Die traditionellen Höhenzonen

In Äthiopien unterscheiden viele Menschen seit Langem Klimazonen nach der Höhe. Die Namen stammen aus dem Amharischen und werden bis heute im Alltag, in der Landwirtschaft und in Schulbüchern benutzt. Die Grenzen sind keine exakten Linien, die folgenden Höhen sind gängige Richtwerte.

Traditionelle Höhenzonen, Richtwerte. Temperaturen grob für den Tagesverlauf.
ZoneHöhe etwaKlimaTypisch
Wurchüber 3.200 mkühl bis kalt, Frost in der NachtGerste, Weiden, afroalpine Pflanzen
Dega2.300 bis 3.200 mmild am Tag, kühl in der NachtGerste, Weizen, Hülsenfrüchte, Teff
Woina Dega1.500 bis 2.300 mangenehm warmTeff, Mais, Kaffee, Enset
Kolla500 bis 1.500 mwarm bis heißHirse, Sorghum, Viehhaltung
Berehaunter 500 mheiß und trockenViehhaltung, Salz, kaum Ackerbau

Addis Abeba liegt in der Dega, Bahir Dar und Hawassa in der Woina Dega, Arba Minch und Dire Dawa an der Grenze zur Kolla, die Danakil-Senke in der Bereha. Belegte Klimamittel für einige dieser Orte stehen auf der Seite Wetter und Klima.

Im Hochland

Im Hochland ist es tagsüber oft angenehm warm, mit viel Sonne und wenig Schwüle. Wenn die Sonne untergeht wird es schnell kühl. In Höhen über 2.500 Metern sind kalte nächte mit Temperaturen nahe null keine Seltenheit, besonders in der Trockenzeit. Häuser haben selten Heizungen. Die Menschen tragen Tücher aus Baumwolle oder dicke Gabi, Decken aus mehreren Lagen.

Was im Hochland wächst prägt die Küche: Teff für Injera, Gerste, Weizen, Linsen, Erbsen und Bohnen. Das Hochland ist dicht besiedelt, die meisten Städte und Kirchen liegen hier.

Die dünne luft ist für viele Reisende in den ersten Tagen spürbar. Treppen und Anstiege fühlen sich anstrengender an, manche schlafen schlechter oder haben leichte Kopfschmerzen. Die Sonne ist intensiv, die Gefahr eines Sonnenbrands groß, auch wenn es sich kühl anfühlt.

Im Tiefland

Je tiefer du kommst desto wärmer wird es. In der Kolla ist es tagsüber heiß, auch die Nächte bleiben warm. In der Bereha, etwa in der Danakil-Senke, wird es extrem heiß. Die Luft ist je nach Region trocken oder schwül. Das Tiefland ist dünner besiedelt. Viele Menschen leben dort von Viehhaltung, ziehen mit ihren Herden zu Wasserstellen und Weiden. Angebaut werden vor allem Pflanzen, die Hitze und Trockenheit vertragen, etwa die hirse und Sorghum.

Gesundheitlich ist das Tiefland anspruchsvoller. Unterhalb von 2.500 Metern besteht nach Angaben des Auswärtigen Amts ganzjährig ein hohes Malariarisiko. Dazu kommt Hitzebelastung. Mehr dazu auf der Seite Gesundheit auf Reisen.

Tag und Nacht

Ein Merkmal haben alle Zonen gemeinsam: Die Unterschiede zwischen Tag und Nacht sind größer als die zwischen den Monaten. Im Hochland können zwischen dem frühen Nachmittag und dem frühen Morgen fünfzehn Grad liegen. Wer morgens in Addis Abeba losfährt steht vielleicht mittags in der Hitze des Rift Valley und abends wieder frierend in einer Lodge in den Bergen. Das ganze Jahr wird es gegen halb sieben dunkel, und kurz danach fallen die Temperaturen.

Leben in den Zonen

Die Höhenzonen prägen nicht nur das Wetter, sondern auch, wie Menschen leben. Im Vergleich zum Tiefland ist das Hochland seit Jahrhunderten das Zentrum von Ackerbau, Staat und Kirche. Hier entstanden Aksum, Lalibela und Gondar, hier liegen die meisten großen Städte. Die mittlere Zone, die Woina Dega, gilt vielen als die angenehmste, weil es weder zu kalt noch zu heiß ist und fast alles wächst, vom Getreide bis zum Kaffee.

Das Tiefland war dagegen lange der Raum der Hirtengesellschaften, die mit ihren Herden große Gebiete nutzen. Zwischen Hochland und Tiefland gab und gibt es Handel: Getreide und Kaffee gehen nach unten, Vieh, Salz und Butter nach oben. Viele Märkte liegen deshalb an den Übergängen, an Pässen und am Fuß der Steilhänge. Mehr über die Landschaften des Landes erklärt die Seite Geografie und Regionen.

Was das für die Vorbereitung heißt

Wer zwischen den Zonen wechselt braucht Kleidung für beides. Bewährt hat sich das Zwiebelprinzip:

  • Für das Hochland: warme Jacke oder Fleece, Pullover, lange Hosen, warme Socken, für sehr hohe Lagen Mütze und Handschuhe.
  • Für das Tiefland: leichte, luftige Kleidung, lange ärmel gegen Sonne und abends gegen Mücken, Sonnenhut.
  • Für beides: Sonnencreme, Sonnenbrille und einen hut, dazu eine wiederverwendbare Trinkflasche.

Die ausführliche Liste steht auf der Seite Packliste für Äthiopien. Wer Medikamente oder Malariamittel braucht, klärt das in der reisemedizinischen Beratung, abgestimmt auf die Höhenlagen der geplanten Route.

Und der Regen?

Auch beim Regen gibt es Unterschiede nach Höhe und Region. Das Hochland bekommt meist deutlich mehr Niederschlag als das Tiefland. In den Senken im Nordosten regnet es kaum. Die Regenzeiten selbst unterscheiden sich aber vor allem nach Region, nicht nur nach Höhe. Mehr dazu auf der Seite Regenzeiten in Äthiopien.

Häufige Fragen

Was bedeutet Dega?

Dega ist die traditionelle Bezeichnung für das kühle Hochland, etwa zwischen 2.300 und 3.200 Metern.

Wie kalt wird es nachts im Hochland?

In Addis Abeba oft unter zehn Grad, in höheren Lagen nahe null und darunter, besonders in klaren Nächten der Trockenzeit.

Gibt es im Hochland Malaria?

Über 2.500 Metern und in Addis Abeba ist das Risiko gering. Darunter besteht nach Angaben des Auswärtigen Amts ganzjährig ein hohes Risiko.

Quellen

  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel zu Klima und den traditionellen Höhenzonen
  • Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Abschnitt Gesundheit (Malaria unter 2.500 m), Stand 2. November 2026
  • Klimamittel ausgewählter Orte nach Ethiopian Meteorological Institute, siehe Seite Wetter und Klima

Stand der Angaben: 3. November 2026