Auf einen Blick

Schreibung
ሐበሻ
Auch geschrieben
Habescha, Abesha, Ḥabäša
Ursprung
alte Bezeichnung für das Hochland am Horn von Afrika
Davon abgeleitet
Abessinien, die frühere europäische Bezeichnung
Heute
Selbstbezeichnung vieler Menschen, vor allem aus dem Hochland
Achtung
nicht gleichbedeutend mit allen Menschen Äthiopiens oder Eritreas

Woher das Wort kommt

Habesha, in äthiopischer Schrift ሐበሻ, ist eine sehr alte Bezeichnung. Ähnliche Namen tauchen bereits in Inschriften aus Südarabien auf, die mehr als zweitausend Jahre alt sind. Dort bezeichnen sie Menschen und Gebiete auf der anderen Seite des Roten Meeres, also im Hochland des heutigen Eritrea und Nordäthiopien. Woher das Wort genau stammt ist in der Forschung nicht abschließend geklärt. Sicher ist aber, dass es seit langer Zeit für diese Region und ihre Bewohner verwendet wird.

Über das Arabische, in dem Äthiopien al-Habascha hieß, gelangte das Wort nach Europa. Daraus entstand der Name Abessinien, mit dem Europäer das Land jahrhundertelang bezeichneten. Heute gilt Abessinien als veraltet. Das Land heißt offiziell Äthiopien, und dieser Name hat eine eigene, ebenfalls sehr alte Geschichte. Mehr dazu steht auf der Seite Geschichte Äthiopiens.

Wen der Begriff historisch meinte

Lange bezog sich Habesha vor allem auf die Menschen im christlich geprägten Hochland, die semitische Sprachen wie Amharisch, Tigrinya oder Tigre sprechen. Sie stellten über Jahrhunderte die Herrscher, die Kirche und einen großen Teil der schriftlichen Überlieferung. Alte inschriften, Chroniken und die Kirche prägten das Bild, das sich Außenstehende vom Land machten. Andere große Bevölkerungsgruppen, etwa die Oromo, die Somali, die Sidama oder die vielen Völker im Süden und Westen, waren damit in der Regel nicht gemeint.

Habesha heute

Heute ist Habesha für viele Menschen eine selbstverständliche und stolze Selbstbezeichnung. Wer sich selbst als Habesha bezeichnet meint meist eine gemeinsame Kultur aus Hochland, Küche, Kaffee, Musik, Glauben und Sprache, die Äthiopien und Eritrea verbindet. Vor allem in der Diaspora hat das Wort eine verbindende Rolle bekommen. Menschen aus Äthiopien und Eritrea, die in Deutschland, den USA oder Israel leben, treffen sich in Habesha-Restaurants, feiern auf Habesha-Partys und hören Habesha-Musik. Für die diaspora ist es oft ein gefühl von Heimat, das Grenzen und Konflikte überbrückt.

Wenn ein Restaurant Habesha im Namen trägt sagt das meist, dass es äthiopische oder eritreische Küche anbietet, oft beides. Mehr zur Abgrenzung steht auf den Seiten über die äthiopischen Restaurants in Deutschland.

Habesha Kemis

Ein bekanntes Beispiel für den Begriff im Alltag ist das Habesha Kemis, ein traditionelles Kleid. Es besteht aus weißer baumwolle oder einem ähnlichen hellen Stoff und hat bunte borten am Saum, an den Ärmeln und oft am Ausschnitt, die Tibeb genannt werden. Getragen wird es zu Festen, Hochzeiten, Feiertagen und in der Kirche, oft mit einem passenden Schal, dem Netela. Zu solchen Tagen gehört meist auch ein großes Essen mit Injera im Familienkreis. Auch Männer tragen zu besonderen Anlässen weiße Gewänder mit Borten. Mehr zu Webkunst und Textilien steht auf der Seite Kunst und Handwerk.

Wo der Begriff an Grenzen stößt

So verbindend das Wort für viele ist, es umfasst nicht alle Menschen in Äthiopien und Eritrea. Äthiopien ist ein Land mit über achtzig Sprachen und vielen Völkern. Die Oromo sind die größte Bevölkerungsgruppe, dazu kommen Somali, Sidama, Afar, Gurage, Wolaita und viele andere. Nicht alle von ihnen bezeichnen sich als Habesha, und manche lehnen den Begriff ausdrücklich ab. Was für die einen Zugehörigkeit bedeutet erinnert andere an eine Zeit, in der Herrscher und Eliten aus dem Hochland das Land dominierten und andere Kulturen an den Rand drängten.

Auch zwischen Äthiopien und Eritrea ist der Begriff nicht ohne Spannung. Die beiden Länder haben einen langen Unabhängigkeitskrieg und einen späteren Grenzkrieg erlebt, und die politische Lage zwischen ihnen ist bis heute angespannt. Trotzdem bezeichnen sich viele Menschen aus beiden Ländern als Habesha. Die alte Schrift des Hochlands, in der auch dieses Wort geschrieben wird, erklärt der Eintrag Ge’ez. Diese Vielschichtigkeit gehört dazu: Habesha ist ein Begriff mit mehreren Bedeutungen, je nach Sprecher, Ort und Zeit. Mehr über die Vielfalt der Menschen und Sprachen im Land steht auf den Seiten Menschen und Alltag und Sprachen und Schriften.

Wie du den Begriff verwenden kannst

Für Außenstehende ist es am besten, vorsichtig zu sein. Wenn dir jemand erzählt, er oder sie sei Habesha, ist das eine Selbstbezeichnung, die du einfach übernehmen kannst. Bevor du jemanden so nennst hör aber darauf, wie sich die Person selbst beschreibt. Nicht jeder Mensch aus Äthiopien oder Eritrea ist Habesha, und nicht jeder möchte so genannt werden. Wer nach der Herkunft fragt, fragt am besten offen: „Woher kommst du?“ ist einfacher und respektvoller als eine Zuschreibung. Weitere Begriffe sammelt das Äthiopien-Glossar.

Häufige Fragen

Ist Habesha dasselbe wie äthiopisch?

Nein. Habesha meint vor allem die Kultur des Hochlands in Äthiopien und Eritrea. Nicht alle Menschen in Äthiopien bezeichnen sich so.

Kommt Abessinien von Habesha?

Ja, der frühere europäische Name Abessinien leitet sich über das Arabische von Habesha ab.

Quellen

  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Ḥabäša
  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Abyssinia
  • Bundeszentrale für politische Bildung: Länderprofil Äthiopien, Bevölkerung und Ethnien

Stand der Angaben: 3. November 2026