Gut eine Million Geflüchtete
Ende August 2026 lebten nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der äthiopischen Behörden 1.023.565 Geflüchtete und Asylsuchende in Äthiopien. Damit gehört das Land zu den größten Aufnahmeländern Afrikas. Die meisten kommen aus Nachbarländern, in denen seit Jahren Krieg oder Gewalt herrscht.
Momentaufnahme vom 3. November 2026
Die Zahlen zu Geflüchteten und Vertriebenen ändern sich laufend. Neue Kämpfe, Rückkehr und Erhebungen verschieben sie oft innerhalb weniger Wochen. Diese Seite beschreibt den Stand zum genannten Datum und wird regelmäßig überprüft. Für Reiseentscheidungen gelten allein die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts.
| Herkunftsland | Geflüchtete in Äthiopien | Anteil |
|---|---|---|
| Südsudan | 469.858 | 45,9 % |
| Somalia | 362.151 | 35,4 % |
| Eritrea | 124.650 | 12,2 % |
| Sudan | 57.694 | 5,6 % |
| Andere, darunter Kenia und Jemen | 9.212 | 0,9 % |
Woher sie kommen
Wer aus dem Südsudan flieht kommt meist in die Region Gambela im Westen. Dort leben die Geflüchteten in großen Lagern, oft in der Nähe von Dörfern, deren Bewohner dieselbe Sprache sprechen. In Gambela stellen Geflüchtete inzwischen einen großen Teil der Bevölkerung, was immer wieder zu Spannungen um Land und Wasser führt. Die meisten Geflüchteten aus Somalia leben in Lagern im Südosten bei Dollo Ado und in der Somali-Region. Viele von ihnen sind seit Jahrzehnten im Land. Mehr über die Nachbarn steht auf der Seite Sudan und Südsudan.
Geflüchtete aus Eritrea kommen seit vielen Jahren über die grenze im Norden, viele von ihnen junge Menschen, die dem unbefristeten Nationaldienst in ihrer Heimat entkommen wollen. Als im Tigray-Krieg die Lager für Geflüchtete aus Eritrea zwischen die Fronten gerieten wurden zwei Lager zerstört und Tausende Bewohner vertrieben. Seit dem Krieg im Sudan, der im April 2023 begann, kommen zudem Zehntausende bei Metema und Kurmuk ins Land. Auch ihre Lager in Amhara wurden mehrfach von bewaffneten Gruppen angegriffen.
Rechte und Alltag
2019 verabschiedete Äthiopien ein neues Flüchtlingsgesetz, das international als fortschrittlich gilt. Geflüchtete sollen außerhalb von Lagern wohnen, eine arbeitserlaubnis erhalten, Schulen besuchen und Bankkonten eröffnen dürfen. Was das Gesetz von 2019 verspricht ist allerdings erst teilweise umgesetzt. Die meisten Geflüchteten leben weiter in Lagern und hängen von Hilfe ab. Wenn das Geld knapp wird, trifft das sie zuerst. 2025 musste das Welternährungsprogramm die Rationen für Geflüchtete stark kürzen.
Das Leben in einem Lager ist für viele ein Dauerzustand. Familien leben über Jahre in Hütten aus Lehm und Wellblech, manche Neuankömmlinge bekommen anfangs nur ein zelt. Kinder werden im Lager geboren und gehen dort zur Schule, ohne die Heimat ihrer Eltern je gesehen zu haben. Die Nachbarschaft zu den Dörfern ringsum ist nicht immer einfach, denn auch die Einheimischen sind oft arm und konkurrieren mit den Geflüchteten um Holz, Wasser und Weideland.
Millionen Binnenvertriebene
Noch größer ist die Zahl der Menschen, die innerhalb Äthiopiens vertrieben sind. Nach der jüngsten Erhebung der Internationalen Organisation für Migration waren es knapp zwei Millionen, in der Erhebung davor noch über drei Millionen. Rund vier von fünf flohen vor Konflikten, die übrigen vor Spannungen zwischen Gruppen, Dürre, Überschwemmungen und Erdrutschen. Die meisten Binnenvertriebenen leben in Tigray und Oromia, in Tigray vor allem Menschen, die seit dem Krieg von 2020 bis 2022 nicht nach Hause zurückkehren konnten, vor allem nicht in den Westen der Region. Viele andere leben in Amhara, Afar und der Somali-Region. Wie es dazu kam, beschreibt die Seite Der Tigray-Krieg.

Gleichzeitig sind fast drei Millionen Menschen in ihre Dörfer zurückgekehrt. Doch die rückkehr ist oft schwierig, weil Häuser zerstört, Felder vermint oder Tiere verloren sind. Wie viele Menschen seit September 2026 neu vertrieben wurden lässt sich zum genannten Datum nicht verlässlich sagen. Berichte sprechen von Zehntausenden Menschen allein in Afar, die vor den Kämpfen geflohen sind.
Äthiopier auf dem Weg ins Ausland
Weil es zu Hause keine Arbeit gibt machen sich jedes Jahr Zehntausende junge Menschen auf den Weg in die Golfstaaten, vor allem nach Saudi-Arabien. Der Weg führt meist durch Dschibuti oder durch Somaliland und Puntland an die Küste und von dort über das meer in den Jemen, wo seit Jahren Krieg herrscht, und von dort weiter nach Saudi-Arabien. Er gehört zu den gefährlichsten Migrationsrouten der Welt. Immer wieder kentern überfüllte Boote. Human Rights Watch dokumentierte 2023, dass saudische Grenzsoldaten an der Grenze zum Jemen Hunderte Migrantinnen und Migranten aus Äthiopien getötet haben sollen, Saudi-Arabien wies das zurück. Saudi-Arabien schiebt regelmäßig Zehntausende Menschen nach Äthiopien ab.
Viele Familien in Äthiopien leben von Geld, das Angehörige aus dem Ausland schicken. Diese Überweisungen sind für das Land eine der wichtigsten Quellen für Devisen, oft wichtiger als die Hilfe aus dem Ausland. Andere suchen Arbeit im südlichen Afrika oder versuchen, nach Europa zu gelangen. Die äthiopische Gemeinschaft in Deutschland ist vergleichsweise klein, mehr dazu auf der Seite Diaspora in Deutschland.
Häufige Fragen
Wie viele Flüchtlinge leben in Äthiopien?
Ende August 2026 waren es nach Angaben des UNHCR gut eine Million Geflüchtete und Asylsuchende, vor allem aus dem Südsudan, Somalia, Eritrea und dem Sudan.
Was sind Binnenvertriebene?
Menschen, die ihr Zuhause verlassen mussten, aber im eigenen Land geblieben sind. In Äthiopien sind es nach der jüngsten Erhebung knapp zwei Millionen, vor allem wegen Konflikten.
Wohin wandern Äthiopier aus?
Viele junge Menschen gehen zum Arbeiten in die Golfstaaten, oft auf gefährlichen Wegen durch den Jemen. Andere ziehen nach Kenia, ins südliche Afrika oder nach Europa und Nordamerika.
Quellen
- UNHCR Operational Data Portal: Ethiopia, Geflüchtete und Asylsuchende, Stand 31. August 2026
- Internationale Organisation für Migration (IOM): Displacement Tracking Matrix Ethiopia, Berichte zu Binnenvertriebenen
- Refugees Proclamation No. 1110/2019, Federal Negarit Gazette
- Human Rights Watch: Bericht „They Fired on Us Like Rain“ über Tötungen äthiopischer Migranten an der Grenze zwischen Jemen und Saudi-Arabien, August 2023
- Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 2. November 2026
Stand der Angaben: 3. November 2026



