Was in Berbere steckt
Berbere ist keine feste Rezeptur, sondern eine Familie von Mischungen. Die Grundlage bilden getrocknete rote Chilis, die der Mischung Farbe und Schärfe geben. Dazu kommen Gewürze, die in Äthiopien angebaut oder seit Jahrhunderten gehandelt werden: Bockshornklee, Korarima, Koriander, schwarzer Pfeffer, Nelken, Ajowan, Ingwer und Knoblauch, oft auch heimische Kräuter wie Besobela, ein Verwandter des Basilikums. Jede Familie und jede Region hat ihre eigene Zusammensetzung. Was die Mischung kulturell bedeutet und woher der Name kommt, steht im Glossar unter Berbere.
Traditionell ist die Herstellung aufwendig. Chilis werden in der Sonne getrocknet, manchmal auf dem hausdach, dann mit frischem Knoblauch, Ingwer und Zwiebeln zerstoßen, erneut getrocknet und schließlich in einer Mühle gemahlen. Das dauert Tage. Die Variante hier ist eine vereinfachte Küchenversion mit Zutaten, die du in Deutschland bekommst.
Das Rezept
Berbere für zu Hause
Zutaten
- 40 g milde getrocknete rote Chilischoten
- 2 bis 6 scharfe getrocknete Chilischoten (je nach gewünschter Schärfe)
- 3 EL edelsüßes Paprikapulver
- 1 TL Bockshornkleesamen
- 2 TL Koriandersamen
- 1 TL schwarze Pfefferkörner
- 4 Korarima-Kapseln oder 6 grüne Kardamomkapseln
- 4 Gewürznelken
- 1 kleines Stück Zimtstange
- 1/2 TL Ajowan (nach Belieben)
- 2 TL gemahlener Ingwer
- 2 TL Knoblauchgranulat
- 1 TL getrocknetes Basilikum
- 1 TL Salz
Zubereitung
- Chilis entstielen, nach Belieben einen Teil der Kerne entfernen und in grobe Stücke brechen.
- Chilistücke in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze 1 bis 2 Minuten rösten, bis sie duften. Sie dürfen nicht schwarz werden. Herausnehmen.
- Bockshornklee, Koriander, Pfeffer, die Samen aus den Korarima- oder Kardamomkapseln, Nelken, Zimt und Ajowan in derselben Pfanne 2 bis 3 Minuten rösten und dabei schwenken.
- Alles auf einem Teller vollständig abkühlen lassen.
- Chilis und geröstete Gewürze in einer Gewürzmühle oder einem leistungsstarken Mixer fein mahlen, bei Bedarf durch ein Sieb streichen.
- Mit Paprikapulver, Ingwer, Knoblauch, Basilikum und Salz gründlich mischen.
- In ein sauberes, trockenes Schraubglas füllen, dunkel lagern und innerhalb von drei bis vier Monaten verbrauchen.
Die richtigen Chilis
Die Chilis bestimmen, wie die Mischung schmeckt. In Äthiopien werden vor allem längliche, eher milde Sorten verwendet, die viel Farbe und ein fruchtiges Aroma haben. Gute Ersatzsorten sind getrocknete milde Chilis aus dem türkischen, mexikanischen oder asiatischen Laden. Die Schärfe holst du dir über ein paar kleine, scharfe Chilis. Weil jede Chilisorte anders scharf ist lohnt sich ein vorsichtiger Anfang. Mischen lässt sich später immer noch, entschärfen dagegen kaum.
Wer zum ersten Mal Berbere mischt sollte mit zwei scharfen Schoten beginnen und die Mischung im Gericht probieren. Das Paprikapulver im Rezept sorgt dafür, dass die Farbe kräftig rot wird, ohne dass die Schärfe ausufert.
Rösten und mahlen
Das Rösten ist der wichtigste Schritt. Es weckt die ätherischen Öle und gibt der Mischung ihr warmes, leicht nussiges Aroma. Wenn die Gewürze zu lange in der Pfanne bleiben werden sie bitter. Achte vor allem auf den Bockshornklee, der schnell dunkel wird. Röste am besten bei offenem fenster, denn Chilis reizen beim Erhitzen Augen und Hals.
Zum Mahlen eignet sich eine elektrische Gewürzmühle oder eine alte kaffeemühle, die du nur noch für Gewürze verwendest. Je feiner die Mischung gemahlen ist desto besser verbindet sie sich später mit den Zwiebeln im Topf. Grobe Reste siebst du ab und mahlst sie ein zweites Mal.
Ersatz für schwierige Zutaten
Was du nicht bekommst lässt sich meist ersetzen. Korarima, der äthiopische Kardamom, ist in Deutschland selten. Grüner Kardamom kommt geschmacklich in die Nähe, ist aber etwas blumiger. Besobela kannst du durch getrocknetes Basilikum ersetzen, Ajowan durch eine Prise getrockneten Thymian. Nur auf Bockshornklee solltest du nicht verzichten, denn er gibt Berbere seinen typischen, leicht bitteren Unterton. Mehr über die einzelnen Gewürze steht auf der Seite Äthiopische Gewürze.
Aufbewahren und verwenden
Selbst gemischtes Berbere hält sich in einem dunklen, trockenen Schrank drei bis vier Monate. Danach verliert es Aroma, wird aber nicht schlecht. Ein kleines etikett mit Datum hilft. In einem hübschen Glas ist die Mischung auch als geschenk für Freunde gut geeignet, die gern kochen.
Verwendet wird Berbere vor allem für Eintöpfe wie Misir Wot und Doro Wot, für Shiro und zum Würzen von Fleisch. Mit Öl, Zitronensaft und etwas Wasser angerührt wird daraus Awaze, ein scharfer Dip. Zusammen mit Gewürzbutter entfaltet es seinen Geschmack am besten. Wie du die Butter selbst herstellst, zeigt die Seite Niter Kibbeh selbst machen.
Häufige Fragen
Wie scharf ist selbst gemachtes Berbere?
Das bestimmst du selbst über die Anzahl der scharfen Chilis. Mit zwei Schoten bleibt es mittelscharf.
Wie lange hält Berbere?
Trocken und dunkel gelagert etwa drei bis vier Monate mit vollem Aroma, danach wird es langsam milder.
Quellen
- Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Bärbäre und Spices
- Ethiopian Institute of Agricultural Research: Informationen zu Gewürzpflanzen
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Hinweise zu Gewürzen und Kräutern
Stand der Angaben: 3. November 2026


