Wo der Kaffee herkommt
Die Kaffeepflanze, die heute als Arabica in der ganzen Welt angebaut wird, stammt aus den Bergwäldern im Südwesten Äthiopiens. Dort wächst sie bis heute wild im Unterholz, im Schatten großer Bäume. In Regionen wie Kaffa, um Jimma und in den Wäldern am Rand der Bale Mountains gibt es Bestände von wildem kaffee mit einer genetischen Vielfalt, die es sonst nirgends gibt. Für die Kaffeezucht der Welt ist das ein wertvoller Schatz. Ein Teil dieser Wälder ist seit 2010 als Biosphärenreservat der UNESCO geschützt.

Ob das Wort Kaffee vom Namen der Region Kaffa abstammt, ist umstritten. Viele Sprachwissenschaftler führen es eher auf das arabische Wort qahwa zurück. Sicher ist, dass Kaffee aus Äthiopien über den Jemen in die arabische Welt und von dort nach Europa gelangte.
Die Legende von Kaldi
Eine bekannte Geschichte erzählt von einem Hirten namens Kaldi. Er soll beobachtet haben, dass die ziegen nach dem Fressen roter Beeren besonders munter waren und herumsprangen. Er probierte die Beeren selbst und brachte sie zu Mönchen, die daraus ein Getränk machten, das sie nachts wach hielt. Was die Legende erzählt ist schön, aber kein historischer Bericht. Aufgeschrieben wurde sie erst im 17. Jahrhundert, und zwar in Europa. Wann und wie Menschen in Äthiopien begannen, Kaffee zu nutzen, weiß niemand genau.
Anbau heute
Äthiopien ist der größte Kaffeeproduzent Afrikas und einer der größten der Welt. Der größte Teil wird von Kleinbauernfamilien angebaut, oft auf kleinen Flächen im Garten oder im Wald. Millionen Menschen leben ganz oder teilweise vom Kaffee. Anders als in vielen anderen Ländern trinkt Äthiopien einen großen Teil seiner Ernte selbst.
Einige Anbaugebiete sind international bekannt und geben dem Kaffee ihren Namen: Sidama, Yirgacheffe in der Zone Gedeo, Guji, Limu, Jimma und Harar. Die Kaffees unterscheiden sich je nach Höhe, Boden, Sorte und Verarbeitung. Gewaschene Kaffees, bei denen das Fruchtfleisch vor dem Trocknen entfernt wird, schmecken oft klar und blumig. Natürlich verarbeitete Kaffees, die mit der Kirsche in der Sonne trocknen, sind fruchtiger. Wie der Anbau im Agroforst funktioniert, beschreibt die Seite zu Gedeo und seinem Kaffeewald. Die Regionen im Einzelnen stellt die Seite Äthiopische Kaffeesorten vor.

Die Kaffeezeremonie
Wer in Äthiopien eingeladen wird bekommt fast immer Kaffee angeboten, oft in Form einer Zeremonie. Sie wird meist von einer Frau des Hauses geleitet und dauert gut und gern eine Stunde. Es geht dabei weniger um den Kaffee als um das Zusammensein.
Der Ablauf
- Vorbereitung: Auf dem Boden wird oft frisches gras oder werden Blätter ausgestreut. Ein kleiner Tisch mit Tassen steht bereit, daneben ein Kohleofen. Weihrauch brennt in einer Schale und erfüllt den Raum mit Duft.
- Waschen und Rösten: Die grünen Bohnen werden gewaschen und in einer flachen Eisenpfanne über der Glut geröstet, unter ständigem Rühren. Wenn die Bohnen glänzen und duften wird die Pfanne herumgereicht, damit alle den Rauch riechen können.
- Mahlen: Die gerösteten Bohnen werden in einem Mörser aus Holz oder Metall zerstoßen.
- Kochen: Das Pulver kommt mit Wasser in die Jebena, eine bauchige Tonkanne mit langem Hals. Sobald der Kaffee aufkocht wird die Kanne vom Feuer genommen, damit sich der Satz setzt.
- Einschenken: Der Kaffee wird aus großer Höhe in kleine tassen gegossen, ohne Henkel, oft mit Zucker, regional auch mit Salz oder Butter.

