Auf einen Blick

Schreibung
ማሲንቆ
Auch geschrieben
Masinko, Masenko, Masinqo
Instrumententyp
Streichinstrument, Spießgeige
Saiten
eine, traditionell aus Rosshaar
Körper
rautenförmig, mit Tierhaut bespannt
Spielweise
aufrecht gehalten, mit Bogen gestrichen
Typisch für
Azmari und Volksmusik

Was die Masenqo ist

Die Masenqo, auf Amharisch ማሲንቆ, ist eine Fiedel mit einer einzigen Saite, also eine einsaitige Fiedel. Sie wird mit einem Bogen gestrichen und gehört zu den bekanntesten Instrumenten Äthiopiens. Wer die Masenqo zum ersten Mal sieht fragt sich oft, wie man auf einer Saite eine ganze Melodie spielen kann. Die Antwort liegt in der Technik: Die Spielerin oder der Spieler verändert mit den Fingern die Länge der schwingenden Saite und erzeugt so alle Töne.

Im Deutschen findest du auch die Schreibweisen Masinko oder Masenko. Gemeint ist immer dasselbe Instrument. Musikwissenschaftlich gehört sie zu den Spießgeigen, bei denen ein Stab durch den Resonanzkörper geführt wird.

Wie eine Masenqo gebaut ist

Der Resonanzkörper ist rautenförmig, also wie ein auf der Spitze stehendes Quadrat. Er besteht aus Holz und ist auf beiden Seiten mit Tierhaut bespannt. Durch ihn hindurch führt ein langer hals aus Holz, an dessen oberem Ende ein Wirbel sitzt. Dort wird die Saite gespannt und gestimmt. Traditionell besteht die Saite aus einem Bündel rosshaar, heute manchmal auch aus Nylon. Ein kleiner Steg auf der Haut überträgt die Schwingung.

Der Bogen ist kurz und gebogen, seine Bespannung ebenfalls aus Rosshaar. Damit er greift, reiben ihn viele Spieler vor dem Spiel über ein kleines Stück harz, so wie es auch bei der Geige üblich ist.

Wie sie gespielt wird

Gespielt wird die Masenqo im Sitzen. Das Instrument steht aufrecht, der Körper ruht auf dem schoß oder zwischen den Knien. Die eine Hand führt den Bogen waagerecht über die Saite, die andere berührt die Saite seitlich mit den Fingern. Weil die Saite nicht auf ein Griffbrett gedrückt wird klingt der Ton weich und lässt sich stufenlos verändern. Gleiten, Verzierungen und kleine Tonschwankungen gehören zum typischen Klang.

Was die Masenqo besonders macht ist ihre Nähe zur menschlichen Stimme. Sie klingt rau, warm und manchmal klagend. Wenn ein guter Spieler die Melodie umspielt entsteht ein Dialog mit dem Gesang. Wie die Krar wird auch die Masenqo auf die fünftönigen Tonleitern der äthiopischen Musik gestimmt. Mehr dazu steht unter Krar.

Das Instrument der Azmari

Die Masenqo ist eng mit den Azmari verbunden, den Sängerinnen und Sängern, die ihre Verse improvisieren und dabei Gäste loben oder necken. Das Instrument ist leicht, robust und lässt sich überallhin mitnehmen. Früher zogen Azmari damit von Dorf zu Dorf, heute spielen sie in kleinen Lokalen und auf Festen. Mehr über ihre Kunst steht unter Azmari.

Wer genau hinhört erkennt die Masenqo auch in modernen aufnahmen, wo sie mit Keyboard, Schlagzeug und elektrischer Krar kombiniert wird. In Volksmusik, bei Hochzeiten und in der Musik der Diaspora ist sie nach wie vor präsent. Einen Überblick über Kirchengesang, Volksmusik und Ethio-Jazz gibt die Seite Äthiopische Musik und Tanz, weitere Begriffe sammelt das Äthiopien-Glossar.

Lernen und Pflege

Das Spiel auf der Masenqo wird traditionell vom Zuhören und Nachmachen gelernt, oft innerhalb einer Familie oder bei einem erfahrenen Azmari. Heute gibt es in Äthiopien auch Musikschulen, an denen das Instrument unterrichtet wird. Am schwierigsten ist für Anfänger, die Saite nur seitlich zu berühren und trotzdem saubere Töne zu treffen. Dazu kommt die Bogenführung, denn der Ton soll gleichmäßig klingen.

Die Saite aus Rosshaar verändert sich mit Wärme und Feuchtigkeit. Deshalb wird vor jedem Spiel nachgestimmt. Auch die Hautbespannung reagiert auf das Wetter und klingt an feuchten Tagen dumpfer. Gute Instrumente werden in Äthiopien von Handwerkern gebaut, die oft selbst spielen und wissen, worauf es beim Klang ankommt.

Wo du sie hören kannst

In Äthiopien hörst du die Masenqo in Azmari Bet, bei Festen und in kulturellen Programmen. In Deutschland treten bei Kulturveranstaltungen, Gemeindefesten und Konzerten der äthiopischen und eritreischen Gemeinschaft gelegentlich Musikerinnen und Musiker mit Masenqo auf. Auch in Museen mit musikethnologischen Sammlungen sind Instrumente zu sehen. Und wer zu Hause hören möchte, findet viele Aufnahmen auf den üblichen Musikplattformen.

Häufige Fragen

Wie viele Saiten hat eine Masenqo?

Nur eine. Die Töne entstehen, indem die Finger die Saite seitlich berühren und so ihre schwingende Länge verändern.

Ist die Masenqo eine Geige?

Sie ist ein Streichinstrument wie die Geige, aber anders gebaut und gespielt: aufrecht, mit einer Saite und einem rautenförmigen Körper.

Ist die Masenqo schwer zu lernen?

Die ersten Töne gelingen schnell, saubere Melodien brauchen viel Übung. Schwierig sind vor allem die Bogenführung und das seitliche Greifen ohne Griffbrett. Wer schon Geige oder Cello spielt, hat beim Bogen einen kleinen Vorsprung.

Quellen

  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Musical Instruments und Azmari
  • Kay Kaufman Shelemay: Ethiopia, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians
  • Ethnologisches Museum Berlin, Sammlung Musikethnologie

Stand der Angaben: 3. November 2026