Mehr als ein Getränk
In Äthiopien heißt Kaffee Buna. Ihn zuzubereiten, ist ein kleines Ritual, das meist von einer Frau des Hauses geleitet wird und eine bis zwei Stunden dauern kann. Was die Zeremonie besonders macht ist nicht nur der Geschmack, sondern die Zeit, die man miteinander verbringt. Nachbarn kommen vorbei, Neuigkeiten werden ausgetauscht, und niemand hat es eilig. Wie die Zeremonie in Äthiopien abläuft und was sie bedeutet, beschreibt die Seite Kaffee und Kaffeezeremonie.
Um äthiopischen Kaffee zu Hause zuzubereiten, musst du nicht alles genau so machen. Schon frisch geröstete Bohnen, eine kleine Kanne und ein paar Tassen reichen, um einen Eindruck zu bekommen. Wenn du den Kaffee mit Ruhe zubereiten kannst, entsteht trotzdem etwas von der Atmosphäre. Am schönsten ist es mit Gästen, etwa am wochenende am Nachmittag.
Das Rezept
Kaffee in der Jebena
Zutaten
- 80 bis 100 g grüne Kaffeebohnen (Rohkaffee)
- etwa 600 ml Wasser
- Zucker nach Geschmack
- nach Belieben 1 Prise Salz, etwas Butter oder ein Zweig Raute
- Weihrauch und Popcorn oder geröstete Gerste zum Servieren
Zubereitung
- Die grünen Bohnen in einer Schüssel mit Wasser waschen und abtropfen lassen.
- In einer schweren Pfanne bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren rösten, bis sie dunkelbraun sind und glänzen. Das dauert etwa 10 bis 15 Minuten. Den Rauch den Gästen zufächeln.
- Die Bohnen kurz abkühlen lassen und im Mörser oder in einer Kaffeemühle mittelfein mahlen.
- Wasser in der Jebena oder einem kleinen Topf zum Kochen bringen, das Pulver hineingeben und einmal aufkochen lassen.
- Vom Herd nehmen und einige Minuten ruhen lassen, damit sich der Kaffeesatz am Boden absetzt.
- Langsam und aus etwas Höhe in kleine Tassen gießen, ohne den Satz aufzuwirbeln. Das ist die erste Runde, Abol.
- Für die zweite und dritte Runde, Tona und Baraka, jeweils frisches Wasser auf denselben Satz geben, aufkochen und wieder absetzen lassen.
Was du brauchst
- Rohkaffee: grüne, ungeröstete Bohnen, am besten aus Äthiopien. Du bekommst sie bei manchen Röstereien, in afrikanischen Läden und im Versandhandel.
- Eine schwere Pfanne aus Gusseisen oder Edelstahl. In Äthiopien gibt es dafür eine flache pfanne mit langem Griff.
- Mörser oder Mühle: traditionell ein Holzmörser, eine Kaffeemühle tut es auch.
- Jebena: die bauchige Tonkanne mit langem Hals. Wer keine Jebena hat nimmt ein kännchen oder einen kleinen Topf.
- Kleine Tassen ohne Henkel, ein Tablett, nach Belieben Weihrauch und frisches gras als Unterlage.
Mehr zur Tonkanne steht im Glossar unter Jebena. Eine neue Jebena aus Ton solltest du vor dem ersten Gebrauch einige Male mit Wasser auskochen.
Rösten in der Pfanne
Wer Rohkaffee zum ersten Mal röstet wird überrascht sein, wie stark sich die Bohnen verändern. Sie werden erst gelblich, dann hellbraun, und irgendwann riechen sie nicht mehr nach Heu, sondern nach Kaffee. Wenn die Bohnen zu knacken beginnen ist der erste Röstgrad erreicht. Für äthiopischen Kaffee röstet man meist etwas weiter, bis die Bohnen dunkelbraun sind und Öl an der Oberfläche glänzt. Rühr dabei ständig, sonst verbrennen sie an einer Seite. Am besten bei offenem Fenster, denn es raucht. In Äthiopien gehört dieser Rauch dazu: Die Gastgeberin geht mit der Pfanne herum, und die Gäste fächeln sich den Duft zu.
Die drei Runden
Traditionell wird dreimal ausgeschenkt. Die erste Runde heißt Abol und ist die stärkste. Für die zweite, Tona, und die dritte, Baraka, wird auf denselben Kaffeesatz frisches Wasser gegeben und neu aufgekocht. Jede Runde wird milder. Weil das Pulver nicht gefiltert wird braucht es nach dem Aufkochen eine kurze Ruhezeit, damit sich der Satz setzt. Manche legen dafür einen kleinen Strohfilter in den Hals der Kanne.
Getrunken wird meist mit Zucker, in manchen Regionen auch mit einer Prise Salz oder etwas Butter. Dazu gibt es Popcorn, geröstete Gerste oder Brot. Wie du die geröstete Gerste selbst machst, zeigt die Seite Kolo. Wer alle drei Tassen trinkt, gilt als höflicher Gast, verpflichtend ist es aber nicht.
Welche Bohnen?
Für den Anfang eignen sich gewaschene Kaffees aus Yirgacheffe oder Sidama mit blumigem, fruchtigem Geschmack oder natürlich getrocknete Kaffees aus Guji oder Harrar, die kräftiger und beeriger sind. Wenn du lieber schon geröstete Bohnen nehmen willst, frag eine rösterei nach einem äthiopischen Kaffee mit mittlerer bis dunkler Röstung. Mehr zu den Anbaugebieten steht auf der Seite Äthiopische Kaffeesorten.
Häufige Fragen
Kann ich auch gerösteten Kaffee aus dem Laden nehmen?
Ja. Dann fällt das Rösten weg, und du beginnst direkt mit dem Mahlen. Der Duft der Zeremonie fehlt dann allerdings.
Wie fein wird der Kaffee gemahlen?
Mittelfein, etwa wie für eine French Press oder etwas feiner. Zu feines Pulver setzt sich schlecht ab.
Quellen
- Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Coffee und Coffee ceremony
- Ethiopian Coffee and Tea Authority: Informationen zu äthiopischem Kaffee
Stand der Angaben: 3. November 2026




