Die Heimat des Arabica

Der Kaffeeanbau hat in Äthiopien eine lange Tradition. Der Arabica-Kaffee stammt aus den Bergwäldern im Südwesten Äthiopiens. Dort wächst er bis heute wild, und nirgendwo sonst gibt es so viele verschiedene Formen der Pflanze. Äthiopien ist der größte Kaffeeproduzent Afrikas und gehört weltweit zu den fünf größten. Anders als in den meisten Anbauländern wird ein großer Teil der Ernte im Land selbst getrunken. Welche Regionen für welchen Geschmack stehen, erklärt die Seite Äthiopische Kaffeesorten, wie der Kaffee getrunken wird, die Seite Kaffee und Kaffeezeremonie.

Wald, Garten und Plantage

Wer an Kaffeeplantagen denkt stellt sich oft lange Reihen von Sträuchern in der prallen Sonne vor. In Äthiopien sieht das meist anders aus. Rund 95 Prozent des Kaffees stammen von kleinen Höfen. Fachleute unterscheiden vier Formen des Anbaus. Beim Waldkaffee sammeln Menschen die Kirschen von wild wachsenden Sträuchern im Bergwald. Beim Halbwaldkaffee lichten Bauern den Wald etwas aus und pflegen die Sträucher, lassen die großen Bäume aber stehen. Am häufigsten ist Gartenkaffee: Die Sträucher wachsen rund ums Haus, zwischen Enset, Bananen, Gemüse und Schattenbäumen. Nur ein kleiner Teil stammt von Plantagen.

Weil der Kaffee fast immer im schatten anderer Bäume wächst, ist der äthiopische Anbau vergleichsweise naturnah. Viele Bauern verwenden kaum Kunstdünger oder Pflanzenschutzmittel, auch weil sie sich diese nicht leisten können. Eine Bio-Zertifizierung haben trotzdem nur wenige, weil sie Geld und Papierarbeit kostet.

Das Jahr der Kaffeebauern

Nach den ersten Regen im Frühjahr blüht jeder Strauch weiß und duftet nach Jasmin. Danach reifen die Kirschen viele Monate lang. Wenn die Kirschen rot sind beginnt die ernte, je nach Höhe und Region zwischen Oktober und Januar. Gepflückt wird von Hand, und weil nicht alle Kirschen gleichzeitig reif sind, gehen die Familien mehrmals durch ihre Gärten. In der Erntezeit helfen alle mit, auch Kinder und Verwandte aus der Stadt, und auf den Märkten herrscht Hochbetrieb. Mehr über eine der großen Kaffeegegenden steht auf der Seite Jimma.

Bäuerinnen und Bauern breiten rote Kaffeekirschen auf erhöhten Trockenbetten aus, dahinter grüne Hügel
Auf erhöhten Trockenbetten trocknen die Kirschen zwei bis vier Wochen in der Sonne.

Der Weg der Kirsche

Nach der Ernte gibt es zwei Wege. Beim gewaschenen Kaffee bringen die Bauern die frischen Kirschen noch am selben Tag zur waschstation, wo das Fruchtfleisch entfernt, die Bohnen fermentiert, gewaschen und getrocknet werden. Beim natürlich aufbereiteten Kaffee trocknen die ganzen Kirschen zwei bis drei Wochen lang auf erhöhten Holzgestellen oder auf dem Boden in der Sonne. Danach werden die getrockneten Schalen in Mühlen entfernt, und übrig bleibt der grüne Rohkaffee.

Geröstete Kaffeebohnen in einem Leinensack
Geröstet wird der Kaffee meist erst im Abnehmerland, in Äthiopien selbst oft zu Hause in der Pfanne.

Der Rohkaffee wird nach Qualität geprüft und eingestuft. Lange musste fast aller Kaffee über die staatliche Warenbörse in Addis Abeba gehandelt werden, die Ethiopia Commodity Exchange, gegründet 2008. Dabei ging oft verloren, von welchem Ort ein Kaffee genau stammte. Seit Reformen ab 2017 dürfen Genossenschaften, Waschstationen und größere Bauern ihren Kaffee auch direkt an Käufer im Ausland verkaufen, was die Herkunft wieder sichtbar macht. Für den Export geht fast alles per Lastwagen oder Bahn nach Dschibuti, denn der hafen dort ist das Tor zur Welt, wie die Seite Zugang zum Meer beschreibt.

