Was Entwicklungszusammenarbeit ist
Wer von Entwicklungszusammenarbeit spricht meint die langfristige Unterstützung, mit der reichere Staaten ärmere Länder beim Aufbau von Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und Verwaltung unterstützen. Sie unterscheidet sich von humanitärer Hilfe, die in akuten Notlagen Leben retten soll. In der Praxis überschneiden sich beide oft, gerade in einem Land wie Äthiopien, in dem Krisen und Entwicklungsprojekte nebeneinander bestehen. Wie die akute Hilfe organisiert ist, beschreibt die Seite Humanitäre Lage in Äthiopien.
Was Deutschland in Äthiopien tut, hat eine lange Geschichte. Beide Länder arbeiten in diesem Bereich seit den 1960er Jahren zusammen. Zuständig ist auf deutscher Seite das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz BMZ. Die Projekte setzen vor allem staatliche Durchführungsorganisationen um, dazu kommen kirchliche Hilfswerke, Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen.
Die Schwerpunkte
Nach Angaben des BMZ konzentriert sich die Zusammenarbeit auf drei Bereiche. Der erste ist Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt, dazu gehören Menschenrechte, die Aufarbeitung von Unrecht aus den Kriegen und soziale Sicherung. Der zweite ist eine Welt ohne Hunger, mit klimaangepasster Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und der Verarbeitung von Kaffee. Davon sollen vor allem die kaffeebauern im Süden und Westen profitieren, die einen großen Teil eines der beiden wichtigsten Exportgüter erzeugen. Mehr dazu auf der Seite Kaffeeanbau in Äthiopien.
Der dritte Bereich ist Ausbildung und nachhaltiges Wachstum. Jedes Jahr kommen Millionen junge Menschen auf den Arbeitsmarkt, und viele finden keine Stelle. Projekte zur beruflichen Bildung sollen ihnen eine ausbildung ermöglichen, die zu den Bedürfnissen von Betrieben passt. Kleine und mittlere Unternehmen sollen leichter an Kapital kommen, denn für viele ist schon ein kredit über wenige tausend Euro kaum zu bekommen.
Wer die Projekte umsetzt
Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, die GIZ, ist für die technische Zusammenarbeit zuständig. Sie berät Ministerien und Behörden, bildet Fachkräfte aus und unterstützt Projekte vor Ort, etwa bei der Bewirtschaftung von Böden und Wasser oder in der Berufsbildung. Die meisten ihrer Mitarbeitenden im Land sind Äthiopierinnen und Äthiopier. Die KfW Entwicklungsbank übernimmt die finanzielle Zusammenarbeit. Sie gibt Zuschüsse und günstige Kredite für größere Vorhaben, etwa für soziale Sicherungsprogramme, Wasserversorgung oder die Förderung von Unternehmen über äthiopische Banken. Daneben arbeiten kleinere Einrichtungen wie die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, die beim Aufbau von Mess- und Prüfwesen hilft.
Ein großer Teil der deutschen Unterstützung fließt außerdem über internationale Organisationen, an denen Deutschland beteiligt ist, etwa die Europäische Union, die weltbank oder Organisationen der Vereinten Nationen.
Andere Geber
Deutschland ist einer von vielen Partnern. Der größte Geldgeber für Entwicklung ist die Internationale Entwicklungsorganisation der Weltbank, die Äthiopien mit Milliardenbeträgen in Form von Zuschüssen und sehr günstigen Krediten unterstützt, etwa für das soziale Sicherheitsnetz, Gesundheit und Bildung. Die Europäische Union, Großbritannien und andere europäische Staaten sind ebenfalls wichtige Partner. Die USA waren lange der größte Geber für humanitäre Hilfe, haben ihre Auslandshilfe seit 2025 aber stark gekürzt.
Eine besondere Rolle spielt China. Chinesische Banken finanzierten in den 2000er und 2010er Jahren große Infrastrukturprojekte wie die Bahn nach Dschibuti, die Stadtbahn in Addis Abeba, Straßen und Industrieparks, meist mit Krediten, die zurückgezahlt werden müssen. Dazu kommen Golfstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate sowie die Türkei, die ihren Einfluss in der Region ausgebaut haben.
