Reiselage am 2. November 2026
Teilweise Warnung Region: Afar, Oromia
Je nach Teilgebiet gilt eine Reisewarnung oder das Abraten von Reisen. Dieser Text beschreibt den Ort und seine Geschichte. Er ist keine Empfehlung, jetzt dorthin zu reisen. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung beim Auswärtigen Amt (öffnet neues Fenster). Hintergründe sammelt die Seite Sicherheit und Reisehinweise für Äthiopien.
Ein Fluss ohne Mündung
Der Awash entspringt im Hochland westlich von Addis Abeba. Er fließt zunächst nach Süden, dann nach Osten in den Grabenbruch und schließlich nach Nordosten durch die Afar-Senke. Nach mehr als 1.000 Kilometern endet er in einer Kette von Salzseen nahe der Grenze zu Dschibuti, zuletzt im Abbe-See. Wer dem Fluss auf der Karte folgt sieht, dass er das Rote Meer nie erreicht, obwohl es nicht weit entfernt ist. Was vom Wasser übrig bleibt verdunstet in der Hitze der Senke.
Für viele Menschen im Osten des Landes ist der Awash lebenswichtig. An seinem Oberlauf staut der Koka-Damm das Wasser für Strom und Bewässerung. Weiter unten liegen große Zuckerrohrplantagen, Obstfarmen und Felder. Gleichzeitig nutzen Viehhalter seit jeher seine Ufer als Weide und Wasserstelle. Der Fluss ist deshalb auch eine Quelle von Konflikten um Land und Wasser.
Eine Flusslandschaft im Wandel
Je nach Abschnitt sieht der Awash ganz anders aus, und kaum eine Flusslandschaft im Land ist so abwechslungsreich. Im Hochland ist er ein schmaler Fluss zwischen Feldern und Eukalyptushainen. Im Grabenbruch wird das Tal breiter und wärmer, Akazien und Dornbüsche säumen das Ufer, dazwischen liegen Bewässerungskanäle und Plantagen. In der Afar-Senke schließlich windet sich der Fluss durch eine fast baumlose Ebene, gesäumt von einem schmalen grünen Band aus Doumpalmen und Tamarisken. Dieses grüne Band ist für Mensch und Tier lebenswichtig, denn abseits des Flusses gibt es oft kilometerweit kein Wasser. Natur und Nutzung liegen hier eng beieinander: Wo heute Zuckerrohr wächst, war vor wenigen Jahrzehnten noch Weideland mit Wildtieren.
Der Awash-Nationalpark
Etwa 200 Kilometer östlich von Addis Abeba liegt der Awash-Nationalpark, gegründet 1966 und einer der ältesten des Landes. Er umfasst eine weite, trockene Ebene aus Grasland und Akazien, durchzogen vom Fluss. Im Süden fließt der Awash durch eine Schlucht und stürzt über einen Wasserfall. Wenn der Fluss viel Wasser führt ist das Rauschen schon von Weitem zu hören.
Im Zentrum des Parks erhebt sich der Fantale, ein Vulkan von rund 2.000 Metern Höhe. Er hat einen krater von mehreren Kilometern Durchmesser, aus dem an manchen Stellen noch Dampf aufsteigt. An seinen Flanken liegen Lavafelder aus jüngeren Ausbrüchen. Im Norden des Parks gibt es heiße Quellen, an denen warmes wasser in kleinen, türkisfarbenen Becken zwischen Palmen austritt.
Tiere
Das bekannteste Tier des Parks ist die Beisa-Oryx, eine Antilope mit langen, geraden hörnern und schwarz-weißer Gesichtszeichnung. Dazu kommen Soemmerring-Gazellen, Kudus, kleine Dikdiks, Warzenschweine und mehrere Affenarten. Im Park treffen zwei Pavianarten aufeinander, Mantelpaviane und Anubispaviane, die sich hier auch miteinander kreuzen. Forscher beobachten diese Zone seit Jahrzehnten.
Für Vogelfreunde ist der Park ein lohnendes Ziel, mit hunderten Arten, darunter Strauße, Trappen, Hornvögel und viele Greifvögel. Große Raubtiere wie Löwen und Geparden sind selten geworden. Wilderei und die Konkurrenz mit den Herden der Viehhalter haben die Bestände vieler Arten stark verringert.
