Die Grenze im Westen

Wer von Gondar nach Westen fährt erreicht nach einigen Stunden das Tiefland an der Grenze zum Sudan, mit dem Grenzort Metema. Weiter südlich grenzt Äthiopien an den Südsudan, vor allem in der Region Gambela. Hier fließen Flüsse wie der Baro und der Akobo in Richtung Weißer Nil, weiter nördlich verlässt der Blaue Nil das Land. Die Landschaft ist heiß, flach und in der Regenzeit oft überflutet, ganz anders als das Hochland.

Momentaufnahme vom 3. November 2026

Die Lage in Sudan und Südsudan ändert sich laufend. Frontlinien, Fluchtbewegungen und Zahlen können sich innerhalb weniger Wochen verschieben. Diese Seite beschreibt den Stand zum genannten Datum und wird regelmäßig überprüft. Für Reiseentscheidungen gelten allein die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts.

Sudan und Äthiopien

Die Beziehungen zwischen Äthiopien und dem Sudan reichen weit zurück. 1889 fiel Kaiser Yohannes IV. bei Metemma in einer Schlacht gegen die Truppen der Mahdisten aus dem Sudan. Im 20. Jahrhundert unterstützten beide Länder abwechselnd die Rebellen des jeweils anderen. Äthiopien half der Rebellenbewegung im Süden des Sudan, aus der später der Staat Südsudan hervorging, der Sudan beherbergte Befreiungsbewegungen aus Eritrea und Tigray. Wie Yohannes und seine Nachfolger regierten, erzählt die Seite Geschichte Äthiopiens.

Ein Dauerstreit ist das Grenzgebiet al-Fashaga, ein fruchtbares Dreieck zwischen den Flüssen Atbara und Setit. Der Sudan beruft sich auf einen Grenzvertrag von 1902 zwischen Äthiopien und Großbritannien und sieht das Gebiet als sein Staatsgebiet, Äthiopien bestreitet diesen Grenzverlauf. Über Jahrzehnte bestellten äthiopische Bauern, vor allem aus Amhara, das fruchtbare land. Als im November 2020 der Krieg in Tigray begann übernahm die sudanesische Armee die Kontrolle über das Gebiet und vertrieb die äthiopischen Bauern. Seitdem kommt es dort immer wieder zu Zusammenstößen. Dazu kommt der Streit um das Nilwasser und den großen Staudamm, den die Seite GERD und der Streit um das Nilwasser beschreibt.

Der Krieg im Sudan

Seit April 2023 kämpfen im Sudan die armee unter General Abdel Fattah al-Burhan und die paramilitärischen Rapid Support Forces, kurz RSF, um die Macht. Der Krieg hat eine der größten humanitären Katastrophen der Welt ausgelöst. Nach Angaben des Welternährungsprogramms vom September 2026 leiden rund 20 Millionen Menschen akuten Hunger, etwa 14 Millionen sind vertrieben. Beiden Seiten werden schwere Verbrechen vorgeworfen, der RSF besonders in Darfur, wo sie Ende 2025 die Stadt al-Faschir eroberte.

Was im Sudan geschieht spüren die Nachbarn direkt. Zehntausende Menschen sind über die Grenzorte Metema und Kurmuk nach Äthiopien geflohen, Ende August 2026 lebten fast 58.000 Geflüchtete aus dem Sudan im Land. Im sudanesischen Bundesstaat Blauer Nil, direkt an der Grenze zu Äthiopien, nahmen die RSF und eine verbündete Rebellengruppe im März 2026 den Grenzort Kurmuk ein, verloren ihn wieder und eroberten ihn im Spätsommer erneut, dazu weitere Orte und Stützpunkte. Die sudanesische Regierung wirft Äthiopien vor, sein Gebiet werde zur Unterstützung der RSF genutzt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete im Februar 2026 unter Berufung auf Satellitenbilder und mehrere Quellen von einem Ausbildungslager für RSF-Kämpfer in Benishangul-Gumuz. Äthiopien bestreitet, die RSF zu unterstützen. Ägypten und die sudanesische Armee arbeiten eng zusammen, was das Verhältnis zu Äthiopien zusätzlich belastet.

