Auf einen Blick

Schreibung
ክራር
Auch geschrieben
Kirar, Kraar, Krar Leier
Instrumententyp
Schalenleier
Saiten
meist fünf oder sechs
Spielweise
gezupft oder geschlagen, oft mit Plektrum
Stimmung
fünftönige Tonleitern, die Qenet
Heute
akustisch und elektrisch verstärkt

Was die Krar ist

Die Krar, auf Amharisch ክራር, ist eine Leier. Sie hat einen Resonanzkörper, zwei Arme und ein Querholz, an dem die Saiten befestigt sind. Meist sind es fünf oder sechs. Gespielt wird sie im Sitzen oder Stehen, angelehnt an den Körper. Die Saiten werden mit den Fingern gezupft oder mit einem plektrum geschlagen, während die andere Hand einzelne Saiten abdämpft. So entsteht ein heller, perlender Klang, der gut zu Gesang passt.

Wer eine Krar zum ersten Mal hört denkt vielleicht an eine Harfe oder eine kleine Gitarre. Tatsächlich gehört sie zu einer alten Familie von Leiern, die es in Nordostafrika und auf der Arabischen Halbinsel seit sehr langer Zeit gibt. Ihre große Schwester ist die Begena, eine große Leier mit tiefem, summendem Ton, die vor allem für geistliche Musik verwendet wird. Mehr dazu steht auf der Seite Äthiopische Musik und Tanz.

Wie eine Krar gebaut ist

Der Resonanzkörper ist eine runde schale, traditionell aus einer Kalebasse oder aus Holz geschnitzt. Darüber wird ein Stück tierhaut gespannt, durch die der Klang nach außen dringt. Die Arme und das Querholz sind aus Holz. Die Saiten waren früher aus Darm, heute sind sie meist aus Nylon oder Metall. Sie werden um das Querholz gewickelt und durch Drehen gestimmt.

Was früher aus Kalebasse und Holz gebaut wurde entsteht heute oft auch aus anderen Materialien. Manche Instrumente haben einen Körper aus Kunststoff oder Blech. Viele Musiker spielen eine elektrische Krar mit einem tonabnehmer, die sich an einen Verstärker anschließen lässt. Das Instrument ist dadurch in der modernen Popmusik und bei großen Konzerten angekommen.

Stimmung und Tonleitern

Die äthiopische Musik kennt vier klassische fünftönige Tonleitern, Qenet genannt: Tizita, Bati, Ambassel und Anchihoye. Jede hat ihren eigenen Charakter. Tizita steht für Sehnsucht und Erinnerung. Bati, Ambassel und Anchihoye haben jeweils eine andere Stimmung, und gerade Anchihoye klingt für europäische Ohren oft ungewohnt. Weil die Saiten nur fünf oder sechs Töne haben wird die Krar jeweils auf eine dieser Tonleitern gestimmt. Wenn ein Musiker die Stimmung wechselt dreht er die Saiten neu, manchmal sogar zwischen zwei Liedern.

Diese Tonleitern prägen die äthiopische Musik bis heute, vom Volkslied bis zum Ethio-Jazz. Wer einmal ein Tizita-Lied gehört hat, erkennt den Klang schnell wieder.

Die Krar heute

Die Krar ist ein Instrument der Unterhaltung. Sie begleitet Liebeslieder, Tanzmusik und Lieder über Heimat und Sehnsucht. Auf einer hochzeit, bei Festen und in Musiklokalen ist sie oft zu hören. Auch Azmari, die improvisierenden Sängerinnen und Sänger, greifen manchmal zur Krar statt zur einsaitigen Fiedel, die unter Masenqo beschrieben ist.

Wer selbst spielen lernen möchte findet in Äthiopien Musikschulen und private Lehrer. In Deutschland ist das schwieriger, aber in manchen Städten mit großer äthiopischer und eritreischer Gemeinschaft gibt es Musiker, die Unterricht geben. Instrumente werden im Versandhandel angeboten. Auch in eritreischer Musik spielt die Krar eine wichtige Rolle. Dort ist sie in vielen Bands zu hören, oft als führendes Melodieinstrument neben dem Gesang. Weitere Begriffe sammelt das Äthiopien-Glossar.

Die Krar hören lernen

Wer sich in den Klang einhören möchte, beginnt am besten mit ruhigen Liedern, in denen die Krar allein den Gesang begleitet. Achte darauf, wie die gezupften Töne immer wieder auf denselben fünf Tönen landen und wie die gedämpften Saiten einen leisen, rhythmischen Untergrund bilden. In Tanzmusik wird die Krar schneller geschlagen und treibt den Rhythmus an, oft zusammen mit Trommeln wie der Kebero.

Spannend ist auch der Vergleich zwischen akustischer und elektrischer Krar. Akustisch klingt sie hell, trocken und intim. Elektrisch verstärkt erinnert sie manchmal an eine E-Gitarre und füllt große Säle. Beide Formen stehen heute nebeneinander. Wer Ethio-Jazz mag, hört dort die gleichen Tonleitern, nur mit Bläsern und Orgel. Gerade in diesen Aufnahmen zeigt sich, wie wandlungsfähig ein so altes Instrument sein kann, wenn neue Generationen damit experimentieren.

Häufige Fragen

Wie viele Saiten hat eine Krar?

Meist fünf oder sechs. Sie werden auf eine von vier fünftönigen Tonleitern gestimmt.

Was ist der Unterschied zwischen Krar und Begena?

Die Krar ist klein, hell und für Unterhaltungsmusik gedacht. Die Begena ist eine große Leier mit tiefem Klang für geistliche Lieder.

Kann ich eine Krar in Deutschland kaufen?

Ja, im Versandhandel und gelegentlich über Musiker aus der äthiopischen und eritreischen Gemeinschaft. Achte auf eine stabile Bauweise und frag nach, ob das Instrument gestimmt geliefert wird. Für Anfänger ist ein einfaches akustisches Modell ein guter Start, dazu ein paar Ersatzsaiten.

Quellen

  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Musical Instruments
  • Kay Kaufman Shelemay: Ethiopia, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians
  • Ethnologisches Museum Berlin, Sammlung Musikethnologie

Stand der Angaben: 3. November 2026