Was Tibs ausmacht

Tibs heißt so viel wie gebraten. Gemeint ist gebratenes Fleisch in mundgerechten Stücken, das in einer heißen Pfanne mit Zwiebeln, Knoblauch und grüner Chili gebraten wird. Meist ist es Rind, oft auch Lamm oder Ziege. Rosmarin gibt dem Gericht seinen typischen Duft, und je nach Region und Küche kommt Berbere, Tomate oder ein Löffel Gewürzbutter dazu. Wer Tibs im Restaurant bestellt bekommt es häufig in einer kleinen Tonpfanne oder auf einem Kohlebecken serviert, damit es heiß bleibt.

Es gibt viele Spielarten. Siga Tibs ist Rindfleisch, Yebeg Tibs ist Lamm, Awaze Tibs wird mit einer scharfen Würzpaste gebraten, Shekla Tibs kommt in einem Tontopf mit Glut an den Tisch. Welche Namen dir auf einer Karte begegnen können, erklärt der Glossarbeitrag Tibs. Das Rezept hier ist die einfache Grundform für zu Hause.

Die Rezepte

Siga Tibs mit Rindfleisch

Zeit gesamt etwa 30 MinutenVorbereitung 15 Minuten, Kochzeit 15 Minuten2 bis 3 Portionen

Zutaten

  • 400 g Rindfleisch aus der Hüfte oder Oberschale
  • 1 große rote Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 bis 2 grüne Chilischoten
  • 1 Tomate
  • 2 Zweige frischer Rosmarin
  • 2 EL Niter Kibbeh oder 3 EL Öl
  • 1 TL Berbere (nach Belieben)
  • Salz und schwarzer Pfeffer

Zubereitung

  1. Fleisch trocken tupfen und in Würfel von etwa 2 cm schneiden. Sehnen und grobes Fett entfernen.
  2. Zwiebel in Streifen schneiden, Knoblauch hacken, Chili längs halbieren und in Stücke schneiden, Tomate würfeln.
  3. Eine schwere Pfanne stark erhitzen und das Fleisch ohne Fett in zwei Portionen 3 bis 4 Minuten scharf anbraten, bis es Farbe hat. Herausnehmen.
  4. Hitze etwas reduzieren, Niter Kibbeh oder Öl in die Pfanne geben, Zwiebel 3 Minuten braten, Knoblauch und Rosmarin kurz mitbraten.
  5. Fleisch, Chili, Tomate und nach Belieben Berbere dazugeben und unter Schwenken 2 bis 3 Minuten braten. Das Fleisch soll innen noch saftig sein.
  6. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und sofort in der Pfanne oder auf Injera servieren.

Awaze-Dip

Zeit gesamt etwa 5 MinutenVorbereitung 5 Minuten, Kochzeit 0 Minuten1 kleine Schalevegan

Zutaten

  • 2 EL Berbere
  • 2 EL Öl
  • 1 EL Zitronensaft
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gerieben
  • 2 bis 3 EL Wasser
  • 1 Prise Salz

Zubereitung

  1. Alle Zutaten in einer kleinen Schale glatt rühren.
  2. So viel Wasser zugeben, bis eine dicke, glänzende Paste entsteht.
  3. 10 Minuten ziehen lassen und zum Fleisch servieren.

Das richtige Fleisch

Für Tibs eignet sich Fleisch, das kurz gebraten zart bleibt. Gut sind Hüfte, Oberschale oder ein Stück aus dem Roastbeef. Beim metzger kannst du nach Fleisch zum Kurzbraten fragen und es gleich in Würfel schneiden lassen. Lamm aus der Keule funktioniert ebenso gut und ist in Äthiopien sehr beliebt. Schmorfleisch wie Gulasch aus der Schulter wird bei dieser kurzen Garzeit dagegen zäh.

Wichtig ist eine richtig heiße Pfanne. Am besten nimmst du eine schwere gusspfanne oder eine Pfanne aus Edelstahl. Wenn zu viel Fleisch auf einmal in der Pfanne liegt kocht es im eigenen Saft statt zu braten. Deshalb lieber in zwei Portionen arbeiten und das Fleisch zwischendurch herausnehmen.

Tempo und Reihenfolge

Weil Tibs so schnell geht sollte alles geschnitten bereitstehen, bevor die Pfanne auf den Herd kommt. Zwiebeln, Knoblauch, Chili, Tomate und Rosmarin liegen griffbereit, und die Injera oder das Brot ist schon auf dem Tisch. Ein paar zweige Rosmarin reichen, frischer ist hier deutlich besser als getrockneter. Mit Niter Kibbeh schmeckt das Gericht runder und typischer. Wie du die gewürzte Butter selbst herstellst, erklärt die Seite Niter Kibbeh selbst machen.

Hand tunkt ein Stück Injera in eine rote Würzpaste, dahinter eine Pfanne mit gebratenem Fleisch
Awaze steht oft in einem Schälchen neben dem Fleisch, jeder tunkt nach Geschmack.

Die Schärfe kommt vor allem von der grünen Chili und, wenn du magst, vom Dip. Viele servieren Tibs eher mild und stellen eine kleine schüssel mit Awaze oder Mitmita dazu, damit sich jeder selbst nachwürzt. Was am Ende in der Pfanne zurückbleibt wischst du mit einem Stück Injera auf. Das ist oft der beste Bissen.

Vegane Variante mit Pilzen

Wer kein Fleisch isst muss auf Tibs nicht verzichten. In Äthiopien gibt es Pilz-Tibs, die vor allem in der Fastenzeit gegessen werden. Statt Rind nimmst du 400 g Pilze, etwa mit braunen champignons oder Kräuterseitlingen, in grobe Stücke geschnitten. Die Pilze brätst du ebenfalls in zwei Portionen sehr heiß an, bis sie Farbe haben und ihr Wasser verdampft ist. Danach geht es weiter wie im Rezept, nur mit Öl statt Butter. Auch fester Tofu lässt sich so zubereiten. Weitere Ideen für eine Platte ohne tierische Zutaten stehen auf der Seite über äthiopisch vegan essen.

Servieren

Tibs schmeckt am besten direkt aus der Pfanne. Dazu gehören Injera, ein frischer Salat und gern ein Gemüsegericht. Wer eine größere Platte für Gäste plant, kombiniert Tibs mit einem Eintopf wie Doro Wot oder Kik Alicha. In Äthiopien trinkt man dazu häufig Tej, den Honigwein, oder Bier. Und zum Abschluss gibt es Kaffee, oft mit einer kleinen Zeremonie. Wenn du lieber erst einmal im Restaurant probieren möchtest, findest du Lokale im Restaurantverzeichnis. Selbst gemachten Honigwein dazu zeigt die Seite Tej selber machen.

Beim Fleisch gilt wie immer: sauber arbeiten, Brettchen nach dem rohen Fleisch heiß abwaschen und Reste rasch kühlen. Im Kühlschrank hält sich Tibs einen Tag, wird beim Aufwärmen aber fester.

Häufige Fragen

Welches Fleisch nimmt man für Tibs?

Meist Rind oder Lamm, in Stücken, die kurz gebraten zart bleiben, etwa aus der Hüfte oder der Keule.

Ist Tibs scharf?

Die Grundform ist eher mild. Schärfe kommt über grüne Chili, Berbere oder einen Dip wie Awaze dazu.

Quellen

  • Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Ṭəbs und Food
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Verbrauchertipps zum Schutz vor Lebensmittelinfektionen

Stand der Angaben: 3. November 2026