Wie die Bewegung entstand

Die Wurzeln der Rastafari-Bewegung liegen im Jamaika der 1920er und 1930er Jahre, einer britischen Kolonie, in der die Nachfahren versklavter Afrikaner in Armut lebten. Der Aktivist Marcus Garvey rief damals Schwarze in aller Welt auf, stolz auf ihre afrikanische Herkunft zu sein, und sprach von der Rückkehr nach Afrika. Äthiopien galt dabei als besonderes Land, weil es nie kolonisiert worden war und in der Bibel immer wieder vorkommt.

Als Haile Selassie 1930 zum Kaiser gekrönt wurde sahen manche Prediger in Jamaika darin die Erfüllung einer Prophezeiung. Vor seiner Krönung hieß der Kaiser Ras Tafari Makonnen. Ras war ein Adelstitel, Tafari sein Name. Daraus leitet sich der Name der Bewegung ab. Für die Gläubigen war der Kaiser, der sich auf König Salomo zurückführte und den Titel Löwe von Juda trug, der wiedergekehrte Messias. Wer der kaiser wirklich war, erzählt die Seite Haile Selassie.

Glaube und Lebensweise

Die Rastafari-Bewegung hat keine zentrale Organisation und kein festes Glaubensbekenntnis. Viele Rastas sehen Haile Selassie als göttlich an, andere als Propheten oder Vorbild. Gemeinsam ist ihnen die Verbundenheit mit Afrika und mit Äthiopien, die Ablehnung der westlichen Gesellschaft, die sie Babylon nennen, und die Hoffnung auf die rückkehr nach Afrika. Viele tragen Dreadlocks, ernähren sich vegetarisch oder vegan und nutzen Cannabis bei religiösen Zusammenkünften. Zu ihrem Erkennungszeichen wurden die farben der äthiopischen Flagge, Grün, Gelb und Rot, oft zusammen mit dem Löwen von Juda aus der Kaiserzeit. Mehr dazu auf der Seite Flagge Äthiopiens.

Der Besuch in Jamaika

Am 21. April 1966 besuchte Haile Selassie Jamaika. Zehntausende Menschen strömten zum Flughafen von Kingston, um ihn zu sehen. Der Tag wird von Rastas bis heute als Grounation Day gefeiert, ebenso der 23. Juli, der Geburtstag Haile Selassies, und der 2. November, der Tag seiner Krönung. Der Besuch stärkte die Bewegung, und viele Rastas sahen sich in ihrem Glauben bestätigt. Der Kaiser selbst war ein frommer orthodoxer Christ und hat sich nach allem, was bekannt ist, nie als Gott bezeichnet. In den folgenden Jahren gründete die äthiopisch-orthodoxe Kirche Gemeinden in Jamaika und taufte dort auch Rastafari.

Das Land in Shashemene

Schon 1948 stellte Haile Selassie ein stück Land bei Shashemene im Süden Äthiopiens zur Verfügung, rund 250 Kilometer von Addis Abeba entfernt. Es sollte Menschen afrikanischer Herkunft aus der Diaspora offenstehen, die Äthiopien während der italienischen Besatzung unterstützt hatten. Verwaltet wurde das Land von der Ethiopian World Federation, einer 1937 in New York gegründeten Organisation, die in diesen Jahren Unterstützung für Äthiopien sammelte. Ab den 1960er Jahren ließen sich dort die ersten Rastas aus Jamaika und anderen Ländern nieder. Unter dem Derg verlor die Gemeinde 1975 bei der Landreform einen großen Teil des Landes. Wie die Besatzung ablief, erzählt die Seite Italienische Besatzung.

Wer in Shashemene ankommt sieht ein Viertel mit bunten Häusern in Grün, Gelb und Rot, einem Gemeindezentrum, kleinen Läden und Gärten. Die Gemeinde zählt heute einige hundert Menschen, viele von ihnen in zweiter oder dritter Generation in Äthiopien geboren. Weil sie keine äthiopischen Staatsbürger sind lebten viele über Jahrzehnte ohne gesicherten Aufenthaltsstatus. 2017 kündigte die Regierung Ausweise für sie an, im Dezember 2018 erhielten die ersten 99 Mitglieder der Gemeinde Karten, die ihnen einen dauerhaften Aufenthalt erlauben. Shashemene liegt im Regionalstaat Oromia, für den das Auswärtige Amt je nach Zone von Reisen abrät oder warnt.

Hauswand in Grün, Gelb und Rot an einer ruhigen Straße einer Kleinstadt, davor Fußgänger
Die Farben Grün, Gelb und Rot schmücken in Äthiopien viele Hauswände.

Bob Marley und die Musik

Weltbekannt wurde die Bewegung durch den Reggae, vor allem durch Bob Marley, der selbst Rastafari war und in vielen Liedern über Äthiopien, Haile Selassie und Afrika sang. 1978 besuchte er Äthiopien. Im Februar 2005 fand zu seinem 60. Geburtstag auf dem Meskel-Platz in Addis Abeba ein konzert statt, zu dem Hunderttausende kamen. Über die Musik wurden die grün-gelb-roten Farben weltweit bekannt, oft ohne dass die Menschen wussten, woher sie stammen. Mehr über die Musik Äthiopiens steht auf der Seite Ethio-Jazz und Mulatu Astatke.

Wie Äthiopien auf die Rastas blickt

Was viele Rastas verehren sehen die meisten Menschen in Äthiopien ganz anders. Für viele ist Haile Selassie ein Kaiser mit Licht und Schatten, kein Gott. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche lehnt die Vorstellung ab, der Kaiser sei göttlich. Viele Äthiopierinnen und Äthiopier begegnen den Rastas trotzdem mit Freundlichkeit und Neugier, manche mit Verwunderung. Der Konsum von Cannabis ist in Äthiopien verboten, was immer wieder zu Konflikten führt.

Ob die Gemeinde wächst hängt vor allem von der rechtlichen Lage und der Sicherheit in der Region ab. Für viele Rastas bleibt Äthiopien ein Sehnsuchtsort, auch wenn nur wenige tatsächlich den Weg dorthin gehen. Die Idee der Rückkehr, die einst in Jamaika entstand, ist für sie bis heute lebendig.

Häufige Fragen

Woher kommt der Name Rastafari?

Vom Namen Haile Selassies vor seiner Krönung: Ras Tafari Makonnen. Ras war ein Adelstitel, Tafari sein Vorname.

Was ist Shashemene?

Eine Stadt im Süden Äthiopiens, wo Haile Selassie 1948 Land für Menschen aus der afrikanischen Diaspora bereitstellte. Dort lebt seit den 1960er Jahren eine Rastafari-Gemeinde.

Sehen Äthiopier Haile Selassie als Gott?

Nein. Für die meisten Menschen in Äthiopien war er ein Kaiser, der unterschiedlich bewertet wird. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche lehnt die Vorstellung seiner Göttlichkeit ab.

Quellen

  • Barry Chevannes: Rastafari. Roots and Ideology, Syracuse 1994
  • Giulia Bonacci: Exodus! Heirs and Pioneers, Rastafari Return to Ethiopia, Kingston 2015
  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Rastafarians und Šašämäne
  • Ethiopian News Agency: Erste Ausweise für Rastafari in Shashemene, Dezember 2018

Stand der Angaben: 3. November 2026