Auf einen Blick

Schreibung
እንሰት
Auch geschrieben
Ensete, Inset
Botanisch
Ensete ventricosum, aus der Familie der Bananengewächse
Auch genannt
Falsche Banane, Zierbanane
Genutzt werden
Scheinstamm, Blattscheiden und Knolle, nicht die Früchte
Typische Speisen
Kocho, Bulla, Amicho

Was für eine Pflanze Enset ist

Enset, botanisch Ensete ventricosum, gehört zur Familie der Bananengewächse. Auf Amharisch heißt sie እንሰት. Im Deutschen wird sie manchmal Falsche Banane oder Zierbanane genannt. Die Pflanze wird mehrere Meter hoch und bildet einen dicken Scheinstamm aus fest übereinanderliegenden Blattscheiden, aus dem oben ein Schopf mit großen blättern wächst. Wer zum ersten Mal ein Ensetfeld sieht hält die Pflanzen leicht für Bananenstauden.

Der entscheidende Unterschied: Enset wird nicht wegen ihrer Früchte angebaut. Die Früchte sind klein, voller harter Samen und werden nicht gegessen. Genutzt werden stattdessen der Scheinstamm, die Blattscheiden und die unterirdische Knolle. Sie enthalten viel Stärke, die zu Nahrung verarbeitet wird. Mit einer Dessertbanane aus dem Supermarkt hat Enset deshalb in der Küche kaum etwas gemeinsam.

Wo Enset angebaut wird

Angebaut wird Enset vor allem im Süden und Südwesten Äthiopiens, in mittleren und höheren Lagen mit ausreichend Regen. Für viele Gemeinschaften dort ist sie eine zentrale Nahrungspflanze, etwa bei den Gurage, Sidama, Gedeo, Hadiya, Kembata und Wolaita. Schätzungen zufolge hängt die Ernährung von vielen Millionen Menschen ganz oder teilweise von Enset ab. Die Pflanzen stehen oft dicht um die Wohnhäuser herum und prägen das Bild der Dörfer. Mehr zu den Landschaften des Landes steht auf der Seite Geografie und Regionen.

Vermehrt wird Enset meist nicht über Samen, sondern über Ableger. Bevor eine Pflanze geerntet wird wächst sie mehrere Jahre, oft vier bis sieben, je nach Lage und Sorte. In einem Garten stehen deshalb Pflanzen aller Altersstufen nebeneinander, sodass jederzeit geerntet werden kann.

Vom Scheinstamm zu Kocho

Die Verarbeitung ist Handarbeit und wird traditionell vor allem von Frauen übernommen. Nach dem Fällen werden die Blattscheiden mit einem Schaber aus Holz oder Bambus abgeschabt. Dabei löst sich eine faserige, stärkehaltige Masse. Auch die Knolle wird zerkleinert. Diese Masse wird vermischt, in große Blätter gewickelt und in eine grube gelegt, die ebenfalls mit Blättern ausgekleidet ist.

Was in der Grube liegt gärt dort über Wochen oder Monate. Das Ergebnis ist Kocho, eine säuerliche, feste Masse, die sich lange hält. Aus ihr werden Fladenbrote gebacken, die ebenfalls Kocho heißen. Sie sind kräftig im Geschmack, etwas zäh und ganz anders als Injera. Bei den Gurage gehört Kocho klassisch zu Kitfo.

Bulla, Amicho und andere Speisen

Beim Ausdrücken der geschabten Masse fließt eine stärkehaltige Flüssigkeit ab. Wenn sie trocknet, bleibt ein weißes pulver zurück, das Bulla heißt. Bulla gilt als feinstes Ensetprodukt und wird zu Brei oder Getränken verarbeitet, etwa für Kranke, Kinder oder Wöchnerinnen. Amicho ist die gekochte Knolle, die ähnlich wie eine Kartoffel gegessen werden kann. Neben der Nahrung liefert Enset auch Fasern für seile, Matten und Säcke, und die Blätter dienen als Verpackung, Viehfutter oder Unterlage beim Backen.

Eine Pflanze gegen den Hunger

Enset wird oft als Pflanze gegen den Hunger bezeichnet. Der Grund: Sie ist robust, übersteht Trockenzeiten besser als viele andere Nutzpflanzen und lässt sich das ganze Jahr über ernten. Wenn die Ernte anderer Pflanzen ausfällt können Familien auf ihre Ensetbestände zurückgreifen. Das gärende Kocho lässt sich zudem lange lagern. Fachleute weisen darauf hin, dass Gegenden mit viel Enset von früheren Hungersnöten oft weniger stark getroffen wurden als Gebiete, die fast nur von Getreide lebten. Das heißt nicht, dass Enset jedes Problem löst, aber sie ist ein wichtiger Puffer und für viele Familien eine wichtige Lebensgrundlage.

Neben der Ernährung hat Enset auch eine kulturelle Rolle. In vielen Gemeinschaften gilt ein großer, gut gepflegter Ensetgarten als Zeichen von Wohlstand und Vorsorge. Bei Festen, Hochzeiten und Trauerfeiern wird Kocho in großen Mengen zubereitet und geteilt. Rund um Anbau und Verarbeitung gibt es eigene Wörter, Bräuche und Arbeitsgemeinschaften, in denen Frauen sich gegenseitig helfen.

Gleichzeitig hat die Pflanze ihre Schwierigkeiten. Eine bakterienkrankheit, die Enset-Welke, vernichtet in manchen Gegenden ganze Bestände. Weil Enset so viel Arbeit macht ist die Verarbeitung für viele Familien eine große Belastung. Forschende in Äthiopien und im Ausland arbeiten deshalb an widerstandsfähigeren Sorten und an Wegen, die Arbeit zu erleichtern.

Enset in Deutschland

In Deutschland ist Enset als Lebensmittel kaum bekannt. In botanischen Gärten und manchmal in Gartencentern siehst du die Pflanze aber als Zierpflanze, meist als rotblättrige Sorte. Kocho gibt es nur selten, gelegentlich in Restaurants mit Gurage-Küche oder bei Händlern für äthiopische Produkte. Wenn du es entdeckst, probier es zu Kitfo. Mehr zum Getreide des Hochlands steht im Glossar unter Teff, weitere Begriffe sammelt das Äthiopien-Glossar.

Häufige Fragen

Kann man Enset-Früchte essen?

Nein, sie sind klein und voller harter Samen. Genutzt werden Scheinstamm, Blattscheiden und Knolle.

Was ist Kocho?

Eine gegorene Masse aus Enset, aus der Fladenbrote gebacken werden. Sie gehört bei den Gurage zu Kitfo.

Quellen

  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Ensat
  • FAO: Enset-based farming systems in Ethiopia
  • Royal Botanic Gardens Kew: Forschung zu Enset (Ensete ventricosum) und Ernährungssicherheit

Stand der Angaben: 3. November 2026