Auf einen Blick

Schreibung
ጠላ
Auch geschrieben
T’ella, Talla, Tela
Was es ist
traditionelles, selbst gebrautes Bier
Grundlage
Gerste, Mais, Hirse oder Teff, je nach Region
Würze
Blätter und Zweige des Gesho-Strauchs
Aussehen
trüb, bräunlich, oft leicht rauchig
Alkohol
meist niedrig, schwankt stark

Was Tella ist

Tella, auf Amharisch ጠላ, ist das traditionelle Bier Äthiopiens, das vor allem zu Hause gebraut wird. Es besteht aus Getreide, Wasser und Gesho, einem Strauch, dessen Blätter und Zweige für Bitterkeit sorgen und die Gärung unterstützen. Welches Getreide verwendet wird, hängt von der Region und dem ab, was gerade da ist. Häufig sind Gerste, Mais, Sorghumhirse oder Teff, oft in Mischungen.

Tella ist trüb, bräunlich und schmeckt anders als das Bier, das man aus Deutschland kennt. Es hat wenig Kohlensäure, einen leicht bitteren geschmack, eine säuerliche Note und häufig ein rauchiges Aroma. Wer Tella zum ersten Mal trinkt ist oft überrascht, wie wenig es mit einem Pils gemeinsam hat. In Tigray und Eritrea heißt ein ähnliches Getränk Siwa.

Wie Tella gebraut wird

Die Herstellung dauert mehrere Tage und folgt keinem einheitlichen Rezept. Zuerst werden die Gesho-Blätter getrocknet, zerstoßen und in Wasser eingeweicht. Getreide wird geröstet oder zu einem Fladenbrot gebacken, zerkleinert und nach und nach dazugegeben. Die Mischung gärt in großen tonkrügen, die vorher oft mit glimmendem olivenholz ausgeräuchert werden. Daher kommt der rauchige Geschmack, der für viele zu gutem Tella dazugehört.

Nach einigen Tagen wird das Getränk abgeseiht. Was am Boden des Gefäßes zurückbleibt wird in manchen Regionen als Viehfutter verwendet. Weil jede Familie ihr eigenes Rezept hat schmeckt Tella von Haus zu Haus anders. Mal ist es dünn und erfrischend, mal dick und kräftig. Der Alkoholgehalt ist meist niedrig, kann aber je nach Gärdauer stark schwanken.

Wann Tella getrunken wird

Tella gehört zu Festen und zum gemeinsamen Leben. Wenn ein Fest bevorsteht setzen viele Familien rechtzeitig einen Krug an, etwa vor Meskel, Timkat, Genna oder einer Hochzeit. Gästen ein Glas Tella anzubieten, ist eine freundliche geste und Teil der Gastfreundschaft. Auch bei Arbeiten, die die Nachbarschaft gemeinsam erledigt, etwa bei der Ernte oder beim Hausbau, steht oft Tella bereit. Welche Feste im Jahr gefeiert werden, zeigt die Seite Äthiopische Feste und Feiertage.

In Städten und Dörfern gibt es außerdem Tella Bet, wörtlich Tella-Haus. Das ist ein einfaches lokal, oft in einem Wohnhaus, in dem Tella ausgeschenkt wird. Hier treffen sich Nachbarn, reden und trinken gemeinsam.

Tella und Gemeinschaft

Tella ist eng mit dem Zusammenleben verbunden. In vielen orthodoxen Gemeinden gibt es religiöse Vereinigungen, Mahber genannt, deren Mitglieder sich regelmäßig am Tag eines bestimmten Heiligen treffen. Reihum lädt ein Mitglied die anderen ein und bewirtet sie mit Brot, Essen und Tella. Das stärkt die Nachbarschaft und schafft ein Netz gegenseitiger Hilfe. Auch bei Trauerfeiern und Gedenktagen wird Tella gereicht.

Zum Brauen braucht es Erfahrung, und das Wissen wird meist von Frauen in der Familie weitergegeben. Viele erinnern sich an den Geruch von Gesho und Rauch im Haus der Großmutter. In Städten wird Tella heute auch gekauft, aber selbst gemachtes gilt vielen als das bessere.

Tella, Tej und Flaschenbier

Tella wird oft mit Tej verwechselt, dem Honigwein, der ebenfalls mit Gesho hergestellt wird. Der Unterschied liegt in der Grundlage. Tej wird aus Honig vergoren, ist süßer, klarer und meist stärker. Tella beruht auf Getreide und ist eher herb. Mehr zum Honigwein steht im Glossar unter Tej. Wer den Honigwein selbst ansetzen möchte, findet eine Anleitung unter Tej selber machen.

Daneben gibt es in Äthiopien industriell gebrautes Flaschenbier, das in Bars und Restaurants überall erhältlich ist. Es hat mit Tella wenig gemeinsam. Ein stärkeres, gebranntes Getränk heißt Areke. Es wird aus ähnlichen Zutaten destilliert.

Annehmen oder ablehnen

Viele Menschen in Äthiopien trinken keinen Alkohol, etwa aus religiösen Gründen. Wer keinen Alkohol trinkt lehnt höflich ab, und das wird überall verstanden. Statt Tella bekommst du dann Wasser, Saft, Tee oder Kaffee. Wenn du Tella probierst, nimm am besten zunächst ein kleines Glas. Hinweise zum Umgang mit Einladungen stehen auf der Seite Gastfreundschaft und Etikette, weitere Begriffe sammelt das Äthiopien-Glossar. Auch beim Würzen spielt Tella eine Rolle: In manchen Familien wird damit die Paste Awaze angerührt.

Häufige Fragen

Wie viel Alkohol hat Tella?

Meist wenig. Der Gehalt schwankt aber stark, weil Tella zu Hause und nach eigenem Rezept gebraut wird.

Was ist Gesho?

Ein Strauch, dessen Blätter und Zweige für Tella und Tej verwendet werden. Er gibt Bitterkeit und hilft bei der Gärung, ähnlich wie Hopfen.

Kann man Tella in Deutschland kaufen?

Fertig abgefüllt kaum. Gelegentlich wird es bei Festen der äthiopischen und eritreischen Gemeinden ausgeschenkt. Manche Restaurants bieten es auf Nachfrage an, häufiger findest du dort Tej oder Flaschenbier. Gesho-Blätter zum Selberbrauen gibt es im Versandhandel.

Quellen

  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Ṭälla und Beverages
  • FAO: Traditional fermented foods and beverages, Fallbeispiele aus Äthiopien
  • Thomas Leiper Kane: Amharic-English Dictionary, Wiesbaden 1990, Eintrag zu ጠላ

Stand der Angaben: 3. November 2026