Auf einen Blick
- Schreibung
- ታቦት
- Auch geschrieben
- Tabbot, Tabota
- Was es ist
- geweihte Tafel aus Holz oder Stein
- Steht für
- die Gesetzestafeln und die Bundeslade
- Wer ihn sehen darf
- nur Priester
- Öffentlich
- verhüllt bei Prozessionen, etwa zu Timkat
Was ein Tabot ist
Ein Tabot, auf Amharisch ታቦት, ist eine geweihte Tafel, meist aus Holz, manchmal aus Stein. Sie trägt eine Inschrift, oft den Namen des Heiligen oder der Heiligen, dem die Kirche geweiht ist, und ein Kreuz. In der äthiopisch-orthodoxen Kirche steht der Tabot für die steinernen Gesetzestafeln, die Mose nach biblischer Überlieferung empfing, und für die Bundeslade, in der sie aufbewahrt wurden. Die Mehrzahl lautet Tabotat.
Der Tabot ist kein Bild und keine Reliquie im europäischen Sinn. Er ist ein geweihter Gegenstand, der in der Liturgie eine zentrale Rolle spielt. Auf ihm wird die Eucharistie gefeiert. Ohne Tabot ist ein Gebäude, so schön es sein mag keine Kirche. Erst mit der Weihe eines Tabots wird es zu einem geweihten Ort. Jede Kirche hat mindestens einen Tabot, viele haben mehrere, jeweils einem Heiligen oder einer heiligen gewidmet, etwa Maria, dem Erzengel Michael oder dem heiligen Georg.
Der Tabot in der Kirche
Viele äthiopisch-orthodoxe Kirchen sind in drei Bereiche gegliedert, oft in konzentrischen Kreisen um einen inneren Raum. Im innersten Bereich, dem Allerheiligsten, auf Ge’ez Meqdes, wird der Tabot aufbewahrt. Nur Priester und Diakone dürfen diesen Raum betreten, und nur Priester dürfen den Tabot sehen. Wer eine äthiopische Kirche betritt sieht deshalb nie den Tabot selbst, sondern höchstens den Vorhang oder die Wand, hinter der er liegt.
Diese Verborgenheit gehört zum Wesen des Gegenstands. Sie drückt Ehrfurcht aus. Es ist deshalb nicht angemessen, nach dem Tabot zu fragen, ihn sehen zu wollen oder ihn als Sehenswürdigkeit zu betrachten. Mehr zum Glauben im Land steht auf der Seite Religionen in Äthiopien, zu den berühmten Felsenkirchen auf der Seite über Lalibela.
Der Tabot bei Festen
An bestimmten Tagen verlässt der Tabot die Kirche. Das geschieht an den Festtagen des Heiligen, dem die Kirche geweiht ist, und vor allem bei Timkat, dem Fest der Taufe Jesu im Januar. Wenn der Tabot die Kirche verlässt geschieht das immer verhüllt. Er wird in kostbare tücher eingeschlagen und von einem Priester auf dem kopf getragen. Über ihm halten Diakone bunte schirme, Gläubige singen, trommeln und tanzen. Was die Gläubigen bei Timkat sehen ist also nicht der Tabot selbst, sondern das verhüllte Bündel, das ihn umgibt.
Bei Timkat ziehen die Tabotat der Kirchen eines Ortes am Vorabend zu einem Wasser, einem Fluss, einem Becken oder einem See. Dort verbringen sie die Nacht in einem Zelt, begleitet von Gebeten und Gesängen. Am Morgen wird das Wasser gesegnet, und die Gläubigen erinnern an die Taufe. Danach kehren die Tabotat in feierlichen Prozessionen in ihre Kirchen zurück. Ausführlich beschreibt das die Seite Timkat, das Fest der Taufe. Besonders bekannt sind die Feiern in Gondar am Bad des Fasilidas. Viele Gläubige tragen an diesem Tag Weiß, etwa das Kleid, das im Glossar unter Habesha beschrieben ist.

Die Überlieferung von Aksum
Nach äthiopischer Überlieferung befindet sich die ursprüngliche Bundeslade in Aksum, in einer Kapelle neben der Kirche der Heiligen Maria von Zion. Ein einzelner Mönch bewacht sie, und niemand sonst darf sie sehen. Das Kebra Nagast, ein Werk aus dem Mittelalter, erzählt, wie Menelik, der Sohn der Königin von Saba und König Salomos, die Lade nach Äthiopien brachte. Für viele Gläubige ist das eine zentrale Glaubensüberzeugung. Überprüfen lässt sich die Überlieferung nicht, und es ist auch nicht unsere Aufgabe, sie zu bewerten. Wichtig ist, sie als religiöse Überzeugung mit Respekt zu behandeln. Wer sie Gästen erklären möchte, beschreibt am besten, was Gläubige glauben, statt darüber zu urteilen.
Tabotat in fremden Sammlungen
Im Jahr 1868 plünderten britische Truppen nach der Schlacht von Maqdala zahlreiche Gegenstände, darunter auch Tabotat. Einige davon befinden sich bis heute in britischen Sammlungen. Das British Museum stellt sie aus Respekt vor ihrer religiösen Bedeutung nicht aus und gewährt keinen Zugang. Einzelne Tabotat wurden in den vergangenen Jahrzehnten aus Kirchen und Sammlungen nach Äthiopien zurückgegeben. Die Forderung nach Rückgabe der übrigen wird von der Kirche und von Äthiopien seit Langem erhoben. Ein Tabot gehört nach orthodoxem Verständnis in eine Kirche, nicht in ein museum.
Respektvoll als Gast
Wer als Gast eine Prozession erlebt, ist meist herzlich willkommen. Ein paar Dinge helfen trotzdem. Halte Abstand zum Priester, der den Tabot trägt, und dränge dich nicht nach vorn. Bevor du eine Prozession fotografierst beobachte, wie sich andere verhalten, und frag im Zweifel. Blitzlicht und Drohnen sind fehl am Platz, Drohnen sind in Äthiopien zudem streng reglementiert. In Kirchen gelten Regeln für Kleidung und Schuhe, die auf der Seite Gastfreundschaft und Etikette erklärt werden. Weitere Begriffe sammelt das Äthiopien-Glossar.
Häufige Fragen
Kann man einen Tabot sehen?
Nein. Nur Priester dürfen ihn sehen. Bei Prozessionen wird er verhüllt getragen.
Ist der Tabot die Bundeslade?
Er steht symbolisch für die Gesetzestafeln und die Bundeslade. Nach äthiopischer Überlieferung liegt die ursprüngliche Lade in Aksum.
Quellen
- Encyclopaedia Aethiopica, Artikel Tabot
- Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche: Grundlagen zu Kirche und Liturgie
- British Museum: Stellungnahme zu den Tabotat aus Maqdala in der Sammlung
Stand der Angaben: 3. November 2026

