Ein kleines Land am Roten Meer
Eritrea und Äthiopien sind Nachbarn mit gemeinsamer Geschichte. Eritrea liegt im Norden Äthiopiens am Roten Meer Wie viele Menschen dort leben, weiß niemand genau, weil es nie eine Volkszählung gab. Die Schätzungen reichen von rund 3,5 bis über 6 Millionen. Das Land reicht vom kühlen Hochland, in dem die hauptstadt Asmara auf rund 2.300 Metern liegt, bis zur heißen Küste mit der Hafenstadt Massawa und den Dahlak-Inseln. Gesprochen werden neun Sprachen, am meisten verbreitet sind Tigrinya und Tigre, Arabisch und Englisch dienen als Arbeitssprachen. Etwa die Hälfte der Menschen sind Christen, die meisten orthodox, die andere Hälfte Muslime.
Momentaufnahme vom 3. November 2026
Das Verhältnis zwischen Äthiopien und Eritrea ist angespannt und ändert sich schnell. Truppenbewegungen, Grenzlage und Erklärungen können innerhalb weniger Wochen anders aussehen. Diese Seite beschreibt den Stand zum genannten Datum und wird regelmäßig überprüft. Für Reiseentscheidungen gelten allein die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts.
Wer durch Asmara spaziert fühlt sich manchmal nach Italien versetzt. Die Stadt wurde in der Kolonialzeit vor allem in den 1930er Jahren im Stil der Moderne gebaut, mit Kinos, Cafés, Tankstellen und Wohnhäusern, die zum großen Teil erhalten sind. 2017 nahm die UNESCO die Altstadt von Asmara als Beispiel einer modernistischen afrikanischen Stadt in die Liste des Welterbes auf. In den Cafés wird bis heute Espresso und Macchiato getrunken.
Vom Kolonialgebiet zum eigenen Staat
Das Hochland Eritreas gehörte über Jahrhunderte zum Einflussgebiet äthiopischer Reiche, die Küste stand lange unter osmanischer und ägyptischer Herrschaft. 1890 erklärte Italien das Gebiet zur Kolonie und gab ihr den Namen Eritrea, nach dem lateinischen Namen des Roten Meeres. Später wurde die kolonie zur Basis für den italienischen Angriff auf Äthiopien 1935. Nach der Niederlage Italiens 1941 verwaltete Großbritannien das Land. Wie die Besatzung Äthiopiens ablief, erzählt die Seite Italienische Besatzung.
1952 wurde Eritrea auf Beschluss der Vereinten Nationen als autonome Einheit mit Äthiopien föderiert. Es hatte ein eigenes Parlament und eine verfassung, doch Addis Abeba höhlte die Autonomie Schritt für Schritt aus. Schon 1961 begann der bewaffnete Kampf. Als Haile Selassie 1962 die Föderation beendete griffen immer mehr Menschen zu den Waffen. Es folgte ein dreißigjähriger Unabhängigkeitskrieg, zuerst gegen den Kaiser, dann gegen den Derg. 1991 siegte die Eritreische Volksbefreiungsfront gemeinsam mit den Rebellen aus Tigray. Im April 1993 brachte ein referendum ein eindeutiges Ergebnis: Fast alle Wählerinnen und Wähler stimmten für die Unabhängigkeit, die am 24. Mai 1993 erklärt wurde.
Wie Eritrea regiert wird
Seit der Unabhängigkeit regiert Isaias Afwerki, der frühere Anführer der Befreiungsfront, als Präsident. Seine Partei ist die einzige zugelassene. Wahlen auf nationaler Ebene hat es nie gegeben. 1997 verabschiedete eine Versammlung zwar einen Verfassungstext, er trat aber nie in Kraft. Unabhängige Zeitungen wurden 2001 verboten, Journalisten und Politiker, die Reformen forderten, verschwanden ohne Prozess in Gefängnissen. Organisationen für Pressefreiheit führen Eritrea seit Jahren auf einem der letzten Plätze ihrer Ranglisten.
Weil der Nationaldienst kein Ende hat fliehen jedes Jahr Tausende junge Menschen aus dem Land. Offiziell dauert der Dienst achtzehn Monate, in der Praxis werden viele auf unbestimmte Zeit verpflichtet, als Soldaten oder als schlecht bezahlte Arbeitskräfte. Die Vereinten Nationen haben die Bedingungen wiederholt als schwere Menschenrechtsverletzungen bezeichnet. Eritreerinnen und Eritreer gehören seit Jahren zu den größeren Gruppen von Geflüchteten in Europa, auch in Deutschland, und mehr als hunderttausend leben in Lagern und Städten in Äthiopien. Mehr dazu auf der Seite Flüchtlinge in Äthiopien.
