Ein kleines Land an der Meerenge
Dschibuti liegt am Golf von Aden, genau dort, wo das Rote Meer durch die Meerenge Bab al-Mandab in den Indischen Ozean übergeht. Das Land ist etwas größer als Hessen und hat rund eine Million Einwohner, von denen die meisten in der gleichnamigen Hauptstadt leben. Die beiden großen Bevölkerungsgruppen sind die Issa, die Somali sprechen, und die Afar, die auch in Äthiopien und Eritrea leben. Amtssprachen sind Französisch und Arabisch, fast alle Menschen sind Muslime.
Das Klima ist eines der heißesten der Welt. Die Temperaturen steigen im sommer oft über 40 Grad. Im Landesinneren liegt der Assalsee, ein Salzsee rund 155 Meter unter dem Meeresspiegel und damit der tiefste Punkt Afrikas. Die Landschaft aus Lava, Salz und Wüste ähnelt der Danakil-Senke auf äthiopischer Seite, die die Seite Danakil-Senke beschreibt.
Geschichte und Politik
Ende des 19. Jahrhunderts machte Frankreich das Gebiet zu seiner Kolonie, Französisch-Somaliland, später Französisches Territorium der Afar und Issa. Am 27. Juni 1977 wurde Dschibuti unabhängig. Seitdem haben nur zwei Präsidenten regiert: Hassan Gouled Aptidon bis 1999 und seitdem Ismaïl Omar Guelleh. Im April 2026 wurde Guelleh nach dem amtlichen Ergebnis mit rund 97 Prozent der Stimmen für eine sechste Amtszeit gewählt, nachdem zuvor eine Altersgrenze für das Amt aufgehoben worden war. Die Opposition ist schwach, unabhängige Medien gibt es kaum.
Bahn und Straße nach Addis Abeba
Die Verbindung zwischen beiden Ländern ist alt. Schon Kaiser Menelik II. gab 1894 einer französischen Gesellschaft die Konzession für eine Bahnlinie, die Dschibuti mit dem Hochland verband und 1917 Addis Abeba erreichte. Auf ihrem Weg entstand die Stadt Dire Dawa, wie die Seite Dire Dawa erzählt. Die alte Meterspurbahn verfiel im Laufe der Jahrzehnte.
2016 wurde eine neue, elektrifizierte Bahnstrecke eröffnet, gebaut und finanziert vor allem von chinesischen Unternehmen und Banken. Die Strecke ist rund 750 Kilometer lang und transportiert Container und Passagiere. Wer mit dem Zug von Addis Abeba nach Dschibuti fährt erlebt auf einer Reise den Abstieg vom kühlen Hochland in die heiße Wüste. Trotzdem fahren die meisten Waren weiter auf der Straße. Tag und Nacht rollen die lastwagen über die strecke durch Afar, oft in langen Kolonnen. Mehr zum Reisen im Land steht auf der Seite Transport vor Ort.
Das Tor für den äthiopischen Handel
Als Eritrea 1993 unabhängig wurde gewann Dschibuti an Bedeutung, und seit dem Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea 1998 ist der hafen von Dschibuti fast der einzige Weg für den äthiopischen Außenhandel. Nach gängigen Schätzungen laufen rund 90 Prozent der äthiopischen Importe und Exporte über Dschibuti. Kaffee, Sesam und Hülsenfrüchte gehen hinaus, Treibstoff, Weizen, Dünger, Maschinen und Konsumgüter kommen herein. Schnittblumen dagegen verlassen das Land fast alle per Luftfracht von Addis Abeba aus. Dschibuti hat seine Häfen in den letzten Jahrzehnten stark ausgebaut, mit Containerterminals, einem Mehrzweckhafen und Spezialhäfen.
Was Äthiopien an Gebühren zahlt ist für Dschibuti eine der wichtigsten Einnahmequellen, für Äthiopien dagegen ein großer Kostenfaktor. Genaue Zahlen werden nicht veröffentlicht, Schätzungen gehen von mehreren hundert Millionen bis über einer Milliarde Dollar im Jahr aus. Diese Abhängigkeit ist einer der Gründe, warum Äthiopien seit 2023 nach eigenen Wegen zum Meer sucht, wie die Seite Zugang zum Meer erklärt. In Dschibuti sorgte vor allem das Abkommen zwischen Äthiopien und Somaliland 2024 für Unruhe, weil es den Hafen hätte Konkurrenz machen können.
Strom und Wasser aus Äthiopien
Beide Länder sind enge Partner, und die Abhängigkeit geht in beide Richtungen. Weil das Land kaum Wasser hat bezieht Dschibuti seit 2017 Trinkwasser über eine Leitung aus dem Osten Äthiopiens. Auch ein großer Teil des Stroms kommt aus Äthiopien, aus Wasserkraftwerken im Hochland, über eine Leitung, die seit 2011 in Betrieb ist. Für Dschibuti ist das günstiger als Strom aus eigenen Dieselkraftwerken.
Soldaten aus aller Welt
Wegen seiner Lage an einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt ist Dschibuti ein gefragter Standort für Militär. Frankreich hat hier seit der Kolonialzeit Truppen, die USA betreiben ihren größten Stützpunkt in Afrika, dazu kommen Japan, Italien und weitere Staaten. 2017 eröffnete China hier einen stützpunkt, sein erster außerhalb des eigenen Landes. Die Pachtzahlungen bringen dem kleinen Staat erhebliche Einnahmen. Mehr zur Bedeutung der Region steht auf der Seite Horn von Afrika.
Ausblick
Ob Dschibuti seine Rolle behält hängt davon ab, ob Äthiopien andere Häfen erschließt, etwa in Somaliland, Kenia oder Eritrea, und wie sich die Spannungen in der Region entwickeln. Bisher ist keine Alternative in Sicht, die den Hafen von Dschibuti ersetzen könnte. Für Reisende ist Dschibuti meist über Addis Abeba erreichbar, für die Einreise gelten eigene Regeln, die das Auswärtige Amt beschreibt.
Häufige Fragen
Warum ist Dschibuti so wichtig für Äthiopien?
Weil Äthiopien keinen eigenen Hafen hat und rund 90 Prozent seines Außenhandels über den Hafen von Dschibuti abwickelt.
Gibt es eine Bahn von Addis Abeba nach Dschibuti?
Ja. Seit 2016 verbindet eine elektrifizierte Strecke von rund 750 Kilometern beide Hauptstädte, für Güter und Passagiere.
Welche Sprachen spricht man in Dschibuti?
Amtssprachen sind Französisch und Arabisch. Im Alltag sprechen die meisten Menschen Somali oder Afar.
Quellen
- Port de Djibouti und Djibouti Ports and Free Zones Authority: Häfen und Terminals
- Ethio-Djibouti Railways: Strecke Addis Abeba bis Dschibuti
- Weltbank: Djibouti, Länderinformationen
- Associated Press: amtliches Endergebnis der Präsidentschaftswahl in Dschibuti, April 2026
- Auswärtiges Amt: Dschibuti, Länderinformationen und Reisehinweise
Stand der Angaben: 3. November 2026