Schulden und Reformen
Weil Äthiopien hoch verschuldet ist verhandelt es seit Jahren mit seinen Gläubigern über Umschuldungen. Ende 2023 konnte das Land die Zinsen für eine Anleihe nicht mehr bezahlen. Im Juli 2024 vereinbarte die Regierung mit dem Internationalen Währungsfonds ein Programm über mehrere Milliarden Dollar. Im Gegenzug gab sie den Wechselkurs des Birr frei und versprach weitere Reformen. Für viele Menschen im Land bedeutete das zunächst höhere Preise. Wie sich die Wirtschaft entwickelt, beschreibt die Seite Wirtschaft Äthiopiens.
Zusammenarbeit in Zeiten des Krieges
Als der Krieg in Tigray begann stellte sich für alle Geber die Frage, wie sie mit der Regierung weiter zusammenarbeiten sollten. Die Europäische Union setzte Budgethilfe aus, und auch Deutschland richtete seine Zusammenarbeit auf Vorhaben aus, die direkt der Bevölkerung zugutekommen. Nach dem Abkommen von Pretoria nahm das BMZ 2023 den Dialog mit der Regierung wieder auf. In Tigray sollten Vorhaben nach und nach weitergeführt werden, in Teilen von Amhara und Oromia blieb die Arbeit wegen der Kämpfe eingeschränkt. Seit den neuen Kämpfen ab September 2026 stellt sich die Frage erneut.
Ob Hilfe in Kriegszeiten fortgesetzt werden soll ist umstritten. Die einen sagen, gerade dann brauche die Bevölkerung Unterstützung, und ein Abbruch treffe die Falschen. Andere fordern, Zusammenarbeit stärker an die Achtung der Menschenrechte und an Frieden zu knüpfen. Viele Geber versuchen einen Mittelweg, indem sie Gelder an Bedingungen knüpfen oder über die Vereinten Nationen statt über staatliche Stellen leiten.
Was die Zusammenarbeit bewirkt
Was die Projekte bewirken ist nicht leicht zu messen. Unbestritten ist, dass Äthiopien in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte bei Gesundheit, Bildung und Armut gemacht hat, und dass internationale Partner dazu beigetragen haben. Ebenso unbestritten ist, dass Kriege viele dieser Fortschritte wieder zunichtegemacht haben. Entscheidend ist am Ende, was die Menschen im partnerland selbst gestalten. Wie die Beziehungen zwischen Deutschland und Äthiopien entstanden, erzählt die Seite Äthiopien und Deutschland. Wer privat helfen möchte, findet Hinweise auf der Seite Spenden für Äthiopien.
Häufige Fragen
Welche deutschen Organisationen arbeiten in Äthiopien?
Im Auftrag des Entwicklungsministeriums vor allem die GIZ und die KfW Entwicklungsbank. Dazu kommen kirchliche Hilfswerke, politische Stiftungen und private Organisationen.
Wofür gibt Deutschland Geld in Äthiopien aus?
Nach Angaben des BMZ vor allem für Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt, für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit sowie für berufliche Bildung und Unternehmen.
Wurde die Zusammenarbeit wegen des Kriegs ausgesetzt?
Sie wurde während des Tigray-Kriegs auf Vorhaben für die Bevölkerung beschränkt und nach dem Friedensabkommen von Ende 2022 ab 2023 wieder ausgeweitet. Seit September 2026 wird in Tigray erneut gekämpft.
Quellen
- Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Äthiopien, Länderseite, Stand 2. Dezember 2025
- Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ): Äthiopien
- KfW Entwicklungsbank: Äthiopien
- Internationaler Währungsfonds: Ethiopia, Extended Credit Facility, 2024
- Weltbank: Ethiopia, Länderprogramm
Stand der Angaben: 3. November 2026



