Ein schnelles Alltagsgericht

Shiro ist zunächst ein Pulver. Es besteht aus gerösteten und gemahlenen Hülsenfrüchten, meist Kichererbsen, manchmal auch Saubohnen oder Erbsen, und ist bereits mit Knoblauch, Ingwer, Chili und weiteren Gewürzen gemischt. Aus diesem Pulver wird mit Wasser, Zwiebeln und Öl ein Kichererbsen-Eintopf gekocht, der Shiro Wot heißt. In vielen Familien steht er mehrmals in der Woche auf dem Tisch, an Fastentagen sowieso, denn er kommt ohne tierische Zutaten aus. Was hinter dem Wort steckt und welche Varianten es gibt, erklärt der Glossarbeitrag Shiro.

Shiro Wot ist günstig, satt machend und in einer halben Stunde fertig. Wer Shiro zum ersten Mal kocht ist oft überrascht, wie wenig Aufwand dahintersteckt. Die Mengen im Rezept sind Richtwerte. Jedes Pulver ist etwas anders gewürzt und bindet unterschiedlich stark.

Das Rezept

Shiro Wot

Zeit gesamt etwa 35 MinutenVorbereitung 10 Minuten, Kochzeit 25 Minuten3 bis 4 Portionenvegan

Zutaten

  • 1 große rote Zwiebel
  • 3 Knoblauchzehen
  • 1 reife Tomate oder 2 EL passierte Tomaten
  • 4 EL neutrales Öl
  • 1 bis 2 TL Berbere (nach Geschmack)
  • 80 bis 100 g Shiro-Pulver
  • etwa 600 ml heißes Wasser
  • 1 grüne Chilischote (nach Belieben)
  • Salz

Zubereitung

  1. Zwiebel sehr fein hacken, Knoblauch fein reiben, Tomate klein würfeln.
  2. Zwiebel ohne Fett in einem Topf bei mittlerer Hitze etwa 5 Minuten dünsten, bis sie weich ist. Bei Bedarf einen Löffel Wasser dazugeben.
  3. Öl, Knoblauch und Berbere dazugeben und 2 Minuten unter Rühren anbraten.
  4. Tomate einrühren und 3 Minuten mitgaren, bis sie zerfällt.
  5. Etwa 400 ml heißes Wasser angießen und aufkochen lassen.
  6. Shiro-Pulver nach und nach mit dem Schneebesen einrühren, damit keine Klümpchen entstehen.
  7. Bei kleiner Hitze 10 bis 15 Minuten köcheln lassen und oft umrühren. Wenn es zu dick wird, Wasser nachgießen, bis die Sauce sämig ist.
  8. Mit Salz abschmecken, nach Belieben eine längs halbierte grüne Chili obenauf legen und heiß mit Injera servieren.

Das Pulver kaufen oder ersetzen

Fertiges Shiro-Pulver bekommst du in afrikanischen Lebensmittelläden, in manchen Asia-Läden und im Versandhandel. Es gibt mildere und schärfere Sorten. Die mildere Variante heißt oft Nech Shiro, also weißes Shiro, die kräftig rote ist mit Berbere gewürzt. Weil das Pulver schon gewürzt ist brauchst du beim Kochen meist nur wenig zusätzliches Berbere. Probiere am besten vorher eine kleine Menge.

Wenn du kein fertiges Pulver bekommst kannst du dir mit Kichererbsenmehl behelfen. Röste dafür 100 g Kichererbsenmehl in einer trockenen Pfanne unter Rühren, bis es leicht duftet und eine Spur dunkler wird. Dann mischst du einen halben Teelöffel Knoblauchpulver, einen halben Teelöffel gemahlenen Ingwer, eine Prise gemahlenen Bockshornklee und ein bis zwei Teelöffel Berbere darunter. Das ersetzt das Original nicht ganz, schmeckt aber gut. Wie die rote Gewürzmischung aufgebaut ist und wie du sie selbst herstellst, zeigt die Seite Berbere selbst mischen.

Aufbewahrt wird das Pulver trocken und gut verschlossen. In einer papiertüte zieht es Feuchtigkeit und verliert schnell sein Aroma, ein Schraubglas ist besser.

Die richtige Konsistenz

Shiro Wot soll weder flüssig wie Suppe noch fest wie Brei sein. Die Sauce sollte von einem Stück Injera gut aufgenommen werden, ohne zu tropfen. Das Pulver dickt beim Köcheln nach, deshalb gießt du lieber in kleinen Schritten Wasser nach, als am Anfang zu viel auf einmal zu nehmen. Sobald sich am Rand kleine Blasen bilden ist die Hitze richtig. Dann heißt es rühren, denn Shiro setzt leicht am Boden an.

Wer es besonders cremig mag rührt am Ende einen Esslöffel Öl unter. Mit etwas geduld und häufigem Rühren bekommst du eine glänzende, glatte Sauce. Kleine Klümpchen lassen sich zur Not mit dem Pürierstab glätten.

Shiro Tegabino im Tontopf

In Restaurants in Addis Abeba und auch in Deutschland wird Shiro oft als Tegabino serviert. Es kommt in einem kleinen, schwarzen Tontopf auf den Tisch und blubbert noch, wenn es serviert wird. Diese Variante ist meist etwas dicker und wird mit reichlich Öl oder, außerhalb der Fastenzeit, mit Gewürzbutter gekocht. Zu Hause kannst du einen kleinen gusseisernen Topf nehmen, der die Hitze lange hält.

Servieren und aufbewahren

Klassisch kommt Shiro Wot auf eine Injera, gern zusammen mit Gemüse, Linsen und einem einfachen Salat. Rezepte für die Beilagen stehen auf den Seiten Gomen und Atkilt und Azifa und Timatim. Wer keine Injera hat, isst Shiro mit Fladenbrot oder Reis. Ein schuss Zitronensaft kurz vor dem Servieren macht das Gericht frischer. Wie du daraus eine ganze Fastenplatte machst, beschreibt die Seite über veganes und vegetarisches Essen.

Reste halten sich im Kühlschrank zwei Tage. Beim Aufwärmen dickt Shiro stark nach, gib also etwas Wasser dazu und rühre gut um. Wer am abend vorher kocht, hat ein gutes Essen für die mittagspause im Büro, das sich in wenigen Minuten aufwärmen lässt.

Häufige Fragen

Ist Shiro Wot vegan?

Ja, mit Öl gekocht ist es vegan. So wird es in der Fastenzeit zubereitet. Außerhalb der Fastenzeit nehmen manche Familien Gewürzbutter.

Kann ich Shiro-Pulver durch Kichererbsenmehl ersetzen?

Ja, wenn du das Mehl röstest und selbst würzt. Das Ergebnis kommt dem Original recht nahe.

Ist Shiro glutenfrei?

Reines Shiro aus Hülsenfrüchten enthält kein Gluten. Fertige Mischungen können aber Spuren enthalten, ein Blick auf die Packung lohnt sich.

Quellen

  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Šəro und Wäṭ
  • Ethiopian Public Health Institute: Ethiopian Food Composition Table

Stand der Angaben: 3. November 2026