Auf einen Blick
- Schreibung
- ክትፎ
- Auch geschrieben
- Kitfo, Ketfo, Kitffo
- Wortsinn
- fein Gehacktes
- Herkunft
- Küche der Gurage
- Gewürzt mit
- Niter Kibbeh und Mitmita
- Garstufen
- roh, leicht erwärmt oder durchgegart
Was Kitfo ist
Kitfo, auf Amharisch ክትፎ, ist fein gehacktes, mageres Rindfleisch, das mit gewürzter Butter und Mitmita angemacht wird, einem sehr scharfen Chilipulver. Der Name kommt von einem Verb, das fein hacken bedeutet. Kitfo ist also wörtlich „das fein Gehackte“. Auf Speisekarten findest du auch Schreibweisen wie Ketfo. Gemeint ist immer dasselbe Gericht, das allerdings in mehreren Varianten auf den Tisch kommt.
Wer Kitfo bestellt wird in vielen Restaurants gefragt, wie er es haben möchte. Das liegt an den Garstufen, die bei diesem Gericht eine große Rolle spielen. Mehr dazu weiter unten.
Herkunft bei den Gurage
Kitfo stammt aus der Küche der Gurage, einer Volksgruppe im Südwesten von Addis Abeba. Bei ihnen ist es ein Festgericht, das zu besonderen Anlässen zubereitet wird. Wenn die Gurage Meskel feiern gehört Kitfo fest dazu. Zu diesem Fest kehren viele Gurage, die in Städten leben, für einige Tage in ihre Heimatdörfer zurück, und gemeinsames Essen mit der Familie steht im Mittelpunkt. Mehr zu diesem Fest steht auf der Seite Meskel, das Fest der Kreuzauffindung.
Von den Gurage aus hat sich Kitfo im ganzen Land verbreitet. In Addis Abeba gibt es zahlreiche Lokale, die sich auf Kitfo spezialisiert haben. In Deutschland steht es auf den Karten vieler äthiopischer und eritreischer Restaurants.
Wie Kitfo zubereitet wird
Für Kitfo braucht es sehr frisches, mageres Rindfleisch ohne Sehnen. Traditionell wird es mit einem scharfen messer von Hand fein gehackt, nicht durch einen Fleischwolf gedreht. Das gibt eine lockere Struktur. Bevor das Fleisch auf den Teller kommt wird es mit warmer Niter Kibbeh und Mitmita vermengt. Manche Köchinnen geben noch Korarima oder andere Gewürze dazu. Je nach Garstufe wird die Mischung nur kurz durchgerührt oder in einer Pfanne erhitzt.
Zum Servieren kommt Kitfo oft auf einen kleinen Teller oder in eine kleine schale. Daneben steht häufig noch etwas Mitmita zum Nachwürzen. Wie scharf das Gericht wird, bestimmt also auch, wer isst.
Garstufen und Varianten
Die bekanntesten Varianten unterscheiden sich vor allem darin, wie stark das Fleisch erhitzt wird. Tire Kitfo ist roh. Das Fleisch wird nur mit der warmen Butter vermischt, bleibt aber innen kalt und rot. Lebleb Kitfo ist leicht erwärmt. Das Fleisch bekommt außen etwas Farbe, ist innen aber noch rosa. Yebesele Kitfo ist durchgegart und erinnert dann eher an gewürztes Hackfleisch aus der Pfanne.
Daneben gibt es Varianten mit Beilagen auf demselben Teller. Häufig ist eine Kombination aus Kitfo, Ayib und Gomen, die manchmal als „Special Kitfo“ oder Kitfo mit allem angeboten wird. Ein verwandtes Gericht ist Gored Gored: Hier wird das rohe Fleisch nicht gehackt, sondern in Würfel geschnitten und mit Butter und Awaze serviert. Es ist kein Kitfo, wird aber oft neben ihm auf der Karte geführt.
Was dazu gegessen wird
Zu Kitfo gehören klassisch zwei Beilagen. Ayib ist ein milder, frischer käse, der ein wenig an Hüttenkäse oder Quark erinnert. Er nimmt der Schärfe die Spitze. Gomen ist gekochter, gehackter Grünkohl oder ein ähnliches Blattgemüse. Gegessen wird Kitfo bei den Gurage traditionell mit Kocho, einem Brot aus der fermentierten Stärke der Enset-Pflanze. Mehr dazu steht im Glossar unter Enset. In vielen Restaurants gibt es stattdessen oder zusätzlich Injera.
Abgrenzung zu Tibs und Wot
Kitfo wird oft mit anderen Fleischgerichten verwechselt. Tibs sind kurz gebratene Fleischstücke mit Zwiebeln und wenig Sauce. Ein Wot ist ein lange geschmorter Eintopf mit sämiger Sauce. Kitfo dagegen ist gehackt, kommt ohne Zwiebeln und Sauce aus und lebt von Butter und Mitmita. Wer die drei Gerichte kennt, kann eine äthiopische Speisekarte schon ziemlich gut lesen.
Was du zu rohem Fleisch wissen solltest
Rohes oder nur leicht erwärmtes Fleisch kann Krankheitserreger und Parasiten enthalten. Das gilt für Kitfo genauso wie für Tatar oder Mett. Auch sehr frisches Fleisch aus einer sauberen Küche ist nie völlig frei von diesem Risiko. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät Schwangeren, kleinen Kindern, älteren Menschen und Personen mit geschwächtem immunsystem grundsätzlich davon ab, rohes Fleisch zu essen.
Wer rohes Fleisch nicht verträgt oder meiden möchte bestellt Kitfo durchgegart. Das ist in jedem Restaurant möglich und keine Unhöflichkeit. In Deutschland gelten für rohes Hackfleisch strenge Hygieneregeln, es soll zum Beispiel am selben tag verarbeitet und gegessen werden. Ob ein Restaurant Kitfo roh anbietet hängt deshalb auch davon ab, wie es Einkauf und Küche organisiert. Wir können keine Garantie für ein bestimmtes Lokal geben und raten dir, im Zweifel die gegarte Variante zu wählen.
Gibt es Kitfo ohne Fleisch?
Einige Restaurants in Deutschland bieten vegetarische oder vegane Varianten an, etwa mit fein gehackten Pilzen, Tofu oder Linsen, gewürzt mit Mitmita und Gewürzöl. Das ist eine moderne Idee, die mit dem Original nur Würze und Name teilt. Probieren lohnt sich trotzdem. Weitere Begriffe aus der äthiopischen Küche sammelt das Äthiopien-Glossar.
Häufige Fragen
Ist Kitfo immer roh?
Nein. Du kannst es roh, leicht erwärmt oder durchgegart bestellen.
Was bedeutet lebleb?
Leicht erwärmt. Das Fleisch ist außen angegart und innen noch rosa.
Quellen
- Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Kətfo und Gurage
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Verbraucherhinweise zu rohem Fleisch und Hackfleisch
- Thomas Leiper Kane: Amharic-English Dictionary, Wiesbaden 1990, Eintrag zu ክትፎ
Stand der Angaben: 3. November 2026


