschlag auf den italienischen Vizekönig Rodolfo Graziani in Addis Abeba im Februar 1937 folgten brutale Vergeltungsaktionen. Graziani beschuldigte die Mönche von Debre Libanos, von dem Anschlag gewusst zu haben. Im Mai ließen italienische Truppen hunderte Mönche, Diakone und Pilger erschießen. Wie viele Menschen genau starben, ist bis heute umstritten. Historiker gehen von mehreren hundert bis zu rund zweitausend Opfern aus.

Lange war das Massaker in Italien kaum bekannt. Inzwischen wird es offener erforscht und erinnert. Für viele Äthiopierinnen und Äthiopier ist Debre Libanos deshalb nicht nur ein heiliger Ort, sondern auch ein Ort des Gedenkens. Wie es zur Besatzung kam, beschreibt die Seite Geschichte Äthiopiens.

Schlucht und Geladas

Die Landschaft um Debre Libanos ist spektakulär. An den Hängen der Schlucht leben Geladas, die Primaten mit dem roten Fleck auf der Brust, die es nur im äthiopischen Hochland gibt. Mit etwas Glück siehst du sie in Gruppen am Rand grasen. Nahe dem Kloster führt eine alte Steinbrücke über einen Seitenfluss, die oft portugiesische Brücke genannt wird, obwohl sie erst im 19. Jahrhundert entstand. Wer auf einer alten steinbrücke steht und in die Tiefe schaut, sieht Wasserfälle, die in der Regenzeit besonders kräftig sind. Mehr über die Geladas und andere Tiere steht auf der Seite Tierwelt Äthiopiens, eine ähnliche Landschaft weiter nördlich beschreibt die Seite Simien-Gebirge.

Hinweise zum Besuch

Wer das Kloster besucht sollte sich zurückhaltend kleiden. Frauen tragen ein Tuch über dem Haar und einen langen Rock oder ein langes gewand, Männer lange Hosen. Die Schuhe werden vor der Kirche ausgezogen. In manchen Bereichen des Klosters haben nur Männer Zutritt. Für das Museum und für Führungen wird meist ein Eintritt verlangt. Fotos im Inneren nur nach Erlaubnis. Weitere Hinweise stehen auf der Seite Gastfreundschaft und Etikette.

Pilger und Feste

Viele Gläubige kommen als Pilger nach Debre Libanos, besonders zu den Festtagen des heiligen Tekle Haymanot. Dann ist das Kloster voller Menschen in weißen Tüchern, es wird gebetet, gesungen und Wasser aus der heiligen Quelle geschöpft.

Lage und Zugang

Debre Libanos liegt in der Zone Nord-Shewa im Regionalstaat Oromia. Für diese Zone warnt das Auswärtige Amt derzeit vor Reisen. Dieser Text beschreibt den Ort und seine Geschichte und ist keine Empfehlung, jetzt dorthin zu fahren. Einen Überblick über alle Ziele gibt die Seite Reiseziele in Äthiopien.

Häufige Fragen

Wer gründete Debre Libanos?

Der Heilige Tekle Haymanot im 13. Jahrhundert. Er gehört zu den bekanntesten Heiligen der äthiopisch-orthodoxen Kirche.

Was geschah 1937 in Debre Libanos?

Italienische Besatzungstruppen erschossen im Mai 1937 hunderte Mönche, Diakone und Pilger. Die genaue Zahl der Opfer ist umstritten.

Quellen

  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Däbrä Libanos und Täklä Haymanot
  • Ian Campbell: The Addis Ababa Massacre. Italy’s National Shame, London 2017
  • Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 3. November 2026

Stand der Angaben: 3. November 2026