Oromia und die Oromo

Oromia ist die größte region Äthiopiens. Sie umschließt die Hauptstadt Addis Abeba und reicht vom Westen an der Grenze zum Südsudan bis in den Süden an die Grenze zu Kenia. Die Oromo stellen nach der letzten Volkszählung etwa ein Drittel der Bevölkerung. Ihre Sprache, Afaan Oromo, ist die meistgesprochene Muttersprache des Landes. Mehr dazu steht auf der Seite Afaan Oromo. Zu ihrer Kultur gehören das Gadaa-System und das Dankfest Irreecha, das die Seite Irreecha beschreibt.

Momentaufnahme vom 3. November 2026

Die Lage in Oromia ändert sich oft schnell. Gesprächsangebote, Kampfgebiete und Zahlen können innerhalb weniger Wochen anders aussehen. Diese Seite beschreibt den Stand zum genannten Datum und wird regelmäßig überprüft. Für Reiseentscheidungen gelten allein die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts.

Die Wurzeln des Konflikts

Wer die Geschichte der Oromo kennt versteht einen Teil des heutigen Konflikts. Ende des 19. Jahrhunderts eroberte Menelik II. große Teile der Gebiete, in denen Oromo lebten. Land wurde an Soldaten und Adlige vergeben, viele Bauern wurden zu abhängigen Pächtern. Unter den Kaisern war Afaan Oromo in Schulen und Behörden lange nicht zugelassen. Wie diese Eroberungen abliefen, erzählt die Seite Menelik II..

1973 wurde die Oromo-Befreiungsfront OLF gegründet. Sie kämpfte gegen den Derg und gehörte 1991 zunächst zur Übergangsregierung, zog sich aber 1992 im Streit mit der TPLF zurück und nahm den bewaffneten kampf wieder auf, vor allem aus dem Exil. Unter der EPRDF wurden viele Oromo als angebliche Unterstützer der OLF verhaftet. Ab 2014 protestierten vor allem junge Oromo gegen Landvergabe und Unterdrückung. Diese Proteste trugen entscheidend dazu bei, dass 2018 mit Abiy Ahmed ein Oromo an die Spitze des Regierungsbündnisses und der Regierung rückte.

Die Abspaltung der OLA

Abiy lud 2018 Exilgruppen zur Rückkehr ein. Als die OLF 2018 aus dem Exil zurückkehrte blieb der Streit um die Entwaffnung ihrer Kämpfer ungelöst. Ein Teil der bewaffneten Kräfte, vor allem im Westen Oromias, weigerte sich, die Waffen abzugeben, und trennte sich 2019 von der politischen Führung der OLF. Daraus entstand die Oromo Liberation Army unter ihrem Anführer, der sich Jaal Marroo nennt. Die Regierung bezeichnet die Gruppe als OLF-Shene. 2021 erklärte das Parlament sie zu einer terrororganisation, ebenso wie die TPLF, mit der die OLA im selben Jahr ein Bündnis schloss.

Die Lage verschärfte sich nach dem Tod des populären Oromo-Sängers Hachalu Hundessa, der im Juni 2020 in Addis Abeba erschossen wurde. Bei den folgenden Unruhen starben über 160 Menschen, und führende Oromo-Oppositionspolitiker wurden verhaftet. Die großen Oromo-Oppositionsparteien boykottierten die Wahl 2021.

Gewalt gegen Zivilisten

Weil die Kämpfe oft abseits der Städte stattfinden sind die Folgen schwer zu überblicken. Besonders betroffen sind die Zonen im Westen, die Region Wollega, und Gebiete in Nord-Shewa und im Süden. Menschenrechtsorganisationen dokumentierten schwere Verbrechen von mehreren Seiten. Im Juni 2022 wurden im Bezirk Gimbi Hunderte Zivilisten getötet, die meisten von ihnen Amhara. Die Regierung und die Äthiopische Menschenrechtskommission machten die OLA verantwortlich, die OLA bestritt das. Umgekehrt werden Armee und Polizei außergerichtliche Tötungen, Massenverhaftungen und Zerstörungen in Dörfern vorgeworfen, die sie der Unterstützung der OLA verdächtigen.

Auch die Gewalt zwischen Gruppen hat zugenommen. In Grenzgebieten zu Amhara kam es zu Kämpfen zwischen Milizen und zu Vertreibungen auf beiden Seiten. Seit Jahren häufen sich auf den straßen Oromias Entführungen gegen Lösegeld, betroffen sind Reisende, Studierende und Geschäftsleute.

Gespräche ohne Ergebnis

2023 trafen sich Vertreter der Regierung und der OLA zweimal in Tansania zu Friedensgesprächen, im April auf Sansibar und im November in Daressalam. Was in den Gesprächen besprochen wurde drang nur teilweise nach außen. Beide Runden endeten ohne Ergebnis, die Seiten warfen sich gegenseitig vor, unrealistische Forderungen zu stellen. Im Dezember 2024 unterzeichnete die Regionalregierung von Oromia ein abkommen mit einem Kommandeur der OLA und seinen Kämpfern, die sich daraufhin von der Gruppe lösten. Die Führung um Jaal Marroo erkannte das nicht an und kämpfte weiter.

Die Lage 2026

Im September 2026 trat die OLA einem Bündnis mit der TPLF, Fano-Gruppen aus Amhara und weiteren bewaffneten Gruppen bei, das den Sturz der Regierung zum Ziel erklärt hat. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Zonen West-Shewa, Südwest-Shewa, Nord-Shewa und Arsi und rät von Reisen in die übrigen Zonen Oromias ab. Es nennt Straßensperren, Überfälle und Entführungen als Risiken und befürchtet, dass sich der Konflikt aus Amhara auf Teile Oromias ausweitet. Wer über Land reist muss sich deshalb vorher genau informieren. Die aktuelle Einstufung steht auf der Seite Sicherheit und Reisehinweise.

Der Konflikt in Oromia hat viele Ursachen: Land, politische Teilhabe, die Erinnerung an Unterdrückung und die Frage, wie viel Selbstbestimmung die Region im Bundesstaat haben soll. Dazu kommen Gewalt und Misstrauen, die über Jahre gewachsen sind. Einen Überblick über alle bewaffneten Gruppen gibt die Seite Bewaffnete Gruppen in Äthiopien.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen OLF und OLA?

Die OLF ist eine 1973 gegründete politische Bewegung, die heute als Partei arbeitet. Die OLA ist ihr früherer bewaffneter Arm, der sich 2019 abspaltete und seitdem gegen die Regierung kämpft.

Ist Abiy Ahmed nicht selbst Oromo?

Ja. Viele Oromo setzten 2018 große Hoffnungen in ihn. Die OLA und Teile der Oromo-Opposition werfen seiner Regierung aber vor, die Versprechen von damals nicht eingelöst zu haben.

Wo ist die OLA aktiv?

Vor allem im Westen Oromias, etwa in den Wollega-Zonen, in Nord-Shewa und in Teilen des Südens.

Quellen

  • Ethiopian Human Rights Commission: Berichte zur Lage in der Region Oromia, 2021 bis 2025
  • Human Rights Watch: Ethiopia, Berichte zu Tötungen in West-Oromia, 2022 und 2023
  • Armed Conflict Location and Event Data (ACLED): Ethiopia Situation Updates, 2023 bis 2026
  • International Crisis Group: Ethiopia's Ever-Mounting Ethnic Conflict und weitere Berichte zu Oromia
  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Oromo und Oromo Liberation Front
  • Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 2. November 2026

Stand der Angaben: 3. November 2026