Die Höhe entscheidet
Wer an Afrika denkt stellt sich oft Hitze vor. In Äthiopien ist das nur ein Teil der Wahrheit. Ein großer Teil des Landes ist Hochland zwischen 1.500 und 3.000 Metern. Dort herrscht ein mildes Klima mit warmen Tagen und kühlen nächten, ähnlich das ganze Jahr über. Was die Temperatur bestimmt ist vor allem die höhe, nicht die Jahreszeit. Pro hundert Höhenmeter wird es im Durchschnitt etwa ein halbes bis ein Grad kühler.
Daraus ergeben sich große Unterschiede auf kurzer Strecke. In Addis Abeba auf rund 2.350 Metern ziehen sich Menschen abends eine Jacke an. Wenige Stunden Fahrt entfernt, im Grabenbruch oder in der Afar-Senke, ist es tagsüber heiß. In den Bergen über 4.000 Metern kann es nachts frieren. Wie Hochland und Tiefland sich im Einzelnen unterscheiden, zeigt die Seite Hochland und Tiefland.
Tropisch, aber nicht gleichförmig
Weil Äthiopien in den Tropen liegt, sind Tageslänge und Sonnenstand das ganze Jahr ähnlich. Es wird etwa um halb sieben hell und um halb sieben dunkel, mit wenig Unterschied zwischen den Monaten. Jahreszeiten im europäischen Sinn mit Sommer und Winter gibt es nicht. Stattdessen werden die Jahreszeiten vor allem durch Regen und Trockenheit bestimmt.
Die Temperaturen schwanken dafür stark zwischen Tag und Nacht. Im Hochland können zwischen Nachmittag und frühem Morgen fünfzehn Grad Unterschied liegen. Die Sonne ist in der Höhe sehr kräftig, auch wenn die Luft kühl ist.
Wie die Regenzeiten entstehen
Der Regen in Äthiopien folgt einem Band feuchter, aufsteigender Luft rund um den Äquator, das sich im Lauf des Jahres nach Norden und Süden verschiebt. Fachleute nennen es die innertropische Konvergenzzone. Wenn feuchte Luft auf das Hochland trifft steigt sie auf, kühlt ab und regnet sich ab. Im Hochland fallen dann oft starke gewitter am Nachmittag.
Für große Teile des zentralen und nördlichen Hochlands gibt es eine große Regenzeit von etwa Juni bis September, die Kiremt heißt, und eine kleinere im Frühjahr, Belg genannt. Der Süden und Südosten haben dagegen meist zwei Regenzeiten, eine im Frühjahr und eine im Herbst. Der Nordosten ist sehr trocken, der Südwesten dagegen fast das ganze Jahr feucht. Mehr zu den Regenzeiten und ihren Namen steht auf der Seite Regenzeiten in Äthiopien.
Klimamittel an vier Orten
Die Tabelle zeigt durchschnittliche Höchst- und Tiefstwerte sowie den mittleren Niederschlag für vier Orte in unterschiedlichen Höhen. Es sind langjährige Mittelwerte, kein Wetter für einen bestimmten Tag. Einzelne Jahre können stark davon abweichen.
Um die Werte richtig zu verstehen, hilft ein Blick auf die Höhenangaben. Die beiden Orte im Tiefland, Dire Dawa und Arba Minch, liegen fast tausend Meter tiefer als Addis Abeba und sind entsprechend wärmer, sowohl am Tag als auch in der Nacht. Bahir Dar liegt dazwischen. Die Tiefstwerte im Januar zeigen außerdem, wie kühl es in klaren Nächten der Trockenzeit werden kann, selbst wenn die Tage warm sind. Auf dem Land und in höheren Lagen ist es noch deutlich kälter als in den Städten, in denen die Wetterstationen stehen.
