Reiselage am 2. November 2026
Teilweise Warnung Region: Oromia, Sidama, South Ethiopia Region
Je nach Teilgebiet gilt eine Reisewarnung oder das Abraten von Reisen. Dieser Text beschreibt den Ort und seine Geschichte. Er ist keine Empfehlung, jetzt dorthin zu reisen. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung beim Auswärtigen Amt (öffnet neues Fenster). Hintergründe sammelt die Seite Sicherheit und Reisehinweise für Äthiopien.
Der Graben
Der Ostafrikanische Grabenbruch zieht sich vom Roten Meer bis nach Mosambik. In Äthiopien teilt er das Hochland in zwei Hälften. Hier driften zwei Teile der afrikanischen Platte langsam auseinander, und das Land dazwischen ist abgesunken. Wer von Addis Abeba nach Süden fährt verlässt nach gut einer Stunde das kühle Hochland und erreicht eine wärmere, trockenere Ebene mit Akazien, Feldern und Vulkankegeln.
In dieser Senke liegen mehrere Seen hintereinander. Manche sind in Becken entstanden, die sich durch die Bewegung der Erde gebildet haben, andere in eingestürzten Vulkankratern. Was die Seen verbindet ist ihre Lage im Graben. Ansonsten sind sie sehr verschieden. Mehr zur Gestalt des Landes steht auf der Seite Geografie und Regionen.
Die Kraterseen von Bishoftu
Noch vor dem eigentlichen Seengebiet liegt gut 40 Kilometer südöstlich von Addis Abeba die Stadt Bishoftu, früher Debre Zeyit. Rund um die Stadt liegen mehrere kleine Kraterseen, darunter Hora, Babogaya und Kuriftu. Sie sind in eingestürzten Vulkanschloten entstanden, haben steile Ufer und sind oft erstaunlich tief. Am Wochenende kommen viele Familien aus der Hauptstadt hierher, um am Wasser zu essen und sich zu erholen. Der Hora-See hat für die Oromo eine besondere Bedeutung: Hier wird jedes Jahr Anfang Oktober Irreecha gefeiert, ein großes Dankfest zum Ende der Regenzeit, zu dem hunderttausende Menschen mit Gras und Blumen ans Ufer kommen.
Ziway
Der Ziway-See ist der nördlichste der großen Seen und ein Süßwassersee. Auf ihm liegen kleine inseln, auf denen alte Klöster stehen. Nach einer Überlieferung wurde die Bundeslade auf einer dieser Inseln eine Zeit lang versteckt. In der Stadt Ziway, die heute Batu heißt, gibt es einen Fischmarkt, an dem sich Marabus und Pelikane um Reste streiten. Rund um den See sind große gewächshäuser für den Anbau von Schnittblumen entstanden. Die Gewächshäuser bringen Arbeit, aber auch Sorgen um Wasserverbrauch und Pflanzenschutzmittel.
Langano
Der Langano-See hat bräunliches Wasser, das durch feine Schwebstoffe gefärbt ist. An seinen Ufern gibt es Strände und Unterkünfte, die vor allem bei Menschen aus Addis Abeba beliebt sind. Langano gilt bei vielen als See, in dem man baden kann. Eine Garantie gibt es dafür nicht, und die Bedingungen können sich ändern.
Abijatta und Shala
Direkt neben dem Langano liegen zwei Seen, die zusammen einen Nationalpark bilden. Der Abijatta ist flach und sodahaltig. Früher sammelten sich hier tausende Flamingos, deren rosa flecken auf dem Wasser schon von Weitem zu sehen waren. Seit Wasser für Industrie und Felder entnommen wird ist der See stark geschrumpft. Wenn das Wasser zurückgeht bleiben weiße Salzkrusten zurück, und viele Vögel bleiben weg.
Der Shala ist das Gegenteil: ein tiefer Kratersee, mit über 200 Metern einer der tiefsten Seen Äthiopiens. An seinem Ufer gibt es heiße quellen, und auf Inseln im See brüten Pelikane. Weil sein Wasser stark alkalisch ist, gibt es darin kaum Fische. Die Pelikane fliegen deshalb zum Fischen an die benachbarten Süßwasserseen und kehren abends zu ihren Brutplätzen zurück. Abijatta und Shala bilden seit 1970 gemeinsam einen Nationalpark, in dem auch Strauße, Gazellen und viele Wasservögel leben.