Drei Runden
Traditionell gibt es drei Runden. Die erste heißt Abol und ist die stärkste. Für die zweite, Tona, und die dritte, Baraka, wird mit demselben Pulver noch einmal Wasser aufgekocht. Die dritte Runde gilt als Segen. Wer nach der ersten Tasse geht gilt nicht als unhöflich, aber wer bleibt, zeigt, dass er die Gesellschaft schätzt. Dazu gibt es oft Popcorn oder geröstete Gerste. Als Gast nimmst du die Tasse mit der rechten Hand oder mit beiden Händen entgegen. Lob für den Kaffee freut die Gastgeberin, und wer die Zeremonie aufmerksam verfolgt, statt aufs Handy zu schauen, zeigt Wertschätzung.
Die Kanne, die Jebena, ist zum Symbol der Zeremonie geworden. Mehr zu ihr im Glossar unter Jebena, zum Wort für Kaffee unter Buna.
Kaffee und Gemeinschaft
Die Zeremonie ist ein Treffpunkt. Nachbarinnen kommen vorbei, Neuigkeiten werden ausgetauscht, Streit wird besprochen und manchmal beigelegt. Wer zum Kaffee eingeladen wird, ist willkommen, und wer einlädt, zeigt Respekt. In vielen Familien findet die Zeremonie mehrmals am Tag statt, am Morgen, am Mittag und am Abend. Bei Trauerfällen, Geburten und Festen gehört sie selbstverständlich dazu.
Bei den Oromo gibt es außerdem Rituale, bei denen Kaffeekirschen in Butter geröstet und bei besonderen Anlässen gemeinsam gegessen werden. Sie stehen für Segen und Versöhnung. Solche Bräuche zeigen, dass Kaffee in Äthiopien nicht nur getrunken wird, sondern tief in Glauben und Beziehungen verwurzelt ist. Wie Gastfreundschaft sonst gelebt wird, erklärt die Seite Gastfreundschaft und Etikette.
Kaffee und Wirtschaft
Äthiopischer Kaffee ist seit Langem eines der wichtigsten Exportgüter des Landes und bringt einen großen Teil der Deviseneinnahmen. Für die Familien, die ihn anbauen, hängt viel vom Weltmarktpreis ab, der stark schwankt. Ein schlechtes Jahr kann bedeuten, dass das Geld für Schulgebühren oder Saatgut fehlt.
Seit 2008 wurde ein großer Teil des Kaffeehandels über eine staatliche Warenbörse abgewickelt. Inzwischen dürfen Kooperativen und größere Betriebe in vielen Fällen auch direkt an Käufer im Ausland verkaufen. Dadurch lässt sich die Herkunft eines Kaffees oft bis zur Waschstation oder Kooperative zurückverfolgen. Für Kundinnen und Kunden in Deutschland ist das eine Chance, gezielter zu kaufen.
Kaffee im Alltag
Neben der Zeremonie trinken viele Menschen Kaffee schnell zwischendurch. In den Städten gibt es Kaffeehäuser mit Espressomaschinen, ein Erbe der italienischen Besatzungszeit. Macchiato ist besonders beliebt. Am Straßenrand bereiten Frauen Kaffee nach traditioneller Art zu, für wenig Geld. Ein amharisches Sprichwort sagt: Buna dabo naw, Kaffee ist unser Brot. In einigen Regionen werden auch die Blätter des Kaffeestrauchs als Tee aufgegossen. Und in vielen Büros, Werkstätten und Geschäften gehört eine Kaffeepause am Vormittag fest zum Tagesablauf, oft mit einem kurzen Gespräch unter Kollegen.
Kaffee mitnehmen und kaufen
Nach Angaben des Auswärtigen Amts darfst du höchstens zwei Kilogramm Kaffee pro Person aus Äthiopien ausführen. In Deutschland bieten viele Röstereien Kaffees aus äthiopischen Anbaugebieten an, oft mit Angaben zur Kooperative oder Waschstation. Eine rösterei, die offen sagt, woher ihr Kaffee stammt und was die Bauern bekommen, ist meist eine gute Wahl. Auch in vielen äthiopischen Restaurants in Deutschland wird die Zeremonie angeboten. Mehr dazu auf der Seite Äthiopisch essen zum ersten Mal.
Eine Kaffeezeremonie gehört in manchen äthiopischen Restaurants in Deutschland zum Angebot, oft auf Vorbestellung. Wo du sie erleben kannst, zeigt nach und nach unser Verzeichnis äthiopischer Lokale.
Häufige Fragen
Kommt Kaffee ursprünglich aus Äthiopien?
Ja, die Arabica-Pflanze stammt aus den Bergwäldern im Südwesten Äthiopiens, wo sie bis heute wild wächst.
Wie lange dauert eine Kaffeezeremonie?
Meist eine Stunde oder länger. Traditionell gibt es drei Runden: Abol, Tona und Baraka.
Ist die Geschichte von Kaldi wahr?
Es ist eine Legende, die erst im 17. Jahrhundert aufgeschrieben wurde. Wie die Nutzung von Kaffee wirklich begann, ist nicht bekannt.
Quellen
- Ethiopian Coffee and Tea Authority: Anbaugebiete und Export
- International Coffee Organization: Länderprofil Äthiopien
- UNESCO: Kafa Biosphere Reserve (2010)
- Auswärtiges Amt: Äthiopien, Hinweise zur Ausfuhr von Kaffee (höchstens 2 kg), Stand 2. November 2026
Stand der Angaben: 3. November 2026



