Vom Kaiser im Film zum Helfer in Äthiopien
Karlheinz Böhm wurde 1928 in Darmstadt geboren, als Sohn des Dirigenten Karl Böhm. Wer in den 1950er Jahren ins Kino ging kannte ihn als Kaiser Franz Joseph an der Seite von Romy Schneider in den Sissi-Filmen. Später spielte er in internationalen Produktionen, etwa in dem britischen Thriller Peeping Tom von 1960, und in vier Filmen von Rainer Werner Fassbinder. Doch die Rolle des jungen Kaisers verfolgte ihn sein ganzes Berufsleben, und er suchte nach etwas anderem.
Die Wette von 1981
Am 16. Mai 1981 war Böhm Gast in der ZDF-Sendung „Wetten, dass..?“. Er wettete, dass nicht jeder dritte Zuschauer eine mark, einen Franken oder sieben Schilling für die Menschen in der Sahelzone spenden würde. Sollte er gewinnen, wollte er selbst nach Afrika gehen und helfen. Die Wette ging in seinem Sinn aus: Nicht jeder Dritte spendete, aber es kamen rund 1,2 Millionen Mark zusammen. Böhm hielt Wort.
Als Böhm im Oktober 1981 zum ersten Mal nach Äthiopien reiste kam er in ein Lager bei Babile im Osten des Landes, nicht weit von Harar. Dort lebten rund 1.500 Halbnomaden, die vor Dürre und Krieg geflohen waren. Am 13. November 1981 gründete er die Stiftung Menschen für Menschen. Ab 1982 entstand im nahen Erer-Tal das erste Projekt, in dem rund 2.100 Menschen ein neues Zuhause mit Feldern, Wasser und einer Schule fanden. Mehr über die Region steht auf der Seite Harar.
Die Hungerjahre
Die ersten Jahre fielen in die Zeit der großen Dürre und Hungersnot. 1984 versorgte die Stiftung nach eigenen Angaben Hunderttausende Menschen mit Nahrung. Mitte der 1980er Jahre unterstützte sie auch Menschen, die der Derg aus dem Norden in den Westen des Landes umsiedeln ließ, unter anderem in der damaligen Provinz Illubabor. Diese Umsiedlungen waren umstritten, wie die Seite Hungersnot 1984 beschreibt. Für die Betroffenen ging es dennoch ums Überleben in einer fremden Umgebung.
Der Ansatz: integrierte ländliche Entwicklung
Was die Stiftung von vielen anderen unterscheidet ist ihr Ansatz. Sie konzentriert sich auf ein ganzes gebiet und arbeitet dort viele Jahre lang an mehreren Themen gleichzeitig: Landwirtschaft und Bodenschutz, Wasser, Bildung, Gesundheit und Einkommen, besonders für Frauen. Die Idee dahinter ist, dass ein Brunnen allein wenig nützt, wenn die Kinder nicht zur Schule gehen können, und eine Schule wenig, wenn die Familien hungern. Fast alle Mitarbeitenden in Äthiopien sind Äthiopierinnen und Äthiopier.
Weil die Projekte auf viele Jahre angelegt sind bleibt die Stiftung in einem Gebiet oft zehn Jahre oder länger. Danach übergibt sie die Einrichtungen an die örtlichen Behörden und Gemeinden. Nach eigenen Angaben profitieren heute mehr als fünf Millionen Menschen von den langfristigen Projekten, elf Projektgebiete wurden bereits in lokale Verantwortung übergeben.
Was in einem Projektgebiet passiert
Wie das konkret aussieht, zeigt ein typisches Projektgebiet. An steilen Hängen legen Bauern mit Unterstützung der Stiftung Terrassen an und pflanzen Bäume, damit der Regen den Boden nicht wegspült. Quellen werden gefasst und Brunnen gebaut, damit Frauen und Mädchen nicht mehr stundenlang Wasser holen müssen. Schulen bekommen neue Klassenräume, Gesundheitsstationen werden ausgestattet. Frauen erhalten Kleinkredite und Schulungen, um etwa mit Hühnerhaltung oder einem kleinen Handel eigenes Geld zu verdienen. Wie eng Boden, Wasser und Ernte zusammenhängen, beschreibt die Seite Dürre und Klimawandel.

Eine Fachschule in Harar
1992 eröffnete die Stiftung in Harar eine fachschule, das Agro Technical and Technology College, kurz ATTC. Dort lernen junge Menschen aus ganz Äthiopien Berufe in Landwirtschaft, Technik und Handwerk, etwa Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik oder Holz- und Metallbearbeitung. Die Schule soll Fachkräfte ausbilden, die das Land dringend braucht. Viele Absolventinnen und Absolventen arbeiten später in Betrieben, bei Behörden oder machen sich selbstständig.
Almaz Böhm und die Nachfolge
1987 lernte Böhm Almaz kennen, eine junge Äthiopierin, die seit 1986 im Projektgebiet im Erer-Tal die Abteilung für Tierzucht leitete. Sie wurde seine frau und begleitete ihn viele Jahre bei der Arbeit. Böhm leitete die stiftung bis 2011. 2003 verlieh ihm Äthiopien die Ehrenstaatsbürgerschaft, 2007 erhielt er den Balzan-Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern, dazu viele weitere Auszeichnungen, unter anderem einen Ehrendoktor der Universität Jimma. Er starb am 29. Mai 2014 mit 86 Jahren in seinem Haus bei Salzburg. In Äthiopien wurde er von vielen als Freund des Landes betrauert.
Die Stiftung heute
Die Stiftung hat ihren Sitz in München und ein großes Team in Addis Abeba. In Österreich und der Schweiz gibt es eigenständige Organisationen gleichen Namens, die ebenfalls Projekte in Äthiopien unterstützen. Sie trägt das Spendensiegel des DZI. Ihre Schwerpunkte sind Landwirtschaft und Klima, Wasser, Bildung, Gesundheit und Einkommen. Seit den Kriegen und Kämpfen der letzten Jahre arbeitet auch sie unter schwierigen Bedingungen, manche Projektgebiete waren zeitweise nicht erreichbar.
Wer sich selbst ein Bild machen will findet auf der Website der Stiftung Berichte zu Projektgebieten, Jahresberichte und Finanzzahlen. Allgemeine Hinweise, woran du seriöse Hilfsorganisationen erkennst, gibt die Seite Spenden für Äthiopien. Was der Staat in der Entwicklungszusammenarbeit leistet, beschreibt die Seite Entwicklungszusammenarbeit.
Häufige Fragen
Wann wurde Menschen für Menschen gegründet?
Am 13. November 1981, wenige Monate nach Karlheinz Böhms Wette in der Sendung Wetten, dass..? vom 16. Mai 1981.
Wo arbeitet Menschen für Menschen?
Ausschließlich in Äthiopien, in ländlichen Projektgebieten, die über viele Jahre begleitet werden. Dazu kommt das College in Harar.
Wann starb Karlheinz Böhm?
Am 29. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren in seinem Haus bei Salzburg.
Quellen
- Stiftung Menschen für Menschen: Karlheinz Böhm, Biografie und Geschichte der Stiftung
- Internationale Balzan-Stiftung: Balzan-Preis 2007 für Karlheinz Böhm
- Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI): Spendensiegel, Liste geprüfter Organisationen
- Karlheinz Böhm mit Beate Wedekind: Mein Leben. Suchen, Werden, Finden, 2008
Stand der Angaben: 3. November 2026