Viehhalter am Fluss
Rund um den Park leben vor allem Karrayu, eine Gruppe der Oromo, und Afar. Beide sind traditionell Viehhalter, die mit Rindern, Kamelen und Ziegen zwischen Weideplätzen wandern. Durch Plantagen, den Park und die Ausbreitung von Siedlungen ist ihr Weideland kleiner geworden. In Trockenzeiten ziehen die herden oft in den Park, was zu Spannungen mit der Parkverwaltung führt. Über die Afar und ihre Lebensweise steht mehr auf der Seite zur Danakil-Senke.
Ein weiteres Problem ist der Basaka-See bei Metehara. Er wächst seit Jahrzehnten, wahrscheinlich wegen veränderter Grundwasserströme durch die Bewässerung. Sein salziges wasser hat Weideland überflutet und bedroht Straße und Bahnlinie.
Fluss, Park und Welterbe auseinanderhalten
Oft wird alles, was mit dem Awash zu tun hat, in einen Topf geworfen. Dabei gibt es drei verschiedene Dinge:
- Der Fluss fließt durch mehrere Regionen vom Hochland bis nach Afar.
- Der Awash-Nationalpark ist ein Naturschutzgebiet im mittleren Abschnitt, rund 200 Kilometer östlich von Addis Abeba.
- Das untere Tal des Awash ist seit 1980 Welterbe, liegt aber viel weiter nördlich in der Afar-Senke und ist eine Fundstätte von Fossilien.
Im unteren Tal liegt Hadar, wo Forscher eines der bekanntesten Fossilien der Welt fanden. Als 1974 die Knochen von Lucy entdeckt wurden war das eine Sensation: ein großer Teil eines Skeletts, über drei Millionen Jahre alt, von einem Vormenschen, der aufrecht ging. Lucy ist heute im Nationalmuseum in Addis Abeba zu sehen, dort allerdings als Abguss. Auch weiter flussaufwärts, im mittleren Awash, wurden wichtige Fossilien gefunden. Mehr zu den Welterbestätten steht auf der Seite UNESCO-Welterbe in Äthiopien.
An der Strecke nach Osten
Der Park liegt an der Hauptverbindung von Addis Abeba nach Dire Dawa und Dschibuti. Auch die Bahnlinie nach Dschibuti führt durch die Gegend. Für viele Lastwagen auf dem Weg zum Hafen ist das Gebiet Durchgangsstation. Weiter östlich erreicht man über diese Strecke Harar und seine Altstadt.
Lage und Zugang
Die Einstufung des Auswärtigen Amts ist hier gemischt. Für Afar gilt eine Reisewarnung, ausgenommen ist nur die Straße von Addis Abeba nach Dire Dawa. Für die Teile in Oromia wird von nicht notwendigen Reisen abgeraten. Das untere Awash-Tal liegt im Warngebiet. Wer im Park unterwegs ist braucht ohnehin einen bewaffneten Scout, und Fahrten abseits der Hauptstraße sollten nur mit lokaler Begleitung stattfinden. Es ist heiß, vor allem in den Monaten vor der Regenzeit. Einen Überblick über alle Ziele gibt die Seite Reiseziele in Äthiopien.
Häufige Fragen
Wo endet der Awash?
In Salzseen nahe der Grenze zu Dschibuti, zuletzt im Abbe-See. Er erreicht das Meer nicht.
Wurde Lucy im Awash-Nationalpark gefunden?
Nein. Lucy wurde 1974 bei Hadar im unteren Tal des Awash gefunden, weit nördlich des Nationalparks.
Welche Tiere leben im Awash-Nationalpark?
Unter anderem Beisa-Oryx, Soemmerring-Gazellen, Kudus, Dikdiks, Paviane und viele Vogelarten.
Quellen
- Ethiopian Wildlife Conservation Authority: Awash National Park
- UNESCO World Heritage Centre: Lower Valley of the Awash
- Auswärtiges Amt: Äthiopien, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 2. November 2026
- Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Awash
Stand der Angaben: 3. November 2026