Südsudan

Der Südsudan ist der jüngste Staat der Welt. Er wurde am 9. Juli 2011 unabhängig, nach Jahrzehnten des Krieges gegen die Regierung in Khartum. Schon 2013 brach ein Bürgerkrieg zwischen den Anhängern von Präsident Salva Kiir und seinem früheren Stellvertreter Riek Machar aus, der Hunderttausende Tote forderte. Äthiopien trat dabei als ein vermittler auf, viele Verhandlungsrunden fanden in Addis Abeba statt. 2018 schlossen die Parteien ein Friedensabkommen.

Seit 2025 ist dieser Frieden wieder in Gefahr. Machar wurde unter Hausarrest gestellt und wegen Hochverrats angeklagt, in mehreren Landesteilen wird erneut gekämpft. Die Wahlkommission hat für den 22. Dezember 2026 die ersten Wahlen seit der Unabhängigkeit angekündigt, nachdem sie mehrfach verschoben worden waren. Ob im Dezember 2026 gewählt wird ist zum genannten Datum offen, die Opposition lehnt Wahlen unter den jetzigen Bedingungen ab.

Gambela und die Geflüchteten

Für Äthiopien zeigt sich die Nachbarschaft zum Südsudan vor allem in Gambela. Rund 470.000 Geflüchtete aus dem Südsudan leben im Land, die meisten in großen Lagern in dieser Region. Viele kamen nach 2013, als der Bürgerkrieg ausbrach. Für manche ist der weg nach Hause seit über einem Jahrzehnt versperrt. Weil Nuer und Anuak auf beiden Seiten der Grenze leben wirken sich Konflikte im Südsudan unmittelbar auf Gambela aus. Spannungen zwischen den Gruppen um Land und Macht haben dort mehrfach zu Gewalt geführt. Bewaffnete aus dem Südsudan überfielen außerdem immer wieder Dörfer in Gambela, stahlen Vieh und verschleppten Kinder. Mehr dazu auf der Seite Flüchtlinge in Äthiopien.

Dabei sind die lager auf internationale Hilfe angewiesen, und die Kürzungen der letzten Jahre treffen sie besonders hart. Ein Teil der Geflüchteten lebt inzwischen außerhalb der Lager in Städten und Dörfern, wie es das äthiopische Flüchtlingsgesetz von 2019 ermöglicht.

Was das für Reisende bedeutet

Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Regionen Gambela und Benishangul-Gumuz und vor Aufenthalten im Grenzgebiet zum Sudan und zum Südsudan. In Amhara gibt es nach seinen Angaben im Grenzgebiet zum Sudan Auseinandersetzungen mit sudanesischen Sicherheitskräften. Die Grenzübergänge sind für Reisende derzeit keine Option. Einen Überblick über alle Nachbarn gibt die Seite Horn von Afrika.

Häufige Fragen

Was ist al-Fashaga?

Ein fruchtbares Grenzgebiet zwischen Äthiopien und dem Sudan, das nach Kolonialverträgen zum Sudan gehört, aber lange von äthiopischen Bauern bewirtschaftet wurde. Seit 2020 kontrolliert es die sudanesische Armee.

Wie viele Geflüchtete aus dem Südsudan leben in Äthiopien?

Ende August 2026 waren es nach Angaben des UNHCR knapp 470.000, die meisten in der Region Gambela.

Seit wann ist Krieg im Sudan?

Seit April 2023 kämpfen die sudanesische Armee und die paramilitärischen Rapid Support Forces gegeneinander.

Quellen

  • Security Council Report: Sudan, Monthly Forecast Oktober 2026
  • Reuters: Bericht über ein RSF-Ausbildungslager in Benishangul-Gumuz, 10. Februar 2026
  • UNHCR Operational Data Portal: Ethiopia, Geflüchtete aus Südsudan und Sudan, Stand 31. August 2026
  • Welternährungsprogramm (WFP): Sudan, Erklärungen vom September 2026
  • International Crisis Group: Berichte zu Sudan, Südsudan und Äthiopien
  • Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 2. November 2026

Stand der Angaben: 3. November 2026