Eritrea und Äthiopien
Die Beziehung zwischen beiden Ländern ist seit 1993 von Höhen und Tiefen geprägt. Auf eine kurze Zeit der Freundschaft folgte von 1998 bis 2000 ein verlustreicher Krieg um die grenze und danach fast zwanzig Jahre Stillstand. 2018 schlossen Abiy Ahmed und Isaias überraschend Frieden. Im Krieg in Tigray kämpften eritreische Truppen dann an der Seite der äthiopischen Armee. Die ganze Geschichte erzählt die Seite Eritrea-Krieg 1998 bis 2000.
Nach dem Abkommen von Pretoria 2022, an dem Eritrea nicht beteiligt war, kühlte das Verhältnis ab. Als Äthiopien ab 2023 offen einen Zugang zum Roten Meer forderte, sah Eritrea darin eine Bedrohung, vor allem für seinen Hafen Assab. Eritrea vertiefte seine Beziehungen zu Ägypten. Am 1. Oktober 2026 schloss Äthiopien seine Botschaft in Asmara und wies eritreische Diplomaten aus, Eritrea brach daraufhin die Beziehungen ab. Äthiopien begründete den Schritt mit feindseligen Handlungen und wirft Eritrea vor, gemeinsam mit anderen Staaten die Rebellen im eigenen Land zu unterstützen. Eritrea weist das zurück und wirft Äthiopien seinerseits vor, eritreische Oppositionsgruppen zu bewaffnen und Assab erobern zu wollen. Was in Asmara entschieden wird entscheidet deshalb auch über Krieg und Frieden in Äthiopien. Mehr dazu auf der Seite Zugang zum Meer.
Gemeinsame Kultur
Trotz aller politischen Feindschaft sind sich die Menschen auf beiden Seiten der Grenze oft sehr nah. Im Hochland Eritreas und in Tigray spricht man dieselbe Sprache, feiert dieselben orthodoxen Feste und isst dieselben Gerichte. Injera, Zigni, ein scharfer Eintopf, Shiro und Kaffeezeremonien gehören in beiden Ländern zum Alltag. Viele Familien haben Verwandte auf beiden Seiten. In Deutschland gibt es neben äthiopischen auch viele eritreische Restaurants, die oft sehr ähnlich kochen. Was die beiden Küchen unterscheidet, beschreibt die Seite Restaurants in Berlin.
Ausblick
Ob es zu einem neuen Krieg kommt ist zum genannten Datum offen. Beobachter warnen vor einer Eskalation an der Grenze und rund um Assab. Die Afrikanische Union, die Vereinten Nationen und mehrere Staaten rufen beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Die Übergänge zwischen beiden Ländern sind faktisch geschlossen, und das Auswärtige Amt warnt vor Aufenthalten im Grenzgebiet.
Häufige Fragen
Seit wann ist Eritrea unabhängig?
Seit dem 24. Mai 1993, nach einem dreißigjährigen Unabhängigkeitskrieg und einem Referendum im April 1993.
Wer regiert Eritrea?
Präsident Isaias Afwerki, seit der Unabhängigkeit 1993. Es gibt nur eine zugelassene Partei, Wahlen auf nationaler Ebene fanden nie statt.
Sind eritreisches und äthiopisches Essen gleich?
Sehr ähnlich, vor allem im Hochland. Beide Küchen kennen Injera, scharfe Eintöpfe und die Kaffeezeremonie. Unterschiede gibt es bei Namen und manchen Gerichten, etwa durch italienische Einflüsse in Eritrea.
Quellen
- UNESCO-Welterbezentrum: Asmara, a Modernist African City, Eintrag 2017
- UN-Menschenrechtsrat: Berichte des Sonderberichterstatters zur Lage der Menschenrechte in Eritrea
- Dan Connell und Tom Killion: Historical Dictionary of Eritrea, 2. Auflage, Lanham 2011
- International Crisis Group: Berichte zu Äthiopien und Eritrea, 2024 bis 2026
- Auswärtiges Amt: Eritrea, Reise- und Sicherheitshinweise
Stand der Angaben: 3. November 2026




