Ein Land mit großem Bedarf
Äthiopien hat nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 135 Millionen Einwohner, und ein großer Teil von ihnen lebt von kleinen Feldern und Herden. Schon in normalen Jahren reicht die Ernte in vielen Haushalten nicht bis zur nächsten. Wenn Regen ausbleibt, Krieg herrscht oder Preise steigen, geraten Millionen in Not. In den letzten Jahren kam vieles gleichzeitig: Krieg im Norden, Kämpfe in Amhara und Oromia, die schwerste Dürre seit Jahrzehnten im Süden, Überschwemmungen, Krankheitsausbrüche und eine schwere Wirtschaftskrise.
Momentaufnahme vom 3. November 2026
Die humanitäre Lage ändert sich laufend. Zahlen zu Hunger, Vertreibung und Hilfe werden oft innerhalb weniger Wochen neu geschätzt. Diese Seite beschreibt den Stand zum genannten Datum und wird regelmäßig überprüft. Für Reiseentscheidungen gelten allein die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts.
Wie viele Menschen Hilfe brauchen
Genaue Zahlen sind schwer zu erheben, weil viele Gebiete schlecht erreichbar sind und die Regierung Zahlen nicht immer freigibt. Die Größenordnung ist aber klar. Für 2025 plante die humanitäre Gemeinschaft, rund zehn Millionen Menschen mit Nahrung, Wasser, Gesundheitsversorgung, Unterkünften und Schutz zu erreichen. Das Welternährungsprogramm sprach im April 2025 von mehr als zehn Millionen Menschen, die von Hunger und Mangelernährung betroffen sind, darunter drei Millionen Vertriebene. Rund 4,4 Millionen Kinder, Schwangere und stillende Frauen brauchten eine Behandlung gegen Mangelernährung.
Hunger und Vertreibung hängen eng zusammen, denn wer fliehen muss, verliert Felder, Vieh und Einkommen. Dazu kommen Geflüchtete aus den Nachbarländern. Ende August 2026 lebten nach Angaben des UNHCR gut eine Million Geflüchtete und Asylsuchende in Äthiopien, vor allem aus dem Südsudan, Somalia, Eritrea und dem Sudan. Dazu kommen fast zwei Millionen Binnenvertriebene, Menschen, die innerhalb des eigenen Landes fliehen mussten. Mehr dazu auf der Seite Geflüchtete und Vertriebene.
Die Ursachen
Wer in Äthiopien humanitäre Hilfe braucht lebt meist in einer von drei Lagen. Die erste sind Konfliktgebiete. Im Norden haben der Tigray-Krieg und seine Folgen Millionen Menschen vertrieben, Felder, Krankenhäuser und Schulen zerstört. In Amhara und Teilen Oromias verhindern Kämpfe, dass Bauern ihre Felder bestellen und Händler Waren transportieren. Hintergründe dazu stehen auf der Seite Bewaffnete Gruppen in Äthiopien.
Die zweite sind Gebiete, die von Dürre oder Überschwemmungen getroffen werden. Im Süden und Südosten fielen zwischen 2020 und 2023 fünf Regenzeiten in Folge aus, Millionen Tiere verendeten. Andere Regionen litten unter Überflutungen und Erdrutschen. Mehr dazu auf der Seite Dürre und Klimawandel. Die dritte sind arme Haushalte in Stadt und Land, die steigende Preise nicht mehr bezahlen können. Seit der Freigabe des Wechselkurses im Juli 2024 sind importierte Güter wie Treibstoff, Dünger und Medikamente deutlich teurer geworden. Wie verbreitet Armut ist, erklärt die Seite Armut in Äthiopien.
Wie die Hilfe organisiert ist
Die Hilfe wird von der äthiopischen Regierung koordiniert, gemeinsam mit den Vereinten Nationen und vielen Hilfsorganisationen. Die Behörde für Katastrophenschutz verteilt Nahrungsmittel, das Welternährungsprogramm liefert Lebensmittel und Bargeld, UNICEF kümmert sich um Kinder, Wasser und Schulen, das UNHCR um Geflüchtete. Dazu kommen das Rote Kreuz und Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt, darunter viele aus Deutschland.
Ein wichtiges Instrument ist ein staatliches Sicherheitsnetz, das seit 2005 chronisch arme Haushalte unterstützt. Sie erhalten Nahrung oder Geld und arbeiten dafür an öffentlichen Projekten, etwa beim Bau von Terrassen oder Wasserspeichern. In Dürrejahren wird das Programm ausgeweitet. Es gilt als einer der Gründe, warum Dürren heute seltener in Hungersnöte münden als früher. Wie es dazu kam, erzählt die Seite Hungersnot 1984.
