Auf einen Blick
- Schreibung
- ጠጅ
- Auch geschrieben
- Tedj, Tedsch, T’ej
- Was es ist
- vergorenes Getränk aus Honig und Wasser
- Typische Zutat
- Gesho, ein Kreuzdorngewächs
- Serviert in
- Berele, einer bauchigen Glasflasche
- Wichtig
- enthält Alkohol
Was Tej ist
Tej, auf Amharisch ጠጅ, ist das äthiopische Honiggetränk schlechthin, ein vergorenes Getränk aus Honig und Wasser. Oft wird es als Honigwein bezeichnet, manchmal auch mit dem europäischen Met verglichen. Der wichtigste Unterschied zu Met liegt in einer Zutat: Für Tej werden Blätter und Zweige des Gesho-Strauchs mitvergoren, einer Pflanze aus der Familie der Kreuzdorngewächse. Gesho gibt dem Getränk eine herbe, leicht bittere Note und unterstützt die Gärung. Ohne Gesho wäre es kein Tej im üblichen Sinn.
Wer Tej zum ersten Mal trinkt ist oft überrascht, wie wenig süß es sein kann. Junger Tej schmeckt eher süß und mild, reifer Tej herber, trockener und kräftiger. Die Farbe ist meist goldgelb und leicht trüb.
Wie Tej entsteht
Die Herstellung ist im Prinzip einfach, braucht aber Erfahrung. Honig wird in Wasser aufgelöst, meist in einem großen gefäß aus Ton oder Kunststoff. Wenn der Honig im Wasser gelöst ist kommen die Gesho-Zweige oder ein Sud aus Gesho dazu. Dann bleibt die Mischung abgedeckt stehen und gärt, je nach Temperatur und Geschmack einige Tage bis mehrere Wochen. Manche nehmen die Gesho-Zweige nach einigen Tagen heraus, andere lassen sie länger darin. Zum Schluss wird der Tej gefiltert.
Je länger der Tej gärt desto mehr Zucker wird zu Alkohol und desto trockener wird er. Der Alkoholgehalt schwankt deshalb stark und ist für Trinkende kaum einzuschätzen. Er kann dem eines Weins nahekommen. Weil Honig teuer ist, wird Tej heute auch mit Zucker hergestellt, ganz oder teilweise. Viele Kenner schätzen Tej aus reinem Honig deutlich mehr. Es gibt auch eine junge, kaum vergorene Variante aus Honig und Wasser, die Berz genannt wird und wenig oder keinen Alkohol enthält.
Die Berele
Getrunken wird Tej traditionell aus einer Berele. Das ist eine kleine, bauchige Glasflasche mit einem schmalen hals, die ein wenig an einen Laborkolben erinnert. Man hält sie am Hals und trinkt direkt daraus. In einem Tej Bet bekommt jeder Gast seine eigene Berele, die nachgefüllt wird. Das typische Bild einer Berele mit goldgelbem Inhalt ist für viele Menschen aus Äthiopien ein Symbol für Geselligkeit.
Das Tej Bet
Ein Tej Bet, also ein Tej-Haus, ist eine einfache Kneipe, in der vor allem Tej ausgeschenkt wird. In Städten wie Addis Abeba gibt es viele davon, von kleinen Räumen mit Plastikstühlen bis zu bekannten, alten Häusern. Oft gibt es lange bänke, an denen Fremde nebeneinandersitzen und ins Gespräch kommen. In manchen Tej Bet treten Azmari auf, Sängerinnen und Sänger, die zur Masenqo spielen, einer einsaitigen Fiedel, und spontan Verse über die Gäste dichten. Was in einem Tej Bet passiert lässt sich schwer beschreiben, man muss es erleben. Mehr zu Azmari und Musik steht auf der Seite Musik und Tanz.
Tej in der Geschichte
Tej ist ein sehr altes Getränk. In Chroniken und Reiseberichten früherer Jahrhunderte wird es oft als Getränk des Adels und der Herrscherhöfe beschrieben, während einfache Leute eher Tella tranken, ein bierähnliches Getränk aus Getreide. Bei Festen am Hof floss Tej in großen Mengen. Heute trinken Menschen aus allen Schichten Tej, und es wird bei Hochzeiten, Festen und in Tej Bet ausgeschenkt. In Restaurants in Deutschland steht es manchmal auf der Karte, oft als Honigwein.
Ein alkoholisches Getränk
Tej ist kein Saft und kein Heilmittel. Es enthält Alkohol, und weil der Gehalt schwankt, ist Vorsicht sinnvoll. Wer ungewohnt viel trinkt, bekommt schnell einen leichten rausch, vor allem weil Tej süß und mild schmecken kann. Für Tej gelten die gleichen Regeln wie für jedes andere alkoholische Getränk: kein Alkohol für Kinder und Jugendliche, nichts in der Schwangerschaft und nichts vor dem Autofahren. In Deutschland regelt das jugendschutzgesetz die Abgabe von Alkohol an Minderjährige.
Viele Menschen in Äthiopien trinken aus religiösen Gründen keinen Alkohol, vor allem Musliminnen und Muslime und manche evangelische Christen. Wer keinen Alkohol trinkt fragt im Restaurant nach Alternativen. Oft gibt es Säfte, Tee oder Kaffee, der am Ende einer Mahlzeit mit Injera ohnehin meist dazugehört. Zum Wort für Kaffee und seiner Rolle im Alltag steht mehr unter Buna. Mehr dazu steht auf der Seite Kaffee und Kaffeezeremonie, zu Umgangsformen am Tisch auf der Seite Gastfreundschaft und Etikette. Weitere Begriffe sammelt das Äthiopien-Glossar.
Häufige Fragen
Wie viel Alkohol hat Tej?
Das schwankt stark je nach Gärdauer und kann dem Gehalt eines Weins nahekommen.
Was ist Gesho?
Ein Strauch aus der Familie der Kreuzdorngewächse. Seine Blätter und Zweige geben Tej die herbe Note und helfen bei der Gärung.
Quellen
- Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Ṭäǧ und Gešo
- Thomas Leiper Kane: Amharic-English Dictionary, Wiesbaden 1990, Einträge zu ጠጅ und ብርሌ
- Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Hinweise zu Alkohol und Risikogruppen
Stand der Angaben: 3. November 2026



