Auf einen Blick
- Schreibung
- በገና
- Auch geschrieben
- Bagana, Beganna, Bägäna
- Instrumententyp
- große Rahmenleier
- Saiten
- zehn, traditionell aus Darm
- Klang
- tief, summend, schnarrend
- Verwendung
- Gebet, Meditation, geistliche Lieder
- Besondere Zeit
- Fastenzeit vor Ostern
Was die Begena ist
Die Begena, auf Amharisch በገና, ist eine große Leier mit zehn Saiten. Sie gehört zur selben Familie wie die kleinere Krar, ist aber deutlich größer und wird ganz anders verwendet. Während die Krar Liebeslieder und Tanzmusik begleitet, ist die Begena ein Instrument für Gebet und Besinnung. Wer die Begena zum ersten Mal hört denkt vielleicht an ein verstimmtes Instrument, denn jeder Ton ist von einem tiefen summen und Schnarren begleitet. Genau dieser Klang ist gewollt und gilt als Teil ihrer meditativen Wirkung.
In Äthiopien wird die Begena mit König David verbunden, der nach der Bibel auf der Harfe spielte und die psalmen dichtete. Viele Gläubige sehen in ihr das Instrument Davids. Auf Bildern in Kirchen und Handschriften ist David oft mit einer Begena dargestellt.
Wie die Begena gebaut ist
Die Begena hat einen kastenförmigen Resonanzkörper aus Holz, der mit Tierhaut bespannt ist. Zwei lange Arme ragen nach oben und tragen ein Querholz, an dem die zehn Saiten befestigt sind. Mit über einem Meter Höhe ist sie eines der größten Saiteninstrumente des Landes. Die Saiten waren traditionell aus Schafsdarm. Unter jeder Saite sitzen am Steg kleine lederstreifen, die beim Schwingen leicht gegen die Saite schlagen. Daher kommt das charakteristische Schnarren.
Weil das Instrument so groß ist spielt man es im Sitzen. Die Begena steht auf dem Boden oder ruht auf dem schoß und an der Schulter. Die Saiten werden mit den Fingern gezupft, manchmal mit einem kleinen Plektrum, während die andere Hand einzelne Saiten abdämpft. Gestimmt wird sie auf fünftönige Tonleitern, wie sie in der äthiopischen Musik üblich sind.
Begena in der Fastenzeit
Wenn die Fastenzeit beginnt hört man die Begena besonders oft. In den Wochen vor Ostern, der großen Fastenzeit, verstummt in vielen Familien und im Radio die Unterhaltungsmusik. An ihre Stelle treten geistliche Lieder mit Begena-Begleitung. Was gesungen wird stammt oft aus den Psalmen oder ist neu gedichtet und behandelt Themen wie Vergänglichkeit, Buße und Gottvertrauen. Die Stimme ist meist tief und ruhig, die Texte stehen im Vordergrund. Mehr über die Zeit vor Ostern steht auf der Seite Fasika.
Die Begena wird nicht im Gottesdienst gespielt, sondern im privaten Gebet, in einem ruhigen raum zu Hause oder bei religiösen Treffen. Für Unterhaltung gilt sie als unpassend, und es wäre unhöflich, auf ihr Tanzmusik zu spielen. Wer eine Begena besitzt, behandelt sie deshalb mit Respekt und bewahrt sie oft an einem besonderen Platz im Haus auf.
Wie die Begena klingt
Die Begena ist ein leises Instrument. Sie wird nicht verstärkt und eignet sich nicht für große Säle. Ihre Wirkung entfaltet sie in kleinen Räumen, bei gedämpftem Licht, wenn wenige Menschen zuhören. Der Spieler oder die Spielerin singt meist selbst dazu, langsam und in tiefer Lage, und lässt zwischen den Versen Raum für das Summen der Saiten. Wer zuhört, sitzt still. Viele beschreiben die Musik als tröstend und sammelnd, als eine Form des Gebets, die ohne viele Worte auskommt. Wer westliche Musik gewohnt ist, braucht einen Moment, um sich auf das langsame Tempo und den rauen Klang einzulassen.
Die Begena heute
Lange war die Begena ein Instrument von Adligen, Geistlichen und gebildeten Laien, überwiegend Männern. Unter der Militärregierung des Derg wurde religiöse Musik zurückgedrängt, und die Zahl der Spieler ging zurück. Seit den 1990er Jahren erlebt das Instrument eine Wiederbelebung. In Addis Abeba gibt es Schulen, in denen Begena unterrichtet wird, und heute lernen auch viele Frauen und junge Leute. Aufnahmen mit Begena sind auf Musikplattformen zu finden, manche Musiker verbinden sie behutsam mit anderen Klängen. Wer das Instrument lernen will findet in Äthiopien Kurse, in Deutschland eher über Kirchengemeinden und Kontakte in der Gemeinschaft.
Wie sich die Begena von den anderen Saiteninstrumenten unterscheidet, zeigen die Einträge Krar und Masenqo. Einen Überblick über die Musik des Landes gibt die Seite Äthiopische Musik und Tanz, weitere Begriffe sammelt das Äthiopien-Glossar.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Begena und Krar?
Die Begena ist groß, tief und für geistliche Musik gedacht. Die Krar ist klein, hell und begleitet Unterhaltungsmusik.
Warum schnarrt die Begena?
Unter den Saiten sitzen kleine Lederstreifen, die beim Schwingen gegen die Saiten schlagen. Dieser Klang ist gewollt.
Wo kann ich eine Begena hören?
In Äthiopien vor allem in der Fastenzeit, bei religiösen Treffen und in Musikschulen. In Deutschland gelegentlich bei Veranstaltungen äthiopisch-orthodoxer Gemeinden, außerdem gibt es viele Aufnahmen auf Musikplattformen.
Quellen
- Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Bägäna
- Stéphanie Weisser: Étude ethnomusicologique du bagana, Dissertation, Université Libre de Bruxelles 2005
- Kay Kaufman Shelemay: Ethiopia, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians
Stand der Angaben: 3. November 2026