| Ort (Höhe) | Januar | April | Juli | Oktober | Jahresniederschlag |
|---|---|---|---|---|---|
| Addis Abeba (rund 2.355 m) | 24 / 9 °C, 13 mm | 25 / 12 °C, 91 mm | 21 / 12 °C, 238 mm | 23 / 10 °C, 32 mm | rund 1.060 mm |
| Bahir Dar (rund 1.800 m) | 27 / 9 °C, 2 mm | 30 / 15 °C, 24 mm | 24 / 14 °C, 410 mm | 27 / 13 °C, 99 mm | rund 1.430 mm |
| Dire Dawa (rund 1.280 m) | 29 / 15 °C, 15 mm | 33 / 21 °C, 113 mm | 34 / 21 °C, 115 mm | 33 / 19 °C, 36 mm | je nach Quelle rund 670 bis 790 mm |
| Arba Minch (rund 1.285 m) | 32 / 16 °C, 34 mm | 31 / 18 °C, 166 mm | 28 / 18 °C, 43 mm | 30 / 17 °C, 119 mm | rund 900 mm |
Wer die Tabelle liest sieht die Muster gut. In Addis Abeba und Bahir Dar fällt der meiste Regen im Juli, und die Temperaturen sind dann sogar niedriger als im April, weil Wolken die Sonne abschirmen. In Arba Minch im Süden regnet es dagegen im April und Oktober am meisten, also in zwei regenzeiten, während der Juli vergleichsweise trocken ist. Dire Dawa im Osten ist deutlich wärmer als die Orte im Hochland.
Extreme
An den Rändern des Landes wird das Klima extrem. Die Danakil-Senke im Nordosten gehört zu den heißesten bewohnten Gebieten der Welt, mit Tagestemperaturen weit über 40 Grad und kaum Regen. Mehr dazu auf der Seite zur Danakil-Senke. Im Simien-Gebirge und in den Bale Mountains dagegen gibt es in klaren Nächten regelmäßig Frost, und selten fällt sogar etwas Schnee oder Hagel auf den höchsten Gipfeln.
Klimawandel
Seit die Regenzeiten unzuverlässiger werden leiden viele Regionen unter den Folgen. Im Süden und Südosten blieben zwischen 2020 und 2023 mehrere Regenzeiten hintereinander fast aus. Viele Hirtenfamilien verloren einen großen Teil ihrer Tiere. Andernorts führen Starkregen zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Für ein Land, in dem ein großer Teil der Menschen von der Landwirtschaft lebt, sind lange dürren und unberechenbare Niederschläge eine Bedrohung für die Ernährung. Mehr über das Leben auf dem Land steht auf der Seite Menschen und Alltag.
Aktuelles Wetter
Für das aktuelle Wetter und Vorhersagen sind Wetterdienste die richtige Quelle, zum Beispiel das Ethiopian Meteorological Institute oder internationale Wetterdienste. Für die Planung einer Reise sind dagegen die langjährigen Muster wichtiger. Welche Monate sich für welche Region eignen, erklärt die Seite Die beste Reisezeit. Eine Übersicht über alle Themen rund um Wetter und Reisezeit gibt die Seite Übersicht zu Wetter und Reisezeit.
Häufige Fragen
Ist es in Äthiopien immer heiß?
Nein. Im Hochland, wo die meisten Menschen leben, ist es mild mit kühlen Nächten. Heiß ist es vor allem in den tieferen Lagen und Senken.
Wann regnet es in Addis Abeba am meisten?
In der großen Regenzeit von etwa Juni bis September, mit dem meisten Niederschlag im Juli und August.
Gibt es in Äthiopien Jahreszeiten?
Nicht wie in Europa. Die Jahreszeiten werden vor allem durch Regen und Trockenheit bestimmt, die Temperatur hängt stärker von der Höhe ab.
Quellen
- Ethiopian Meteorological Institute: Klimadaten großer Städte
- Klimatabellen zu Addis Abeba, Bahir Dar, Dire Dawa und Arba Minch in der Wikipedia, nach Angaben des Ethiopian Meteorological Institute, von Météo Climat und der WMO (abgerufen am 3. November 2026)
- Weltorganisation für Meteorologie: Klimanormalwerte 1991 bis 2020
- FEWS NET: Berichte zu Dürren am Horn von Afrika 2020 bis 2023
Stand der Angaben: 3. November 2026