Wer am Kaffee verdient

Kaffee ist neben Gold das wichtigste Exportgut des Landes. Im Haushaltsjahr 2024/25 brachte er nach Angaben der Kaffeebehörde einen Rekord von 2,65 Milliarden US-Dollar ein, im Jahr darauf meldete die Regierung rund 3 Milliarden. Deutschland gehört seit Jahren zu den wichtigsten Abnehmern, daneben Saudi-Arabien, die USA, Japan und zunehmend China.

Was die Bauern für ihre Kirschen bekommen hängt vom Weltmarktpreis, von der Qualität und davon ab, wie viele Zwischenhändler beteiligt sind. Für ein kilo frischer Kirschen bekommen sie oft nur einen Bruchteil dessen, was ein Kilo gerösteter Kaffee in Deutschland kostet. Genossenschaften und direkte Handelsbeziehungen helfen, einen größeren Teil des Preises im Dorf zu halten. Wie Deutschland den Kaffeesektor unterstützt, erklärt die Seite Entwicklungszusammenarbeit.

Weil fast die Hälfte im Land getrunken wird ist Kaffee in Äthiopien nicht nur ein Exportgut. Er gehört zum Alltag fast jeder Familie, wird auf jedem Markt gehandelt und in jeder Kaffeezeremonie geröstet.

Gefahren für den Kaffee

Der Klimawandel bedroht den Anbau. Eine Studie im Fachjournal Nature Plants kam 2017 zu dem Ergebnis, dass bis zum Ende des Jahrhunderts ein großer Teil der heutigen Anbauflächen zu warm werden könnte, wenn nichts geschieht. Höher gelegene Gebiete könnten dafür geeigneter werden. Auch die Wildkaffeewälder schrumpfen, weil Bauern für Felder roden. Ob der Kaffee den Klimawandel übersteht hängt deshalb auch vom Schutz der Wälder ab.

Eine weitere Herausforderung kommt aus Europa. Die EU hat eine Verordnung gegen Entwaldung beschlossen, nach der Kaffee nur noch verkauft werden darf, wenn nachgewiesen ist, dass für ihn kein Wald gerodet wurde. Die Anwendung wurde mehrfach verschoben. Für Äthiopien mit seinen Millionen kleinen Gärten ist dieser Nachweis eine große Aufgabe, an der Behörden, Genossenschaften und Exporteure arbeiten.

Häufige Fragen

Wann ist Kaffeeernte in Äthiopien?

Je nach Region und Höhe meist zwischen Oktober und Januar. Gepflückt wird von Hand, oft in mehreren Durchgängen.

Wie viel Kaffee exportiert Äthiopien?

Im Haushaltsjahr 2025/26 brachten Kaffeeexporte nach Angaben der Behörden rund 3 Milliarden US-Dollar ein, so viel wie nie zuvor. Ein großer Teil der Ernte wird zusätzlich im Land selbst getrunken.

Was ist Waldkaffee?

Kaffee von wild wachsenden Sträuchern in den Bergwäldern des Südwestens, die nur wenig gepflegt werden. Er macht nur einen kleinen Teil der Ernte aus, gilt aber als Ursprung des Arabica.

Quellen

  • Internationale Kaffeeorganisation (ICO): Länderdaten Äthiopien
  • Ethiopian News Agency: Angaben der Ethiopian Coffee and Tea Authority zu den Kaffeeexporten 2024/25 und 2025/26
  • Ethiopia Commodity Exchange: Handel mit Kaffee
  • Moat, J. u. a.: Resilience potential of the Ethiopian coffee sector under climate change, Nature Plants 3, 2017
  • Deutscher Kaffeeverband: Kaffeemarkt und Herkunftsländer

Stand der Angaben: 3. November 2026