Drei Jahreszeiten im Hochland

Wer im Hochland lebt kennt drei Jahreszeiten, die nach dem Regen benannt sind:

Kiremt

Die große Regenzeit, etwa von Juni bis September. In diesen Monaten fällt im zentralen und nördlichen Hochland der größte Teil des jährlichen Niederschlags. Es regnet oft täglich, häufig in kräftigen Gewittern am Nachmittag, manchmal auch tagelang. Kiremt ist die Zeit, in der die wichtigste Ernte des Jahres heranwächst.

Bega

Die Trockenzeit, etwa von Oktober bis Januar. Die Tage sind sonnig, die Nächte kühl, in hohen Lagen oft frostig. In diese Zeit fällt die Haupternte, Meher genannt.

Belg

Die kleine Regenzeit, etwa von Februar bis Mai. Sie bringt kurze regen, die vor allem in manchen Teilen des Hochlands für eine zweite, kleinere Ernte wichtig sind.

Die Monate sind Richtwerte. Wann der Regen tatsächlich kommt und wie stark er ist, schwankt von Jahr zu Jahr. Wenn der Belg ausbleibt fehlt in manchen Gegenden eine ganze Ernte. Wie viel Regen in Addis Abeba oder Bahir Dar im Durchschnitt fällt, zeigt die Tabelle auf der Seite Wetter und Klima.

Zwei Regenzeiten im Süden und Südosten

Was für das Hochland gilt gilt im Süden und Südosten nicht. Dort gibt es meist zwei Regenzeiten: eine längere im Frühjahr, etwa von März bis Mai, und eine kürzere im Herbst, etwa von Oktober bis November oder Dezember. Dazwischen liegen trockene Monate, auch im Sommer, wenn im Hochland Kiremt herrscht.

Die Regenzeiten haben in den verschiedenen Sprachen eigene namen. In der Somali-Region spricht man von Gu für den Frühjahrsregen und Deyr für den Herbstregen, bei den Borana von Ganna und Hagayya. Für die Hirten dieser Regionen entscheiden diese Regen über das Überleben ihrer Herden. Bleiben zwei oder mehr Regenzeiten hintereinander aus, wie zwischen 2020 und 2023, kommt es zu schweren Dürren.

Ein Beispiel ist Arba Minch im Süden: Dort fällt der meiste Regen im April und im Oktober, während der Juli vergleichsweise trocken ist. In Addis Abeba ist es genau umgekehrt.

Der feuchte Südwesten

Im Südwesten des Landes, in den Wäldern um Jimma, Kaffa und Gambela, regnet es besonders lange, oft von März oder April bis in den Oktober hinein. Die Regenzeiten gehen hier ineinander über. Deshalb ist der Südwesten so grün, und deshalb wachsen hier die Bergwälder, aus denen der Kaffee stammt. Mehr dazu auf der Seite zu Kaffee und Kaffeezeremonie.

Der trockene Nordosten

Die Afar-Senke im Nordosten bekommt sehr wenig Regen. Was fällt, kommt unregelmäßig, meist in kurzen, heftigen Schauern im Sommer und manchmal im Frühjahr. Gleichzeitig führen Flüsse, die im Hochland entspringen, in der Regenzeit plötzlich viel Wasser in die Senke. Mehr zu dieser Landschaft steht auf der Seite zur Danakil-Senke.

Warum die Unterschiede so groß sind

Um Äthiopiens Regenzeiten regional zu verstehen, hilft ein Blick auf die Karte. Das Hochland ragt wie eine riesige Insel aus dem umliegenden Tiefland auf. Im Sommer strömt feuchte Luft vor allem aus Westen und Südwesten heran, aus Richtung Kongobecken und Atlantik. Sie trifft zuerst auf die westlichen Hänge des Hochlands und regnet sich dort ab. Deshalb ist der Westen so feucht und der Osten im Regenschatten trockener.

Im Frühjahr und Herbst kommt Feuchtigkeit dagegen eher vom Indischen Ozean. Sie erreicht vor allem den Süden und Südosten, wenn das Regenband über den Äquator wandert. So entstehen die zwei Regenzeiten im Süden. Die Afar-Senke liegt tief und im Windschatten der Berge, dort kommt kaum etwas an. Kleine Unterschiede in Lage, Höhe und Ausrichtung eines Hangs können deshalb große Folgen haben: Zwei Dörfer auf verschiedenen Seiten eines Tals haben manchmal ganz unterschiedliche Erntezeiten.

Was der Regen bewegt

Die große Regenzeit prägt das Leben weit über Äthiopien hinaus. Der Blaue Nil, der im Hochland entspringt, schwillt in diesen Monaten stark an. Er bringt den größten Teil des Wassers, das später in Ägypten ankommt, dazu fruchtbaren Schlamm. Volle flüsse bedeuten aber auch Überschwemmungen in Tälern und Ebenen, und an steilen Hängen kommt es zu Erdrutschen.

Für die Landwirtschaft ist der Rhythmus von Regen und Trockenheit alles. Nach dem ersten Regen werden die felder gepflügt, oft noch mit Ochsen. Teff, Weizen und andere Getreide wachsen in der Regenzeit heran. Sobald der Regen nachlässt färben sich die Felder gelb und golden, und die Ernte beginnt. Das Neujahrsfest im September und Meskel Ende September markieren diesen Übergang. Mehr dazu auf der Seite Feste und Feiertage.

Reisen in der Regenzeit

Wer in der Regenzeit reist erlebt ein anderes Äthiopien. Die Landschaft ist sattgrün, Wasserfälle führen viel Wasser, und es sind deutlich weniger Reisende unterwegs. Gleichzeitig musst du mit Einschränkungen rechnen:

  • Schlammige pisten, die manche Orte schwer oder gar nicht erreichbar machen.
  • Wolken und Nebel in den Bergen, die die Aussicht nehmen.
  • Kühle, feuchte Tage im Hochland, mit wenig Sonne.
  • Gelegentlich verspätete oder ausgefallene Flüge bei Gewittern.

In Addis Abeba lässt sich die Regenzeit gut aushalten, weil es oft nur nachmittags regnet. Eine Regenjacke und feste Schuhe gehören ins Gepäck, siehe Packliste für Äthiopien. Welche Monate für welche Region klimatisch günstiger sind, steht auf der Seite Die beste Reisezeit.

Häufige Fragen

Wann ist Regenzeit in Äthiopien?

Im zentralen und nördlichen Hochland vor allem von Juni bis September, dazu eine kleine Regenzeit im Frühjahr. Im Süden gibt es zwei Regenzeiten, etwa März bis Mai und Oktober bis November.

Was bedeutet Kiremt?

Kiremt ist der amharische Name für die große Regenzeit im Hochland, etwa von Juni bis September.

Regnet es den ganzen Tag?

Oft nicht. Im Hochland regnet es häufig in Schauern am Nachmittag. Es gibt aber auch Tage mit Dauerregen.

Quellen

  • Ethiopian Meteorological Institute: Jahreszeiten Kiremt, Belg und Bega
  • FEWS NET: Saisonkalender für Äthiopien
  • Klimatabellen ausgewählter Orte nach Ethiopian Meteorological Institute, siehe Seite Wetter und Klima

Stand der Angaben: 3. November 2026