Ein Land von Bauern

Die Wirtschaft Äthiopiens beruht bis heute auf dem Land. Wer durch Äthiopien fährt sieht vor allem Felder, Weiden und kleine Höfe. Rund zwei Drittel der Erwerbstätigen beschäftigt die landwirtschaft, und sie erzeugt etwa ein Drittel der Wirtschaftsleistung. Angebaut werden vor allem Teff, Mais, Weizen, Gerste, Sorghum, Hülsenfrüchte und Kaffee. Die meisten Betriebe sind sehr klein und bewirtschaften weniger als zwei Hektar, oft mit Ochsen und Pflug wie vor Generationen. Im Tiefland leben viele Menschen von der Viehzucht. Land gehört dem Staat, die Bauern haben Nutzungsrechte. Wie Armut und Landwirtschaft zusammenhängen, erklärt die Seite Armut in Äthiopien.

Was Äthiopien verkauft

Was das Land exportiert kommt zum größten Teil vom Land. Die beiden wichtigsten Exportgüter sind heute Gold und Kaffee. Seit der Wechselkursreform 2024 wird deutlich mehr Gold über offizielle Kanäle verkauft, und Gold hat den Kaffee als größten Devisenbringer überholt: Im Haushaltsjahr 2025/26 brachte es nach Behördenangaben rund 5,5 Milliarden US-Dollar ein. Kaffee erzielte mit rund 3 Milliarden ebenfalls einen Rekord. Mehr dazu auf der Seite Kaffeeanbau in Äthiopien. Dazu kommen Ölsaaten wie Sesam, Hülsenfrüchte, lebende Tiere, Fleisch, Khat und Schnittblumen. Äthiopien gehört zu den großen Rosenexporteuren der Welt, viele davon werden über Auktionen in den Niederlanden in ganz Europa verkauft.

Ein Unternehmen ragt heraus: Ethiopian Airlines, die staatliche Fluggesellschaft. Sie ist die größte Airline Afrikas, verbindet Addis Abeba mit Zielen auf allen Kontinenten und ist einer der wichtigsten Devisenbringer des Landes. Zudem gehört die flotte zu den modernsten des Kontinents. Mehr dazu auf der Seite Flüge und Anreise.

Jahre des schnellen Wachstums

Von etwa 2004 bis 2019 wuchs die Wirtschaft nach offiziellen Angaben um rund zehn Prozent im Jahr. Der Staat investierte massiv in Straßen, Kraftwerke, Bahnlinien, Industrieparks und den großen Staudamm am Blauen Nil, finanziert mit Krediten aus China und anderen Ländern. Die Armut sank, Städte wuchsen, und eine kleine Mittelschicht entstand. Viele Ökonomen sahen in Äthiopien ein Beispiel für einen Entwicklungsstaat nach asiatischem Vorbild. Wie das politisch eingebettet war, beschreibt die Seite EPRDF und ethnischer Föderalismus.

Junge Frauen und Männer arbeiten an Nähmaschinen in einer hellen Fabrikhalle
In den Industrieparks nähen vor allem junge Frauen Kleidung für den Export.

Die Schattenseiten wurden mit der Zeit sichtbar. Die Schulden stiegen, viele Projekte brachten weniger ein als geplant, und es entstanden nicht genug Arbeitsplätze für die vielen jungen Menschen. Weil Devisen knapp waren standen Unternehmen oft monatelang Schlange, um Dollar für Importe zu bekommen. Es blühte der schwarzmarkt für Dollar, und der Kurs dort lag weit über dem offiziellen.

Krieg, Inflation und Schulden

Ab 2020 kamen die Krisen zusammen: die Pandemie, der Krieg in Tigray, Kämpfe in Amhara und Oromia und eine schwere Dürre. Die Inflation stieg zeitweise auf über 30 Prozent. Ende 2023 konnte Äthiopien die Zinsen für eine internationale Anleihe nicht mehr zahlen und galt damit als zahlungsunfähig. Mit den staatlichen Gläubigern einigte es sich 2025 auf eine Umschuldung, mit den Anleihegläubigern im Juni 2026 auf Grundzüge einer Lösung.