Wo die Hilfe an Grenzen stößt
Als 2023 bekannt wurde, dass Hilfsgüter in großem Stil abgezweigt worden waren stoppten das Welternährungsprogramm und die US-Entwicklungsbehörde USAID für mehrere Monate die Nahrungsmittelhilfe im ganzen Land. Getreide war auf Märkten verkauft und teils an Truppen geliefert worden. Nach einer Neuordnung der Verteilung lief die Hilfe Ende 2023 wieder an.
Seit 2025 ist das größte Problem das Geld. Die USA, lange der größte Geber, haben ihre Auslandshilfe drastisch gekürzt, und auch andere Staaten geben weniger. Weil das Geld nicht reicht müssen Organisationen die rationen kürzen oder Programme ganz einstellen. Das Welternährungsprogramm warnte im April 2025, dass Millionen Menschen ihre Unterstützung verlieren könnten und die Behandlung mangelernährter Kinder unterbrochen werden müsse. Für Geflüchtete deckte die Nahrungshilfe zeitweise nur noch einen Teil des Bedarfs. In vielen Familien bleibt dann am Tag nur eine mahlzeit. Zwischen dem, was gebraucht wird, und dem, was finanziert ist, klafft seit Jahren eine lücke, die immer größer wird.
Dazu kommen Gefahren für die Helfer. Seit 2020 wurden in Äthiopien Dutzende Mitarbeitende von Hilfsorganisationen getötet, die meisten von ihnen Äthiopierinnen und Äthiopier. Straßensperren, Kämpfe und abgeschaltetes Internet erschweren die Arbeit zusätzlich.
Die Lage seit September 2026
Was die neuen Kämpfe für die Versorgung bedeuten lässt sich zum genannten Datum nur in Ansätzen sagen. Seit September 2026 wird in Tigray, Afar und Teilen von Amhara wieder gekämpft, Flüge nach Tigray waren zeitweise ausgesetzt, Telefon, Internet und Banken in Teilen der Region tagelang unterbrochen. Berichten zufolge wurden in Tigray Lagerhäuser von UN-Organisationen und Hilfswerken geplündert, auch in Afar flohen Menschen vor den Kämpfen. Schon vor den neuen Kämpfen war ein großer Teil der Bevölkerung Tigrays auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Der UN-Generalsekretär äußerte sich tief besorgt und rief zu einem Ende der Kämpfe auf. Viele Menschen, die im Krieg von 2020 bis 2022 vertrieben worden waren, lebten noch immer in Lagern, als die neuen Kämpfe begannen. Das Leben im lager bedeutet für sie oft schon das zweite oder dritte Mal Flucht.
Ob Hilfe ankommt entscheidet sich vor Ort: an Straßensperren, an Flughäfen und in Verhandlungen zwischen Regierung, bewaffneten Gruppen und Hilfsorganisationen. Seit Jahren fordern die vereinten Nationen ungehinderten Zugang für humanitäre Helfer zu allen Gebieten.
Wie man helfen kann
Wer helfen möchte, kann an Organisationen spenden, die in Äthiopien arbeiten. Geldspenden sind fast immer sinnvoller als Sachspenden, weil Lebensmittel und Material vor Ort günstiger und passender gekauft werden können. Worauf es bei der Auswahl ankommt, erklärt die Seite Spenden für Äthiopien. Was staatliche Entwicklungszusammenarbeit leistet, beschreibt die Seite Entwicklungszusammenarbeit.
Häufige Fragen
Gibt es in Äthiopien eine Hungersnot?
Eine offiziell erklärte Hungersnot gab es zum genannten Datum nicht. Millionen Menschen leiden aber unter schwerer Ernährungsunsicherheit, und in Konfliktgebieten wie Tigray ist die Lage besonders ernst.
Warum brauchen so viele Menschen Hilfe?
Wegen Kriegen und Kämpfen, wiederkehrender Dürren und Überschwemmungen, stark gestiegener Preise und weil viele Familien von sehr kleinen Feldern leben.
Wer organisiert die Hilfe?
Die äthiopische Regierung gemeinsam mit den Vereinten Nationen, dem Roten Kreuz und vielen Hilfsorganisationen.
Quellen
- UN OCHA Ethiopia: Lageberichte und Humanitarian Response Plan
- Welternährungsprogramm (WFP): Ethiopia, Länderinformationen und Mitteilungen 2025 und 2026
- UNHCR Operational Data Portal: Ethiopia, Stand 31. August 2026
- UNICEF: Humanitarian Action for Children, Ethiopia
- Famine Early Warning Systems Network (FEWS NET): Ethiopia
- Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 2. November 2026
Stand der Angaben: 3. November 2026