Hawassa
Der Hawassa-See liegt direkt an der gleichnamigen Stadt, der Hauptstadt der Region Sidama. Es ist ein Süßwassersee mit Fischerei, Vögeln und Affen in den Bäumen am Ufer. Am frühen Morgen bringen Fischer ihren Fang an einen Markt am Ufer, wo er direkt verarbeitet wird. Die Stadt ist eine der lebendigsten im Süden, mit Universität, Industrieparks und einer Uferpromenade. Das Neujahrsfest der Sidama, Fichee, wird hier jedes Jahr groß gefeiert. Mehr dazu auf der Seite Feste und Feiertage.
Abaya und Chamo
Weiter im Süden liegen bei der Stadt Arba Minch die beiden größten Seen des Grabens im Land. Der Abaya hat rotbraunes Wasser, gefärbt durch Sedimente. Der Chamo ist bekannt für Flusspferde und vor allem für seinen Bestand an großen krokodilen, die sich an einer Sandbank sonnen, die oft Krokodilmarkt genannt wird. Zwischen den beiden Seen liegt eine Landbrücke, die zum Nechisar-Nationalpark gehört. Arba Minch selbst heißt „vierzig Quellen“, nach den vielen Quellen, die am Fuß der Hügel einen Grundwasserwald speisen.
Von Arba Minch aus führen Straßen weiter in die Berge der Dorze und nach Süden in Richtung Konso und seine Terrassen.
Baden und Gesundheit
Die Seen sind nicht einheitlich zum Baden geeignet. In vielen Süßwasserseen kommt Bilharziose vor, eine Wurmerkrankung, die über Schnecken im Wasser übertragen wird und beim Baden oder Waten durch die Haut eindringen kann. Sie ist behandelbar, aber unangenehm und bleibt oft lange unbemerkt. Wer schwimmen möchte sollte sich vorher bei Ärzten oder Tropenmedizinern informieren und im Zweifel verzichten. In Seen mit Flusspferden oder Krokodilen ist Baden lebensgefährlich. Sodaseen wie der Abijatta reizen Haut und Augen. Mehr zum Thema Gesundheit folgt auf der Seite Gesundheit auf Reisen.
Seen unter Druck
Viele Seen im Graben stehen unter Druck. Wasser wird für Bewässerung, Blumenfarmen und Industrie entnommen, Abwässer aus wachsenden Städten fließen hinein, und Erosion im Hochland spült Schlamm in die Seen. Der Abijatta ist dafür das deutlichste Beispiel. Auch Überfischung ist ein Problem. Dazu kommt, dass die Seen untereinander und mit dem Grundwasser verbunden sind: Was an einem See passiert, kann Folgen für einen anderen haben. Wie Besucher zur Entlastung beitragen können, beschreibt die Seite nachhaltig reisen.
Lage
Die Seen liegen in den Regionen Oromia, Sidama und South Ethiopia. Die Einstufung des Auswärtigen Amts ist hier nicht einheitlich: Für einige Zonen gilt eine Reisewarnung, für andere wird von nicht notwendigen Reisen abgeraten. Die Lage hängt also stark davon ab, welcher See und welche Strecke gemeint sind. Prüfe vor jeder Planung genau, durch welche Zonen du fahren würdest. Die angrenzenden Bale Mountains liegen östlich des Grabens. Einen Überblick über alle Ziele gibt die Seite Reiseziele in Äthiopien.
Häufige Fragen
Kann man in den Rift-Valley-Seen baden?
Nicht pauschal. In vielen Süßwasserseen gibt es Bilharziose, in manchen Krokodile und Flusspferde, Sodaseen reizen die Haut. Informiere dich für jeden See einzeln.
Welcher See ist der tiefste?
Der Shala-See, ein Kratersee mit über 200 Metern Tiefe.
Wo sieht man Krokodile?
Vor allem am Chamo-See bei Arba Minch, wo große Nilkrokodile auf einer Sandbank liegen.
Quellen
- Ethiopian Wildlife Conservation Authority: Abijatta-Shalla und Nechisar National Park
- Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 2. November 2026
- Auswärtiges Amt: Merkblatt Bilharziose (Schistosomiasis)
- Encyclopaedia Aethiopica, Artikel zu den Seen des Rift Valley
- Fachaufsätze zum Rückgang des Abijatta-Sees (u. a. in Hydrology and Earth System Sciences)
Stand der Angaben: 3. November 2026