Die Reformen seit 2024

Im Juli 2024 vereinbarte die Regierung mit dem Internationalen Währungsfonds ein Kreditprogramm über 3,4 Milliarden Dollar. Als die Regierung im Juli 2024 den Wechselkurs freigab verlor der Birr innerhalb weniger Monate mehr als die Hälfte seines Werts gegenüber dem Dollar. Die Lücke zum Schwarzmarkt schloss sich weitgehend, und Exporteure verdienen seitdem mehr. Für viele Haushalte bedeutete die Reform aber zunächst höhere Preise für Treibstoff, Dünger und Medikamente.

Gleichzeitig öffnet die Regierung Bereiche, die lange dem Staat vorbehalten waren. Seit 2022 bietet mit Safaricom Ethiopia ein zweiter Mobilfunkanbieter seine Dienste an, und heute hat fast jeder Erwachsene in der Stadt ein handy, mit dem er auch bezahlt. Im Januar 2025 nahm in Addis Abeba eine börse den Handel auf, die Ethiopian Securities Exchange. Als erstes Unternehmen wurde die Wegagen Bank gelistet, im Mai 2026 folgte Ethio Telecom. Ausländische Banken dürfen seit einem Gesetz von Ende 2024 wieder im Land tätig werden. Wie man vor Ort bezahlt, beschreibt die Seite Geld und Bezahlen.

Die großen Baustellen

Das größte Problem ist die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen. Jedes Jahr kommen etwa zwei Millionen auf den Arbeitsmarkt, viele mit Schulabschluss oder Studium, aber ohne passende Stelle. Ein großer Teil der Wirtschaft ist informell, ohne Verträge und Absicherung. Hinzu kommen die Kriege, die Investoren abschrecken und ganze Regionen lähmen. Seit der Ausschluss aus dem US-Handelsprogramm AGOA Anfang 2022 in Kraft trat, haben viele Textilbetriebe Aufträge verloren.

Ein Mann trägt einen riesigen Stapel blauer Plastikkanister über einen Markt in Addis Abeba
Viele Menschen in den Städten verdienen ihr Geld im informellen Handel, als Träger, Händler oder Tagelöhner.

In Addis Abeba lässt die Regierung seit 2024 ganze Viertel abreißen, um breite Straßen, Uferwege und Parks anzulegen. Für die einen ist das Modernisierung, für andere bedeutet es den Verlust ihrer Wohnungen und Geschäfte, oft mit wenig Entschädigung. Ob die Reformen den Menschen nützen wird sich daran zeigen, ob Arbeitsplätze entstehen und die Preise stabil bleiben. Wie Deutschland und andere Partner die Wirtschaft unterstützen, steht auf der Seite Entwicklungszusammenarbeit.

Häufige Fragen

Wovon lebt Äthiopien?

Vor allem von der Landwirtschaft, die rund zwei Drittel der Erwerbstätigen beschäftigt. Wichtigste Exporte sind Gold und Kaffee, dazu Ölsaaten, Blumen und Tiere. Dazu kommen Ethiopian Airlines und Überweisungen aus der Diaspora.

Warum hat der Birr so stark an Wert verloren?

Im Juli 2024 gab die Regierung den bis dahin festgelegten Wechselkurs frei, als Teil eines Programms mit dem Internationalen Währungsfonds. Der Kurs näherte sich danach dem Schwarzmarktkurs an.

Hat Äthiopien eine Börse?

Ja. Die Ethiopian Securities Exchange in Addis Abeba nahm im Januar 2025 den Handel auf. Erstes gelistetes Unternehmen war die Wegagen Bank, Ethio Telecom kam im Mai 2026 hinzu.

Quellen

  • Weltbank: Ethiopia Economic Update und Länderdaten
  • Internationaler Währungsfonds: Ethiopia, Extended Credit Facility, Programmdokumente 2024 bis 2026
  • National Bank of Ethiopia: Foreign Exchange Directive FXD/01/2024 und Jahresberichte
  • Ethiopian Securities Exchange: Eröffnung im Januar 2025
  • Ethiopian News Agency: Exportzahlen der Ethiopian Coffee and Tea Authority für 2025/26

Stand der Angaben: 3. November 2026